Magdeburg l Es war ein historischer Augenblick, als im Juni 2015 die reich verzierte Kartusche, ein 500-Kilo-Sandsteinkoloss, am wiederaufgebauten Sterntor einschwebte. Doch das prächtige Tor, Zeugnis preußischer Festungsbaukunst, wird erst mit der Figurengruppe obenauf vollkommen sein. Das Kuratorium will 2017 weiter bauen. Zunächst muss der „Deckel drauf“.

Das prachtvolle Tor, 1723 von Festungsbaumeister Walrave als Eingang zur Sternschanze errichtet, stand einst im Bereich der Hegelstraße, Höhe Geißlerstraße. Heute, nach dem Wiederaufbau, ist es am Domplatz (etwa einen Kilometer nördlich seines ursprünglichen Standortes) zu finden. Es überspannt den Fußweg vom Kloster zum Dom. Regelmäßig bleiben Passanten an dem reich verzierten Sterntor stehen und bestaunen es. Doch vollkommen ist der barocke Torbogen noch nicht.

Krönung fehlt noch

Die Krönung, eine überlebensgroße Figurengruppe, fehlt noch. Das Kuratorium zur Wiedererrichtung des Sterntores will auch diesen wichtigen, krönenden Abschluss in Angriff nehmen. „Wir sind erst fertig, wenn das Tor seine Krönung hat“, erklärte Kuratoriumsvorsitzender Wigbert Schwenke schon im Sommer 2015, als die verzierenden Seitenreliefs und die Kartusche oben am Bogen angebracht wurden. Das war auch der vorläufige Höhepunkt für das ambitionierte Wiederaufbauprojekt.

Bilder

Seither ist etwas Ruhe eingekehrt, standen andere Projekte wie das im Herbst eingeweihte Katharinenportal im Breiten Weg im Fokus. In diesem Jahr soll es aber am Sterntor weitergehen, sagten Wigbert Schwenke und Kuratoriumsmitglied Frank Schuster der Volksstimme.

Weitere Spenden erbeten

Ein passendes Geschenk lieferte Parteifreund Reinhard Gurcke dieser Tage. Gurcke, ehemaliger Geschäftsführer der CDU-Ratsfraktion, hatte zu seinem 70. Geburtstag im September statt Präsenten um Spenden für das Sterntor gebeten und eine stattliche Summe zusammenbekommen. So konnte er jetzt einen Scheck über 1065 Euro an das Kuratorium zur Wiedererrichtung des Sterntores überreichen. „Eine wichtige Zugabe, über die wir uns sehr freuen“, so Schwenke.

Denn das größte Problem sind im Moment die Finanzen. Für den Laien kaum erkennbar: Das wiederaufgebaute Sterntor braucht noch ein spezielles, abgestuftes Traufgesims und eine Zinkblech-Abdeckung als Wetterschutz. Der „Deckel“ muss also noch oben drauf, denn mit der Umsetzung der Figurengruppe wird es noch eine Weile dauern. „Wir reden hier über Kosten von rund 250.000 Euro für die Krönung“, stellen Schwenke und Schuster klar. So viel Geld muss erst mal beschafft werden.

2017 aber sollen zumindest das Traufgesims und die Abdeckung auf das Sterntor gebracht werden. „Wir schieben eine Finanzierungslücke von rund 25.000 Euro vor uns her, um den jetzigen Bauabschnitt abschließen zu können“, sagt Wigbert Schwenke. Umso mehr freuen sich Schwenke und die anderen Mitglieder des siebenköpfigen Kuratoriums über jede Spende.

Nur eine Notabdeckung

Im Moment ist das Sterntor von oben nur mit einer Schweißbahn als Notabdeckung geschützt. Auf Dauer reicht das nicht, ist den Mitgliedern klar. Deshalb werden Wege gesucht, das Sterntor-Budget etwas aufzubessern. Im April oder Mai will der Natursteinbetrieb Paul Schuster wieder einen Aktionstag veranstalten. Für Profilteile, Säulenfragmente oder Maßwerkteile historischer Gebäude und Kirchen sollen Liebhaber gefunden werden. Der Erlös fließt ins Sterntor, verspricht Geschäftsführer Frank Schuster.

Das Kuratorium hofft, dass es für den letzten großen Bauabschnitt, die Figurengruppe, auch etwas Unterstützung aus dem Topf der Denkmalpflege gibt und ist dazu mit der Stadt im Gespräch. „Für das Modell, das schätzungsweise einen Anteil von rund 50.000 Euro ausmacht, wollen wir einen Antrag auf Förderung stellen“, sagte Schwenke.

Parallel will das Kuratorium auch weiterhin um Spenden werben, um das Sterntor einmal in vollständig altem Glanz erstrahlen zu lassen.