Lübars l Auf dem Tisch vor Imker Klaus Wechselberger liegen zwei kleine Kästen. Sie sind mit Kabeln verbunden. Der eine Kasten hat einen Mini-Lautsprecher, der andere ist die Batterie. Zusammen erzeugen sie den „Varroa-Killer-Sound“. Die Geräte verkauft Klaus Wechselberger eigenen Angaben zufolge seit ein paar Wochen zuhauf an Imker in Deutschland und Österreich. Klaus Wechselberger stammt selbst aus Österreich, war lange in Frankreich. In Lübars startete der „Imkerei-Klaus“ im Jahr 2016 mit 300 Völkern als Wanderimker. Seine „Beuten“ fährt er bis zu den Obstplantagen bei Halle. Etwa 17 Tonnen Honig produziert er nach eigenen Angaben im Jahr.

Die Idee hinter der Technik klingt simpel: Das Gerät arbeitet mit 90 Dezibel lautem Hochfrequenzschall. „Jedes Lebewesen hat seine Eigenfrequenz“, erklärt Wechselberger. Varroa-Milben sollen auf etwa 15.000 Hertz reagieren und daran auch sterben. Für Bienen sei diese Frequenz ungefährlich. Für Menschen ist das Geräusch kaum wahrnehmbar. Kinder sollen am ehesten darauf reagieren. Den Paketen liegt ein Gehörschutz bei.

Warten auf Studien

Die Idee des „Killer Sounds“ stammt von Rainer Krüger, einem Imkermeister aus Süddeutschland. Der griff eine Idee aus den 1980er Jahren auf, um sie zur Patentreife zu bringen. Zu Krügers Partnern gehörte neben Imkern aus Südtirol, Österreich und Bayern auch der Lübarser Klaus Wechselberger. Inzwischen ist man sicher: Junge Varroa-Milben, die in die Brutzellen der Bienen krabbeln, sterben durch die Beschallung in drei Tagen ab. „Erwachsene Milben hören auf zu fressen, drehen sich im Kreis und sind nach 18 bis 20 Tagen tot“, beschreibt Klaus Wechselberger. Deswegen soll das System auch 25 Tage lang angewendet werden, empfehlen die „Killer-Sound“-Erfinder.

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In der Fachwelt beäugt man die Innovation noch skeptisch. Kaspar Bienefeld, Leiter des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen-Neuendorf bei Berlin, äußert „gewisse Bedenken“. Es sei nicht klar, ob die Geräusche für Bienen schädlich sind. „Bienen haben zwar keine Ohren, können aber Geräusche wahrnehmen“, so Bienefeld. In seinem Institut tüftelt man an einem Mittel gegen die Milbe, welches den Sexualtrieb des Parasiten durcheinanderbringt. Der Institutsleiter verweist darauf, dass es bisher noch keine wissenschaftlichen Studien zur Ultraschall-Methode gibt. Üblich sei, dass der Hersteller eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gibt.

Testgeräte für Imker

Zu Testzwecken hat Klaus Wechselberger bereits Imkern aus der Region Testgeräte zur Verfügung gestellt. So auch dem Burger Imker Karl-Heinz Sperfeld. Er habe das Gerät noch nicht in einer „Beute“ (so heißen die Bienenkästen) einbauen können, will dies aber in der kommenden Woche tun. „Das Gerät mag gute Funktion haben. Man muss die Ergebnisse abwarten“, gibt sich Sperfeld offen gegenüber der neuen Technik.

Seit Kurzem wird das Gerät vermarktet. Die Kosten für ein Gerät liegen bei 86 Euro. Es soll für drei Bienenvölker eingesetzt werden können.

15 Prozent Verlust

Bislang setzt man bei der Bekämpfung der Milbe auf Ameisensäure- und Oxalsäure-Bedampfung. Die Varroa-Milbe beschäftigt Bienenforscher schon seit den 1970er Jahren. Die 1,7 Millimeter kleine Milbe ernährt sich vom Blut der Bienen. Der Biss der Milbe bringt zudem krank machende Viren in die Körper. Die Vermehrung der Milbe findet auf der Brut statt. Daher sterben junge Bienen schon kurz nach dem Schlüpfen an Schwäche. Die UNO sieht durch die Varroa-Milbe die Nahrungsgrundlage der Menschheit in Gefahr.

Bei 95 Prozent aller eingegangenen Bienenvölker sei die Varroa-Milbe schuld, sagt Falko Breuer, Vorsitzender des Imkerverbandes Sachsen-Anhalt. In diesen ersten warmen Tagen zeigt sich auch in Sachsen-Anhalt, wie die Völker durch den Winter gekommen sind. Breuer rechnet nach ersten Umfragen im Verband mit einer Verlustrate von 15 Prozent. „Wir hatten auch schon 30 Prozent.“ Am 18. März weiß er mehr: Dann treffen sich die Imker zu ihrer Vertreterversammlung.