Berlin. Die NDR-Dokumentation " Aghet – ein Völkermord " in der ARD war Sonnabend früh um 1 Uhr zu Ende. Wer durchgehalten hat, fand nur noch schwer in den Schlaf. Viel zu erschütternd und aufwühlend waren die Bilder vom Genozid an den Armeniern.

Bilder von Menschenskeletten, von Massengräbern, Folterungen, Gehängten, Ertränkten, verhungernden, verwahrlosten Kindern, Waisen. Bilder von Todesmärschen in die südliche Wüste, von Deportationen in Viehwaggons, Erschießungen. Schätzungsweise 1, 5 Millionen Menschen sollen zwischen 1915 und 1917 im Türkisch-Osmanische Reich gestorben sein. Ein Völkermord, den die türkische Regierung als solchen bis heute nicht anerkennt.

Der in Australien geborene Dokumentarfilmer Eric Friedler hat für " Aghet " ( armenisch : Katastrophe ) nicht nur erstaunlich umfangreiches Bildmaterial zusammengetragen, sondern auch 23 bekannte Schauspieler gewinnen können, die den lange verstorbenen Zeitzeugen des Genozids an den Armeniern wieder eine Stimme gegeben haben. Schauspieler wie Martina Gedeck, Joachim Król, Gottfried John, Ulrich Noethen, Friedrich von Thun, Hannah Herzsprung sprechen als amerikanische und schwedische Missionsschwestern, Botschafter, Angehörige des deutschen Offizierskorps, überlebende Armenier und geben dem Film eine eigene erzählerische Form.

" Wir führten im Heute, Interviews mit der Vergangenheit ‘ und holten so, auch ohne zeitgenössische Kostümierung, diese Augenzeugen zurück ins Jetzt. Diese Form der filmischen Rekonstruktion und Verlebendigung hat es meines Wissens noch nicht gegeben ", sagte die Produzentin Katharina M. Trebitsch in einem NDR-Interview.

Diese tief bewegende 90-minütige Dokumentation, die auch die Rolle des deutschen Kaiserreiches als Verbündeter beleuchtet, wird heute um 20. 15 Uhr auf Phoenix wiederholt. Der Film wird Diskussionen auslösen. Eine Diskussionsrunde gibt es anschließend auf Phoenix. An ihr nimmt auch Hermann Goltz teil. Der Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat das Filmteam wissenschaftlich beraten.