Magdeburg l Ein Kreuz für das Christentum, ein Mond für den Islam und der Stern für das Judentum sind Teil der runden Stahlskulptur, die die beiden Künstler Gregor Merten und Carmen Dietrich gefertigt haben. Innerhalb dieses Ringes ist dadurch – unbeabsichtigt – die Form eines Engels entstanden. Und der wird am 24. Mai 2017 als Sandabdruck vor dem Magdeburger Theater, vor der Moschee der Islamischen Gemeinde, am neuen Standort der geplanten Synagoge und vor dem Hundertwasserhaus zu sehen sein.

Dann wird, passend als Vorbereitung auf den Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg vom 25. bis 27. Mai, die anderthalb Meter hohe und 85 Kilogramm schwere Skulptur durch die Stadt gerollt. Die beiden Künstler sind bereits seit 2008 mit dem großen Ring unterwegs, mehr als 100 Städte hat die Skulptur durchquert. Immer mit der Botschaft: gegenseitiger Respekt, gemeinschaftliches Handeln, friedliches Zusammenleben.

Botschaft des Friedens

„Diese Botschaft ist in den heutigen Zeiten des Unfriedens wichtiger denn je“, sagt Dieter Steinecke. Der ehemalige Landtagspräsident holt die beiden Künstler nach Magdeburg. Er hat von dem Projekt gehört und war sofort begeistert. Steinecke hat neben Generalintendantin Karen Stone den Imam Moawia Al-Hamid, die Mitglieder der Synagogengemeinde sowie verschiedene Schulklassen und die Evangelische Kita im Hundertwasserhaus mit ins Boot geholt.

Jeder kann dabei sein, wenn gerollt, musiziert und der Quarzsand in die liegende Skulptur gefüllt wird, um für kurze Zeit als Engel auf dem Boden an die Bedeutung des Friedens zu erinnern. Dieter Steinecke freut sich auf einen musikalischen Gast ganz besonders: Igor Epstein, der sogenannte Teufelsgeiger, spielt alles von Pop bis Rock über Country bis hin zu jüdischer Musik.

Kopie bleibt am Magdeburger Dom

Wer auf dem Weg vom Theater bis zum Dom an dem 24. Mai Hunger bekommt, kann sich auf einen Brötchen-Engel freuen. 300 Stück wird die Bäckerei Schwarz sponsern. Apropos sponsern: Initiator Steinecke hat bereits erfolgreich nach Unterstützern für die Aktion gesucht. 3500 Euro fallen für das Projekt in Magdeburg an. Durch den Verkauf von 50-Cent-Münzen als Anstecker oder Anhänger, in die der „Engel der Kulturen“ hineingehämmert ist, sollen die restlichen Gelder zusammenkommen.

Die große Skulptur reist zwar weiter, aber eine kleine Kopie aus Stahl bleibt – auf dem Platz vorm Eingang zum Dom-Remter. Der Ring wird am Ende der Aktion mit blau eingefärbtem Spezialbeton ausgefüllt und im Boden eingelassen. Danach werden die Künstler direkt einen neuen „Engel der Kulturen“ mit dem Schneidbrenner anfertigen. Dieser zweite Ring wird dann auf der nächsten Station in Jena im Boden eingelassen. Der Magdeburger Engel kommt aus der Stadt Eupen in Belgien.

Magdeburg in Jerusalem

Doch damit ist die Reise nicht zu Ende: Beim Ausbrennen entsteht die innere Form des Engels, dieses Stahlstück wird mit Magdeburg beschriftet – und Teil einer hohen Skulptur, welche 2018 in Jerusalem aufgestellt werden soll. Für Dieter Steinecke ist der „Engel der Kulturen“ nur der Beginn neuer Kunst in Magdeburg – im Zeichen des Friedens.

Der Landesvorsitzende vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kündigt für 2019 einen sieben Meter hohen Maiskolben an, der am Eingang des Elbauenparks stehen soll. Das Friedensdenkmal des Magdeburger Künstlers Marcus Barwitzki soll aus mehr als 2000 Gesichtsabdrücken bestehen. Wer sich verewigen lassen will, hat dazu auf dem Kirchentag auf dem Weg die Chance.