Magdeburg l In und um Ottersleben zu laufen ist gleichzusetzen mit einem Härtetest für Material und Körper. Vom Treffpunkt an der Ecke Hängelsbreite/Lüttgen-Ottersleben führt der Weg auf einem Mix aus Schotter und Asphalt zunächst in Richtung Norden über das Flüsschen Klinke und die Ortsumgehung Niendorfer Grund bis zur Gabelung am Hohendodeleber Weg. Auf den ersten beiden Kilometern macht sich die leichte Steigung bemerkbar – der Körper ist gleich gefordert. Nicht zum letzten Mal, egal ob westlich Hohendodeleben oder nördlich Diesdorf angesteuert wird.

Ein tolles Laufgefühl stellt sich beim Abbiegen links in die Börde ein. Der schmale, für Fahrzeuge nicht zugängliche etwa 500 Meter lange Weg gleicht einem grünen Tunnel: Bäume und Sträucher wachsen buchstäblich über den Kopf hinweg und bilden förmlich ein Dach. Herrlich. Nicht ganz so herrlich gestaltet sich der anschließende Abschnitt, der unter die Autobahn 14 hinauf in das Bördedorf führt. Große und kleine Steine in Kombination mit Sand bilden ein Geläuf, das zusammen mit der Steigung ein Gefühl eines Geländelaufs vermittelt. Oder auch ganz modern „Trailrunning“ genannt. „Hier merkt man, warum der Ort Hohen- und nicht Niederndodeleben heißt“, frohlockt Mathias Tronnier beim Anstieg. Diese Strecke wird übrigens auch beim Kurs des traditionellen Maiglöckchenlaufs eingebunden.

Historische Kommunikation

Bei der Ankunft im Ort (Vier-Kilometer-Marke ist erreicht) macht ein Hinweisschild darauf aufmerksam, dass hier der sogenannte Telegraphenradweg verläuft: Der Fuchsberg ist eine von 62 Stationen des Preußischen optischen Telegrafen, ein früheres telegrafisches Kommunikationssystem zwischen Berlin und der Rheinprovinz, mit dem Nachrichten mittels optischer Signale über eine Distanz von fast 550 Kilometern übermittelt wurden. So weit soll es für uns aber nicht gehen … Wir vollziehen über die Straße „Am Ottersleber Feld“ die Kehrtwende in Richtung Magdeburg und biegen über den Börde-Radweg an der Ottersleber Chaussee per Linksschwenk in einen Feldweg, der wieder zum grünen Tunnel führt. Fertig. 8,9 Kilometer und ein Höhenunterschied von knapp 85 Metern stehen auf der Uhr.

Etwa 1,4 Kilometer länger ist die Laufrunde, die über ein kurzes Stück des Hohendodeleber Weges über einen mit Betonplatten ausgelegten Weg in Richtung Diesdorf führt. Passiert wird dabei der Schießstand der Polizei und das Hundetrainingszentrum „Kreuzgrund“. Für die Hinterlassenschaften der Vierbeiner sind an Zäunen linksseitig der Strecke kleine Tüten befestigt. Sehr löblich.

Wer die Motocrossstrecke von Motor Mitte Magdeburg auf dem Ottersleber Weg umrundet, bekommt einen 100 Meter langen Schwung bergab versetzt, was die Beine dankend annehmen. Nicht ganz so begeisternd ist das rege Verkehrsaufkommen nach dem Abbiegen in Richtung einer Kiesgrube. Autos, die aus Richtung Ottersleben und Diesdorf den Feldweg nutzen, fordern ihren Platz ein und wirbeln Staub auf. Wie eine kleine Oase erscheint da die von Bäumen und Sträuchern umrandete Unterführung unter die Eisenbahnstrecke. Der Diesdorfer Talsperre folgt der Höhepunkt der Strecke: Nach 4,5 Kilometern lenken Ponys, Emus, Alpakas und Schafe eines Tierhofes die Aufmerksamkeit auf sich.

Von wegen ruck zuck

Die folgenden Kilometer lassen sich schnell zusammenfassen: Sie sind hart. Über betonierten Untergrund geht es entlang des Diesdorfer Graseweges zurück nach Ottersleben. Die Strecke führt auf und ab und wirkt äußerst monoton. Sie scheint auch nicht enden zu wollen. Der Laufspaß wird zudem von vorbeibrausenden Fahrzeugen gedämpft. Der Park am Ottersleber Teich ist da ein willkommener Blickfang. Der an einem Gewerbeobjekt an der Niendorfer Straße installierte Schriftzug „Ruck zuck“ kann nicht auf das letzte Teilstück der Runde umgemünzt werden: Ruck zuck läuft es sich aufgrund des permanenten Anstiegs nicht.

Fazit: Die Wege von Ottersleben in die Börde und nach Diesdorf erfordern ein gehöriges Maß an Aufmerksamkeit. Die Beschaffenheit des Untergrundes wechselt, ist ein ums andere Mal uneben und birgt die Gefahr, umzuknicken. Wer ein anspruchsvolles Geläuf mag, fühlt sich hier sicherlich wohl. Der beschriebene grüne Tunnel und die Bewohner des Tierhofes sind Höhepunkte, von denen ein Läufer lange zehren kann, wenn er die Fähigkeit besitzt, Eindrücke links und rechts des Wegesrandes aufzusaugen. Laufneulinge dürften an den Distanzen der vorgestellten Runden zu knabbern haben.

Dazu ein Tipp: Der VfB Ottersleben ermöglicht es Freizeitläufern, gegen einen kleinen Obolus die Tartanbahn auf dem Sportgelände am Schwarzen Weg zu nutzen. Dort wird am 2. September auch der Ottersleber Stundenlauf organisiert, ein Wertungslauf der Magdeburger Stadtrangliste. Anmeldungen sind ab 1. Juni möglich: www.ottersleber-stundenlauf.de