Haldensleben l Ruhe, einen Ort zur Besinnung in einem angemessenem Erscheinungsbild, dass wünscht sich der Haldensleber Klaus Schwentesius für sich und alle Hinterbliebenen auf dem Friedhof in der Althaldensleber Straße.

Täglich besucht der Rentner das Urnengrab seiner verstorbenen Frau, doch das Erscheinungsbild der Grabstätte versetzt den 74-jährigen seit Monaten in eine Mischung aus Ärger und Trauer. Platz für Besinnung findet der Friedhofsgänger nicht mehr.

Den ersten Ärger erfährt Schwentesius schon beim Betreten des Gottesackers. „Wofür sind denn die Türen am Friedhof angebracht, wenn ich sie nicht schließen kann? Muss denn erst Vandalismus auftauchen, bis jemand reagiert?“, fragt sich Schwentesius mit Blick auf das am Tor angebrachte Schild: „Tür bitte schließen“. „Die Türen bleiben unverschlossen. Es besteht keine Pflicht, den Friedhof zu verschließen“, entgegnet Andreas Radeck, Pressesprecher der Stadtverwaltung, auf Anfrage der Volksstimme, und fügt an, dass einzig das Tor an der Magdeburger Straße verschlossen werde, dies aber ausschließlich am Wochenende. Hingegen sei der Stadt unbekannt, dass das Tor gar nicht erst in das Schloss fällt. Dies werde nun aber geprüft, versichert Radeck.

Bedächtigen Schrittes geht Schwentesius durch die Gänge des Kirchhofs und macht seinem Ärger Luft. „Viele Gräber sind in einem furchtbaren Zustand, auch und gerade die von verdienten Bürgern unserer Stadt“, zeigt er sich enttäuscht. „Gerade die Grabstätte der Familie Albrecht, welche sich in Haldensleben verdient gemacht haben, befindet sich in keiner angemessenen Umgebung und zudem ohne Würdigung ihrer Leistungen“, ärgert sich der Rentner.

Auch hier hat Radeck eine Antwort: Die Grabstätte befinde sich nicht in der Pflege der Friedhofsverwaltung, vielmehr seien die Angehörigen dafür zuständig. Doch Schwentesius bemängelt eher den Zustand des Umfelds als den der Grabstätte selbst. Auch zum Gesamterscheinungsbild des Gottesacker hat die Verwaltung eine Antwort. Die Friedhofsflächen würden durchgehend gepflegt und gereinigt, welches je nach Jahreszeit und Witterung variieren kann, so Radeck.

Schließlich erreicht Schwentesius die Ruhestätte seiner Frau. „Oh, jetzt hat die Friedhofsverwaltung mal Laub entfernt, das ist sonst nicht der Fall“, wundert sich der Friedhofsgänger. Größtes Ärgernis bleibt für Schwentesius aber die Begrünung – oder besser Nicht-Begrünung der Grabstelle seiner verstorbenen Gattin. „Anfangs, im Frühjahr 2010, war auf der Fläche noch Rasen, das entsprach unseren Vorstellungen und auch der Würde der Beisetzung“, erinnert sich Schwentesius gut. Doch so sollte es nicht bleiben. Bereits im September selben Jahres wurde die gemeinschaftliche Urnengrabstätte laut Schwentesius mit Bodendeckern bepflanzt, welche sich nach seiner Einschätzung in einer schlechten Qualität befanden. Das Resultat: die Pflanzen gingen kurze Zeit später ein. Nach einer Eingebung im Jahr 2012 beim Bürgermeister wurde die Bepflanzung teilweise erneuert.

Vier Jahre später, im März 2016, hat die Ruhestätte seiner Frau fast jedes Grün verloren. Die ursprüngliche Flora wurde fortan mit Kieselsteinen und einer durchgezogenen Bodendeckerlinie über mehrere Gemeinschaftsurnengräber ersetzt. „Eine solche Grabfläche habe ich meiner Frau nicht gewünscht“, sagt Schwentesius. „Grün und farbenfreudig“, das war und ist sein Wille.

Auch die Wahl der Kieselsteine stößt dem Rentner bitter auf. „Das sind keine Steine zur Grababdeckung, wie ich sie kenne. Das sind ganz einfache Kieselsteine, diese findet man in jeder Sandkuhle“, ärgert sich der Rentner und vermutet Einsparungen für den Grund. Das Bild der Ruhestätte sei für ihn damit komplett entstellt.

„Ich habe bereits im Juni einen Leserbrief in der Volksstimme dazu geschrieben, aber getan hat sich nichts“, ärgert er sich und fügt an, dass selbst auf dem spärlichem Grün das Unkraut sprieße. Auf seine Nachfrage bei der Stadt sei dem 74-Jährigem mitgeteilt worden, dass er dies so hinzunehmen habe, berichtet Schwentesius verärgert.

Die Anfrage der Volksstimme ergab indes, dass es keine vertragliche Regelung über die Gestaltung der Grabfläche gebe. „Im konkreten Fall hat man sich nach der Bepflanzung mit Bodendeckern für gewaschenen Kies entschieden“, so Radeck, „da der Baumbestand Schatten auf die Grabfläche wirft, was wiederum die Bildung von Moos begünstigt und Grünpflanzen schädigt.“

Trotzdem hofft Klaus Schwentesius auf Verständnis seitens der Verwaltung, schließlich kostete den Rentner die Einrichtung der Urnengrabstätte einst 600 Euro für den Zeitraum von 15 Jahren – inklusive Pflege und Grabplatte. Er wünscht sich Verständnis auch insofern, dass das Grab seiner Frau wieder zu dem Ort der Ruhe und Besinnung wird – mit dem nach seinem Empfinden angemessenen Erscheinungsbild: grün und farbenfroh mit Schattengewächsen wie Günsel, Buschwindröschen oder Gefleckte Taubnessel.