Magdeburg l Tamás Szalay ist mit dem Fahrrad zum Kubus 2025 gekommen, dem gerade erst eröffneten, noch leeren Präsentations- und Diskussionsort zur Kulturhauptstadtbewerbung Magdeburgs. Der Kubus liegt in direkter Nachbarschaft zum Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, also mitten in der City. Längst kennt Szalay die Baustellen in der Stadt und die damit verbundenen Staus und Umwege. Mit dem Rad sei er nicht nur schneller, sagt er. Radfahren ermögliche ein anderes Erkunden. Szalay will und muss erkunden. Der gebürtige Pécser ist seit November Chef des Organisationsbüros Kulturhauptstadt.

Der verheiratete 48-Jährige hatte sich auf diesen Posten beworben. Die Stadt sprach vom „richtigen Mann“ und einem „Glücksfall“ – wohl weniger, weil Szalay Literaturwissenschaften studiert hatte und dank eines Stipendiums auch in Deutschland lernte. Vielmehr setzt Magdeburg auf ihn, weil er in seiner Heimat Pécs mit einem kleinen Team von vier Leuten die Bewerbung der ungarischen Stadt organisiert hatte und dort zudem als Kultureller Direktor der Kulturhaupstadt zuständig war. Szalay gilt als vernetzt. Bis heute ist er in einem europäischen Netzwerk der Kulturhauptstädte tätig, das den Weg zum Titel beratend begleitet. Drei Jahre war er in Stuttgart, leitete das dortige Ungarische Kulturinstitut.

Idealer Kandidat

Jetzt sitzt er für unser Gespräch im Kubus, dem modernen Glaspavillon, und erzählt rückblickend vom Titelgewinn für Pécs, der 2000 Jahre alten Stadt mit einer traditionsreichen Universität und einem ausgegrabenen Fundkomplex, der seit dem Jahr 2000 zum Unesco-Welterbe gehört. „Das ist etwas zum Zeigen, das ist aber keine Bewerbung“, sagt er und kommt sogleich zu Magdeburg mit seiner ebenfalls großen Geschichte. In Ungarn, so sagt Szalay, kennt man Magdeburg als Stadt Ottos des Großen, der einst auf dem Lechfeld in einer der berühmtesten Schlachten des Mittelalters ungarische Truppen schlug. Diese Historie sei zwar wichtig für die Bewerbung, aber eben nur ein Baustein in der DNA. „Magdeburg hat eine gute DNA“, sagt er voller Überzeugung und führt die Theater, die Museen, die freie, sehr engagierte Kultur- und Kunstszene an. Magdeburg bescheinigt er Potenzial. Die Stadt sei ein idealer Kandidat, sagt er. „Für den Titel aber ist die Nachhaltigkeit der Schlüssel“, weiß Szalay von seinem einstigen Job in der ungarischen Heimat.

Er spricht in gutem Deutsch, das für ihn noch sehr ausbaufähig sei, wie er meint, von Visionen über 2025 hinaus. Konkret aber wird er nicht, wie denn solche Nachhaltigkeit in Magdeburg aussehen könnte. Es sei momentan eine Phase, in der es leider noch nichts Vorzeigbares gebe, alles sei in der Diskussion, sagt er. Wenn man sich mit Szalay unterhält und ihm vom Gefühl erzählt, dass die Kulturhauptstadtbewerbung zwar immer wieder erwähnt wird, aber vieles nur halbherzig wirke, schüttelt er den Kopf. „Es gibt noch Raum nach oben“, sagt er.

Die fünf Beiräte mit etwa 70 Leuten, die vor fast einem Jahr ins Leben gerufen worden sind, sollen Mitte Mai erste Visionen vorlegen. Er nennt sie Diskussionsgrundlagen. Parallel gehe es jetzt los mit Aktivitäten beispielsweise im Kubus. Regelmäßige Workshops und Diskussionsrunden sind geplant. Den Auftakt gibt es am 20. April, wenn die freie Magdeburger Kulturszene zum Austausch geladen ist. „Bei der Auswahl vor der Jury zählt nicht, wie viele Veranstaltungen wir machen. Es zählt unser konsequentes Konzept“, sagt Szalay. Er spricht von wir und unser. Miteinander reden sei wichtig, der Ideenaustausch. „Es geht nicht um meine Visionen. Es geht um eure Visionen, um die Visionen der Magdeburger“, sagt der „Org-Büro“-Chef. Die große Frage steht: Was soll die Mission der Stadt werden?

Bis November sollen die Beirats-Vorschläge konkretisiert werden. Die Bewerbung muss Ende 2018 stehen. Dann gibt es ein erstes Aussieben bei den deutschen Bewerbern, die bis dato noch nicht feststehen. „Magdeburg hat guten Vorlauf. Und wir haben noch anderthalb Jahre Zeit“, sagt Szalay und lächelt. „Wir wollen erst einmal unbedingt auf die Shortlist.“