Magdeburg l Kunst- und Musikunterricht sind in einigen Klassen der Schule an der Braunschweiger Straße seit Wochen fast gänzlich vom Stundenplan verschwunden. Unterrichtsstunden fallen aus, Klassen werden zusammengelegt. Grund für diese Maßnahmen ist ein Krankheitsstand der Lehrer, der seit Monaten anhält. Erschwerend kommt hinzu, dass der Schule von vornherein über 40 Lehrerstunden und 40 Stunden von pädagogischen Mitarbeitern fehlen, so dass die Einrichtung bereits mit einem Minus in das neue Schuljahr gestartet ist, so Schulleiter Mario Vollack auf Nachfrage.

Kettenreaktion

Oft sind es Kettenreaktionen wie diese, die sich einstellen: Erst im Januar erhielt ein Lehrer von einer freien Schule einen Vertrag, so dass eine Sonderschulpädagogin als Klassenlehrerin fungieren musste. Dadurch konnte ein Unterrichtsausfall in dieser Klasse zwar verhindert werden, die Sonderschulpädagogik konnte aber nicht in dem Umfang gewährleistet werden, wie dies an der Schule der Fall sein müsste.

Die Schule verfügt insgesamt über ein überschaubares Personal. 13 Lehrer unterrichten an der Grundschule, die von 235 Schülern in 9 Klassen besucht wird. Die Folge sind Klassen, die durchschnittlich über 27 Schüler verfügen. Darunter seien einige, die einen erhöhten Förderbedarf haben sowie 35 Schüler mit Migrationshintergrund. „Kommt es nun zu einem Ausfall eines Kollegen, müssen dessen Schüler auf andere Klassen verteilt werden“, sagt Vollack zur Stundenplanung. Aktuell stehen weniger Lehrer zur Verfügung, als Klassen unterrichtet werden müssten.

Betreuung durch Lehrer

Und: Durch das Fehlen von pädagogischen Mitarbeitern ist die Betreuung der Kinder nicht gewährleistet, so dass Lehrer aus dem Unterricht herausgenommen werden müssen, um diese Aufgabe abzudecken und zwei Klassen zu beaufsichtigen. „Aus Klassen, die von einem Lehrerausfall nicht direkt betroffen sind, müssen aus Gründen der Sicherheit Lehrkräfte abgezogen werden“, verdeutlicht Mario Vollack.

Derzeit fallen Unterrichtsstunden für ausländische Schüler an der Grundschule komplett weg. U. a. auch, weil im Januar die Verträge der Stellen nicht verlängert wurden. „Von 40 Stunden verfügen wir nur noch über maximal 20, die abgedeckt werden könnten, wenn alle Lehrer im Dienst wären“, sagt er weiter.

Pflichtunterricht geht vor

Kommt es zum Lehrerausfall, folgt das Streichen von Förderstunden sowie zusätzlichen Angeboten wie Computerkurse. „Dann fange ich an, Fächer wie Gestalten, Musik und Sport vom Plan zu nehmen, um als letztes Mathe und Deutsch streichen zu müssen – der Pflichtunterricht geht vor.“ Der Schulalltag besteht daher derzeit größtenteils aus Betreuung. Vollack: „Der Unterrichtsbetrieb ist stark gestört. Ich bin sehr unglücklich mit der Situation, unter den Lehrern gibt es verständlicherweise eine große Unzufriedenheit.“ Die Spirale dreht sich weiter: Die Situation führt zu gesundheitlichen Einschränkungen bei jenen, die unterrichten. „Kommen Lehrer halbwegs gesund wieder, fallen dann die aus, die überlastet sind“, so der Schulleiter.

Die Unzufriedenheit hat sich auch unter den Eltern der Schüler breit gemacht. Wie bei Sabrina Dlugosch, deren Kinder die zweite und vierte Klassenstufe besuchen. „Der Stundenausfall zieht sich durch das Schuljahr wie ein roter Faden“, sagt sie. Den schwarzen Peter schiebt sie nicht der Schule zu. Sie sieht das Land gefordert, kurzfristige Lösungen zu finden. „Wobei das Problem schon so lange existiert, dass man von Kurzfristigkeit nicht mehr sprechen kann.“

Die Lösung ist einfach

Die Schule benötige einfach Lehrer, so Mario Vollack. Hilfe zeichnet sich allerdings nicht ab. Beispiel: Eine vom Landesschulamt im Januar ausgeschriebene sogenannte Feuerwehrstelle als Ersatz für eine Kollegin, die sich das Bein gebrochen hat, ist bis heute nicht besetzt. „Nun gibt es eine Haushaltssperre – Ersatz wird es nicht geben“, so Vollack. Die Schule habe kurz vor der Entscheidung gestanden, den Betrieb kurzfristig einstellen zu müssen. Die Schule im Harz, die vor kurzem schließen musste, ist kein Einzelfall.