Hillersleben l Zur Auftaktkundgebung auf dem Platz an der ehemaligen „Gaststätte Kastanieneck“ konnte Moderator Edgar Kürschner auch Friedensfreunde aus Berlin und dem Wendland begrüßen. Etwa 60 Teilnehmer wurden gezählt. Zu ihnen sprach auch Doreen Hildebrandt, Landtagsabgeordnete und stellvertretende Landesvorsitzende der Partei Die Linke. Sie würdigte das Engagement und die Ausdauer der Friedensweg-Teilnehmer. „Von hier geht eine wichtige Botschaft zum Friedenswillen aus und das schon fast zum 300. Mal.“

Informiert wurde auch über die Teilnahme an der Meile der Demokratie in Magdeburg und über den bevorstehenden Ostermarsch in Letzlingen. Der gilt gleichzeitig als 298. Friedensweg und steht in diesem Jahr unter dem Motto „An Kriege gewöhnen? Niemals!“. Nach der Auftaktkundgebung besuchten die Demonstranten Klaus-Peter Keweloh. Der Hillersleber ist Militär- und Hobbyhistoriker sowie profunder Kenner der Geschichte von Hillersleben und der militärischen Einrichtungen dort, die Jahrzehnte lang das Bördedorf prägten.

Kontakte zu Zeitzeugen

Keweloh hält Kontakt zu Zeitzeugen im In- und Ausland. „Das reicht von Verbindungen zu ehemaligen amerikanischen Soldaten, zu Nachfahren der jüdischen Opfer des Farsleber KZ-Zuges in Israel, Ungarn oder den Niederlanden, bis hin zu ehemaligen Soldaten und Offizieren der Roten Armee, die hier in Hillersleben stationiert waren“, berichtete Klaus-Peter Keweloh seinen Besuchern. Er pflegt diese Kontakte intensiv. Erst kürzlich weilte er in Israel und will demnächst nach Moskau reisen. Dank dieser Verbindungen sowie seiner intensiven Nachforschungen vor Ort und im Internet konnte er am Sonntag assistiert von seinem Sohn Daniel einen sehr detaillierten und interessanten Vortrag über die Geschichte des Hillersleber Militärgeländes halten.

Bilder

Die begann mit der Errichtung der Heeresversuchsstelle Hillersleben im Jahr 1934. „Für die Errichtung der 30 Kilometer langen und 800 Meter breiten Schießbahn mussten damals Dörfer wie Salchau, Paxförde oder Schnöggersburg weichen“, berichtete Keweloh. Die Wehrmacht erprobte bei Hillersleben mit der für die damalige Zeit modernsten Technik, die Waffensysteme, die im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kamen. Dazu gehörten unter anderem das weltgrößte Geschütz „Dora“ oder der sagenumwobene „Roechling-Speer“. „Zum Schluss gab es hier sogar bemannte V2-Raketen“, erzählte Keweloh, der erst kürzlich im Internet ein entsprechendes Bilddokument ersteigert hat.

Das interessierte natürlich die Amerikaner, die im Mai 1945 in Hillerlseben einrückten und dort zwei Monate lang Zeit hatten, alle Unterlagen und die vorhandene Technik waggonweise fortzuschaffen.

Mit dem Einrücken der Roten Armee begann ein weiteres Kapitel der Hillersleber Geschichte. Bis August 1994 waren hier und in der Colbitz-Letzlinger Heide Zehntausende sowjetische Soldaten stationiert. „Bei Born soll es sogar Atomwaffen gegeben haben“, hat Keweloh aus glaubhafter Quelle erfahren.

Gemeinsam mit einem russischen Freund betreibt er in Russland eine Internetseite, die bislang fast eine Million Kontakte aufweist. Der Vortrag war so interessant und eindrucksvoll, dass die Teilnehmer des Friedensweges auf die danach geplante Wanderung verzichteten und dafür bei Kewelohs die Kaffeetafel deckten.