Beim Schreiben von Zeitungsartikeln Fremdwörter mit Augenmaß zu verwenden, dafür hatte ich vor zwei Wochen an ebendieser Stelle plädiert. Dabei habe ich auch darauf verwiesen, dass es Fremdwörter gibt, deren Verwendung sich unter Umständen nicht vermeiden lässt, weil sie sich im Deutschen nicht angemessen wiedergeben lassen.

Eine Anruferin, Germanistin nach eigenem Bekunden, machte mich noch auf einen weiteren Aspekt des Gebrauchs von Fremdwörtern aufmerksam: Immer weniger Fremdwörter vorwiegend aus dem Englischen, aber auch aus dem Französischen und anderen Sprachen würden eingedeutscht, sagte sie und verwies dabei auf ein gemeinsames Forschungsprojekt des Instituts für Deutsche Sprache mit anderen Sprachinstitutionen und Wörterbuchverlagen, das genau dieses ergeben habe.

Bei dessen Vorstellung in Mannheim, am Sitz des Instituts, hatte die Sprachwissenschaftlerin Sabine Krome festgestellt, neue Fremdwörter – als Beispiele nannte sie „Fracking“, „Bad Bank“ und „Follower“ – würden meistens in der fremdsprachigen Form in den deutschen Wortschatz übernommen. Der Grund dafür sei, dass immer mehr Deutsche gut Englisch schreiben und sprechen können. Gerade Internettexte nicht professioneller Schreiber in Onlineforen und Kurzmitteilungsdiensten veränderten den allgemeinen Sprachgebrauch, belegte die besagte Studie.

Folgerichtig umfasst das Neueste im Wortschatz der Zehnerjahre, das Aufnahme in das Neologismenwörterbuch des IDS gefunden hat, unter anderem Begriffe wie „Clickworker“, „Crowdworker“, „Darknet“, „Doodle“, „Foodtruck“, „Grexit“ und „Brexit“, „Keniakoalition“, „Kryptoparty“, „veggie“ und „Whatsapp“.

Kein Zweifel, die meisten dieser Fremdwörter möchte wohl niemand in der Tageszeitung lesen – zumindest nicht ohne entsprechende „Übersetzung“. An „Keniakoalition“ aber kommen wir in Magdeburg freilich nicht vorbei, und auch „Grexit“ und „Brexit“ sind inzwischen ja durchaus gebräuchlich.