Was können Opfer von häuslicher Gewalt tun?

Als Opfer von Gewalt sofort die Polizei unter 110 anrufen. Wichtige Dokumente und Bargeld an einem sicheren Ort hinterlegen.

Die Polizei kann dem Täter einen Platzverweis erteilen. Wer selber das Zuhause verlässt, sollte dem Täter keinerlei Auskunft zum zukünftigen Aufenthaltsort geben. Ein erster möglicher Zufluchtsort kann das Frauenhaus sein. Wer eine neue Wohnung bezieht, kann beim Einwohnermeldeamt eine Auskunftssperre beantragen.

Bei körperlichen und psychischen Verletzungen einen Arzt aufsuchen, der diese attestiert. Für ein Strafverfahren sollte der Arzt von der Schweigepflicht entbunden werden.

Beratung und Hilfe gibt es bei der Interventionsstelle unter Telefon 0391/610 62 26. In verschiedenen Sprachen sind zudem Beratungen über das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter der kostenlosen Nummer 08000/11 60 16 möglich.

85 Betroffene von häuslicher Gewalt hat die Interventionsstelle im Jahr 2016 allein in der Stadt Magdeburg betreut, darunter ein Mann.

46 Stalking-Opfer wurden von der Interventionsstelle für Magdeburg gezählt, darunter vier Männer.

69 Einsätze wurden bei der Polizeidirektion Nord im Jahr 2016 zu Vorfällen häuslicher Gewalt erfasst.

Magdeburg l Ruhig sitzt Maya vor der Kamera und spricht überlegt. Irgendwo mitten in Deutschland. Ort, Alter und den richtigen Namen erfährt der Zuschauer nicht. Ihre Worte brennen sich ein. Maya spricht von der totalen Kontrolle ihres Ex-Mannes, von den unzähligen Forderungen in Sachen Sex. Sie sagt: „Du bist gefangen in einem Machtsystem.“ Die junge Frau aus dem afrikanischen Benin spricht schnell, gestikuliert wild. Schlimme Narben sind auf ihrer Schulter zu erkennen. Yolande wurde von ihrem Mann mit Säure übergossen.

Hoffnung, dass sich etwas ändert

Allein im vergangenen Jahr wurden von der Interventionsstelle in Magdeburg und Umgebung 328 Frauen betreut, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind oder denen Männer nachstellten. „Macht und Kontrolle, der Besitzgedanke spielen dabei oft eine wichtige Rolle“, sagt Lissy Herrmann von der Interventionsstelle. Frauen zu finden, die über die Gewalt, den Druck, der auf sie ausgeübt wurde, sprechen, war nicht leicht für Regisseurin Claudia Schmid. Viele Wochen ist die 61-Jährige durch die afrikanischen Länder Kongo und Benin sowie durch Bangladesch gereist, hat auf dem Land sich eine Bleibe gesucht, in einfachsten Verhältnissen. Sie hat in einer Teestube jemanden gefunden, der beim Übersetzen hilft, sich den Frauen angenähert, Vertrauen aufgebaut und selbst gefilmt. Die Regisseurin aus Köln spricht von Geheimdiensten, gefährlichen Grenzübergängen und von Hoffnungen. Schmid: „Die Frauen reden, weil sie hoffen, dass sich etwas ändert.“ Dass es irgendwann keine Zwangsheirat, keine Art der modernen Sklaverei mehr gibt.

Festgelegtes Frauenbild

In Deutschland eine Frau zu finden, die sich vor der Kamera öffnet, war am schwersten, erzählt die Regisseurin nach der Filmvorführung im Moritzhof. Viele hätten Angst vor den Folgen, vor den Männern, die einmal ihre Partner waren. Es gibt aktuelle Statistiken, die belegen, dass jede dritte bis vierte Frau in ihrer Partnerschaft geschlagen wird. In dem Film geben das die Männer ganz offen zu: Die Frau habe ihre Aufgaben wie Wäsche waschen zu erledigen und mit dem Mann zu schlafen, wann immer er darauf bestehe. „Solche Sätze ziehen einem die Schuhe aus“, sagt Gleichstellungsbeauftragte Heike Ponitka. Deutsche Männer kommen im Film nicht zu Wort. Ponitka: „So offen sagt das bei uns niemand.“ Patriarchalische Strukturen, Männer, die über Frauen bestimmen wollen, gebe es trotzdem zur Genüge.

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Polizei einschalten

Was Claudia Schmid will: Dass die Ursachen durch Aufklärung und Bildung bekämpft werden. Werden die Frauen trotzdem zu Opfern häuslicher Gewalt, müssen sie Hilfe erfahren. Wie das in Deutschland aussehen kann: „Sobald die Polizei informiert ist, haben die Beamten die Möglichkeit, dem Täter einen Platzverweis zu erteilen oder ihn sogar in Gewahrsam zu nehmen“, erklärt Kriminalrätin Ilona Wessner. Die Polizisten nehmen dem Täter den Schlüssel ab, es sind Anordnungen möglich, nach denen der Mann sich nicht mehr nähern darf. „Aber oft bleiben Berührungspunkte“, sagt Lissy Herrmann. Das könnten gemeinsame Kinder oder Hauskredite sein. Heike Ponitka weiß von Frauen, die bei der Übergabe der Kinder auf offener Straße verprügelt wurden. Um Betroffenen wie ihnen zu helfen, habe man ein „starkes Netzwerk“ aus Beratern aufgebaut.

Am 11. und 12. März wird der Film von Claudia Schmid im Moritzhof gezeigt.