Magdeburg l Laufen ist in Magdeburg kein Trend mehr, sondern eine feste Bewegung. Wo sich die Freizeitläufer in der Stadt bewegen und wie die Strecken im Test abschneiden, beleuchtete die Volksstimme-Serie „Laufend unterwegs“. Beim Finale berichten Läufer von ihrem Antrieb. Die Laufbewegung in der Landeshauptstadt besticht durch ihre Beständigkeit: Jahr für Jahr finden sich mehr Magdeburger, die in ihrer Freizeit die Laufschuhe schnüren und sich auf den Laufstrecken der Stadt beispielsweise an der Schrote, in der Kreuzhorst und entlang der Elbe einfinden. Nun fällt es allerdings schwer, eine exakte Zahl in einer Statistik auszuweisen, da es zum Ausüben des Sports keiner Vereinszugehörigkeit oder festen Organisation bedarf. Eine von der Gesellschaft für Konsumforschung erhobene Statistik weist bundesweit etwa 17 Millionen Läufer aus. Tendenz steigend.

Wachsende Bewegung

Dass die Zahl der Laufbegeisterten auch in Magdeburg stetig steigt, dokumentiert die Teilnehmerzahl der Stadtrangliste. In der Laufserie werden jene Magdeburger registriert, die sich bei den insgesamt acht Wertungsläufen einfinden, so Mitorganisator Ralf Zander. „Im Jahr 2015 konnte mit 5173 Starts ein neuer Rekord verzeichnet werden“, so Zander. Zum Vergleich: Bei der Wiederbelebung der Stadtrangliste vor zehn Jahren waren es überschaubare 679 Starts.

Luxusproblem durch Teilnehmeranstieg

In diesem Jahr zeichnet sich bereits eine Verbesserung des Teilnehmerrekords ab. Beim Auftakt der Laufserie Ende Mai beim 14. Elbe-Brücken-Lauf zählte der Organisator, die Magdeburger Laufkultur (MLK) 08, 1731 sogenannte Finisher (englisch: Läufer, die das Ziel erreichten). 2015 waren 1400. „Der Anstieg in diesem Jahr war enorm“, zeigt sich Heiko Björn von der MLK überrascht und erfreut zugleich. 200 Läufer konnte der Lauf bei seiner Premiere mobilisieren. Mittlerweile denke man darüber nach, eventuell ein Limit von 2000 Läufern festzulegen, „da wir bei der Organisation und den Platzkapazitäten im Stadtpark an Grenzen stoßen“, so Björn, der dies aber als „willkommenes Luxusproblem“ wertet.

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Beim Magdeburg-Marathon, der am 23. Oktober in seine 13. Runde gehen wird und mit 6000 Teilnehmern die größte Laufveranstaltung Sachsen-Anhalts ist, haben sich bislang 1500 Teilnehmer angemeldet. Damit bewege man sich zwar auf dem Niveau, das zur gleichen Zeit in den Vorjahren erreicht wurde, „aber bedenkt man, dass wir in diesem Jahr erst sehr, sehr spät die Strecken für die verschiedenen Distanzen festlegen konnten, ist das ein absolut positives Signal“, klärt Ralf Eger von der Volkslaufgemeinschaft (VLG) 1991, die den Lauf organisiert, auf. Den Grund dafür sieht er in der weiter steigenden Laufbegeisterung sowie der Möglichkeit, die Stadt und ihre markanten Punkte läuferisch zu erkunden. Eger: „Beim Marathonlauf können 30 verschiedene Sehenswürdigkeiten passiert werden.“ Dies ist auch als Team möglich.

Der Staffellauf (vier Läufer bilden ein Team) über die 42,195-Kilometer-Distanz wird in diesem Jahr erstmals angeboten. Damit wird buchstäblich der Staffelstab aufgegriffen, der bei der Firmenstaffel Magdeburg am 23. Juni unter den 1000 Teams bestehend aus jeweils fünf Kollegen weitergegeben wurde. Die Veranstaltung im Elbauenpark war bereits weit im Vorfeld ausgebucht.

Training unter Kollegen

Mit dabei waren auch zwei Staffeln der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Magdeburg-Stadtfeld, genannt „Die Stadtfelder“. Im Vorfeld des Laufs seien die Mitarbeiter der Genossenschaft bei einem gemeinsamen Training von der VLG auf den Lauf eingestellt worden, so Vorstand Jens Schneider. Dabei habe sich gezeigt, dass der Zusammenhalt gestärkt werde. Und: „Die Laufbegeisterung ist so groß, dass nun auch der Staffellauf beim Magdeburg Marathon, wo pro Läufer etwa zehn Kilometer zu absolvieren sind, angepeilt wird. Die Euphorie ist auch bei uns vermeintlichen Anfängern deutlich spürbar.“

Da ist Nadine Grothe schon wesentlich weiter. Sie hat sich als Ziel gesetzt, den Frankfurt-Marathon in einer Zeit von 3:00 Stunden zu absolvieren. „Um laufen gehen zu können, muss ich nicht Mitglied eines Vereins oder in einem Studio angemeldet sein: Einfach die Laufklamotten und die Schuhe anziehen und schon geht es los. Wann und wo dies geschieht, kann jeder selbst bestimmen“, nennt die Diplom-Sozialpädagogin die Vorzüge am Laufsport.

„Als ich mit 29 Jahren angefangen habe zu laufen, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in der Lage sein werde, einen Marathon zu absolvieren“, so die 37-Jährige weiter.

Für den Einstieg ist es nie zu spät

Dass es nie zu spät ist, mit dem Laufsport zu beginnen, beweist Petra Schultz. Sie stieg als 40-Jährige in den Laufsport ein, ist in den Bestenlisten von Laufveranstaltungen zu finden und stellt sich regelmäßig den Herausforderungen von Ultra-Läufen. Also jenen Läufen, die über die Marathondistanz hinausgehen.

„Das hat sich langsam entwickelt und war anfangs nie mein Ziel“, sagt sie schmunzelnd. Zu Beginn des Jahres absolvierte sie die Brockenchallenge: einen 80-Kilometer-Lauf bei Schnee und Eis mit dem Start in Göttingen und der Ankunft auf dem 1141 Meter hohen Berg, und sie ist bei Läufen in Amerika und Südafrika dabei gewesen. „Ich laufe, um zu zeigen, zu was der Körper auch im fortgeschrittenen Alter in der Lage ist und um meinen Schülern ein Vorbild zu sein“, so die 60-jährige Lehrerin.

Zum Ausleben ihres Bewegungsdrangs werden die Freizeitläufer von der Sportindustrie unterstützt: Für jedes Wetter haben die Hersteller die passende Kleidung und Ausrüstung parat. Als Motivationshilfe, den inneren Schweinehund zu überlisten, der sich nach Feierabend gemütlich auf der Couch wähnt, sieht Birgit Kermbach „das Verabreden mit Lauffreunden“. Die 56-Jährige besucht regelmäßig einen Lauftreff, der sich abseits der Läufe der Stadtrangliste unter Gleichgesinnten gegründet hat und dienstags und donnerstags vornehmlich im Stadtpark seine Runden dreht. Die Altersspanne der Gruppe umfasst den Jugendlichen ebenso wie den Senior. Mathias Tronnier aus Ottersleben sagt, dass es sich „in der Gemeinschaft leichter laufen lässt“.

Thorsten Weise ist auf der Suche nach einem Laufpartner zur Vorbereitung eines Marathons im Internet bei Angela Breme fündig geworden. „Gegenseitig haben wir uns bei den Laufeinheiten motiviert und den Zieleinlauf dann sogar gemeinsam erlebt“, so der Polizist. Generell sei das Laufen eine gute Gelegenheit, Menschen kennenzulernen, verweist Frank Ambach: „Bei Laufveranstaltungen kommt man schnell in Kontakt und tauscht sich aus. Im Laufe der Zeit habe ich auf diese Weise viele nette Menschen kennengelernt, die ich Lauffreunde nennen kann“, so der Busfahrer bei der Magdeburger Verkehrsgesellschaft GmbH (MVG), für den der Wettkampfgedanke zweitrangig ist. Dass der 59-Jährige zudem seine Gesundheit fördere, sei ein schöner Nebeneffekt. Dies kann Birgit Herkula bestätigen. „Ich laufe, weil ich den Kopf frei und nebenher tolle Ideen geschenkt bekomme und das Laufen meiner Gesundheit gut tut: Ich habe keine Rückenschmerzen mehr“, sagt die Autorin.