Haldensleben l Wenn sich Elisabeth Salomon ins Auto setzt und zu ihrer Arbeit fährt, steckt oft ein erfreulicher Grund dahinter. Elisabeth Salomon ist Hebamme und betreut werdende und frisch gebackene Mütter. Gleichzeitig arbeitet sie als Familienhebamme und wird im Bereich der „frühen Hilfe“ im Auftrag des Landkreises tätig.

Für Familienhebammen gibt es oft Fälle, die weniger erfreulich sind. Salomons Aufgabe besteht darin, junge Eltern zu unterstützen, Probleme frühzeitig zu erkennen und bereits vor möglichen Eskalationen einzugreifen. „Gott sei Dank“, sagt Elisabeth Salomon, „die meisten sind ganz normale Familien.“

Trotzdem, als Familienhebamme begegnen ihr immer wieder Fälle, die an die Nieren gehen. Probleme könnten dabei in allen Schichten auftreten, auch in einem gutbürgerlichen Elternhaus kann es zu Überforderung oder Ratlosigkeit kommen. „Ich stärke die Gesundheit von Kindern und Eltern“, sagt Salomon. Das sei ihre Aufgabe.

„Ich ertrage das oft nicht“, sagt sie. Drogen seien ein häufiges Problem, mit dem die Familienhebammen konfrontiert sind. Manche Eltern sind so schwerstabhängig, dass ein unbeschadetes Aufwachsen des Kindes kaum noch möglich ist. „Und dann denken sie, sie sind die besten Eltern der Welt“, sagt Elisabeth Salomon. Auf der anderen Seite entpuppen sich allgemeine Annahmen als Vorurteile. Besonders junge Eltern, Teenie-Mütter, zum Beispiel. „Denen traut man oft nichts zu“, sagt die Hebamme, dabei sei meistens das Gegenteil der Fall, und die sehr jungen Frauen würden sich als engagierte Mütter entpuppen, die Hilfe und Unterstützung gerne annehmen.

Während die Hebamme von ihrer Arbeit berichtet, klingelt das Handy. Am anderen Ende ist das Jugendamt mit einem Auftrag. Es geht um ein Kind in einer Pflegefamilie, die leibliche Mutter ist nicht mehr auffindbar.

In ihrer Funktion als Familienhebamme hat Elisabeth Salomon mit dem Jugendamt eher wenig zu tun. Das Angebot richtet sich vor allem an die Eltern selbst. „Die Familienhebamme ist ein niedrigschwelliges Angebot“, sagt Stefanie Kunz, die in der Netzwerkstelle frühe Hilfen in der Börde-Kreisverwaltung arbeitet. Eltern, die Hilfe brauchen, können sich anonym an die Stelle wenden und kostenlos die Unterstützung einer Familienhebamme in Anspruch nehmen. Das Angebot beginnt am ersten Tag der Schwangerschaft und endet mit dem ersten Geburtstag des Kindes.

Hintergrund der frühen Hilfen im Landkreis ist das gleichnamige Aktionsprogramm des Bundesfamilienministeriums. Dieses wiederum entstand mit dem neuen Kinderschutzgesetz, das 2012 in Kraft trat, und Prävention und Intervention stärker betont. Kindeswohlgefährdungen und andere Probleme in der Familie sollen so nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen. Mit Fördergeld unterstützt der Bund den Aufbau von Netzwerkstellen in den Kommunen. Diese sollen wiederum die Arbeit der Familienhebammen koordinieren und bereits bestehende Angebote der Kinderhilfe vernetzen. 92 000 Euro stellt der Bund dem Landkreis Börde jährlich zur Verfügung. In der Netzwerkstelle werden damit derzeit eine 30- und eine 20-Stunden-Stelle sowie die Öffentlichkeitsarbeit finanziert.

Während die Mitarbeiter der Netzwerkstelle im Verwaltungsgebäude die Arbeit koordinieren, ist Elisabeth Salomon unterwegs. Oft ärgert sie sich über Geringschätzung, seien es arrogante Kinderärzte oder Menschen, die keine Vorstellung von der fachlichen Kompetenz einer Familienhebamme haben. „Das ist Schwerstarbeit“, sagt Elisabeth Salomon.

Für die Familienhebamme ist vor allem das gegenseitige Vertrauen wichtig. In Fällen, in denen sie aufgrund von Kindeswohlgefährdung das Jugendamt oder andere Stellen einschalten muss, erklärt sie dies immer vorher den Eltern. „Ich bin ehrlich. Ich erkläre ihnen dann, dass das wichtig ist“, erklärt Salomon. Noch nie habe sie Eltern angezeigt oder anderes hinter deren Rücken unternommen.

Die Netzwerkstelle indes ist immer auf der Suche nach neuen Familienhebammen. Angesprochen sind dabei Hebammen, Kinderkrankenschwestern und -pfleger, sagt Stefanie Kunz. In Kursen werden diese dann zu Familienhebammen weitergebildet.

 

Erreichbar ist die Netzwerkstelle unter der Telefonnummer 03904/72 40 14 10 und www.boerdekreis.de/fruehe-hilfen