Magdeburg l Dass die Polizei nach dem erneuten Übergriff auf eine Frau in der Magdeburger Innenstadt am vergangenen Freitag schnell drei Tatverdächtige stellen konnte, reichte einigen Kommentatoren im Internet nicht. Bereits nach den ersten Meldungen über die Straftat wurde von Dutzenden Personen eine verbale Spirale der Gewalt in Gang gesetzt. „Diese Viecher, Halbaffen ... Totschlagen an Ort und Stelle“ und „Jetzt gibt es keine Rücksicht mehr“ sind zwei von vielen Beispielen.

Am Ende der verbalen Gewalt stand der Übergriff von 30 vermummten und zum Teil mit Baseball-Schlägern bewaffneten Personen auf eine unbeteiligte Gruppe Syrer Sonntagnacht in Höhe der Festung Mark. Drei Syrer wurden verletzt. In Polizeikreisen geht man davon aus, dass die Tat eine direkte Reaktion auf den erneuten Übergriff war. Es gebe Hinweise, dass die Täter aus der Hooligan-Szene kommen, sagte Polizeisprecher Marc Becher. Eine Beobachtung, die auch Extremismus-Experte David Begrich machte. In den Kommentarspalten konnte man minütlich dabei zusehen, wie sich die Diskussion rasant radikalisierte.

Auch aus diesem Grund waren am Wochenende verstärkt Zivilpolizisten im Einsatz. Auch vor Flüchtlingsunterkünften waren nach Informationen der Volksstimme Einheiten zum Schutz abgestellt. Aufgrund der vermehrten Übergriffe auf Frauen im Magdeburger Stadtgebiet in den vergangenen Wochen hatte die Polizei das Gebiet sowieso stärker bestreift. Man sei „massiv“ und „intensiv“ auf den Straßen unterwegs gewesen.

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Heftig ging es auf der Facebook-Seite des Kampfsportlers Hendrik O. zu. Dort hieß es in einem an den grünen Landtagsabgeordneten Sören Herbst gerichteten und wieder gelöschten Eintrag: „Wir schreiben nicht öffentlich irgendwas schwules mein Kleener, ich handle! Wenn dann hast du ne Dauerkarte im Krankenhaus mein Schatzi, und auch da komme ich dich oft besuchen.“ Herbst sagte, dass die strafrechtliche Relevanz des Eintrages geprüft werde. Nach Informationen der Volksstimme hatte Herbst - wie andere auch - besonders heftige Hasskommentare zuvor bei der Polizei angezeigt. Bereits am Sonnabend hatten Beamte des LKA bei dem Kampfsportler eine Gefährderansprache gehalten. Die Beamten hatten Hendrik O. über mögliche Konsequenzen seines Handelns aufgeklärt, sollte er seine Drohung wahr machen.