Blick in die Verwaltungsvorschrift

Die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm ist bundesweit gültig und bringt Klarheit darüber, was an Belastungen für die Anwohner als zumutbar gilt. Im Punkt 3.1.1. werden dort Immissionsrichtwerte festgesetzt. Für Gebiete mit gewerblichen Anlagen und Wohnungen, in denen weder vorwiegend gewerbliche Anlagen noch vorwiegend Wohnungen untergebracht sind, gelten tagsüber 60 dB (A) nachts 45 dB (A) und für Gebiete, in denen vorwiegend Wohnungen untergebracht sind, tagsüber 55 dB (A) nachts 40 dB (A). Als Nachtzeit gilt laut Verordnung die Zeit von 20 bis 7 Uhr.

Gemessen wird hier der Schalldruckpegel in Dezibel dB (A). Eine Steigerung um 6 dB (A) entspricht etwa einer Verdopplung der Lautstärke. Das Gehör empfindet unterschiedliche Frequenzen verschieden laut – dies wird in den Messgeräten nachgeahmt. Zum Vergleich: In einer sehr ruhigen Wohnung beträgt der Schalldruck etwa 40 bis 50 dB(A), ein normal sprechender Mensch in einer Entfernung von einem Meter bringt es auf bis zu 60 dB(A).

In den Maßnahmen zur Minderung des Baulärms wird neben Schallschutz an den Baumaschinen auch die Möglichkeit, mit sogenannten Schallschutzschirmen und mit Schallschutzzelten die Ausbreitung des Lärms zu vermindern, erörtert. (ri)

Magdeburg l Die Zeit drückt, um die Bautermine einzuhalten. Daher gibt es an der Tunnelbaustelle bis zum 13. April eine Sondergenehmigung, auch nachts zu arbeiten. Es geht dabei darum, das Baufeld für die weiteren Arbeiten freizumachen. Und das bedeutet auch, dass Asphalt und Beton in diesem Bereich aufgestemmt werden müssen. Mehrere Anwohner haben sich in der Redaktion gemeldet – darunter auch einige aus Stadtfeld.

Doch besonders betroffen sind wohl jene Menschen, die direkt an der Ernst-Reuter-Allee zwischen Otto-von-Guericke-Straße und Brandenburger Straße sowie in der dortigen Nachbarschaft wohnen. Zu diesen Nachbarn im Nahkontakt zum Tunnelbau gehört Dajana Meusel aus der Ernst-Reuter-Allee. Sie sagt: „An Schlaf war hier in den vergangenen Tagen nicht zu denken.“ Sie hat die Situation dokumentiert: In den frühen Morgenstunden wird hier – lange vor der von dem von der Verwaltungsvorschrift festgesetzten Ende der Nachtruhe um 7 Uhr – die Straßen­oberfläche aufgemeißelt. Von Schallschutz ist hier nichts zu erkennen. Die Volksstimme-Leserin berichtet: „Das ist natürlich bei uns im Haus ein Thema, und ein Nachbar hat berichtet, dass er sogar die Vibrationen bis in sein Zimmer gespürt hat. Ich will gar nicht wissen, was das auch für das Bauwerk bedeutet.“

Stadt verweist auf Sondergenehmigung

Aus der Pressestelle der Stadt heißt es auf Nachfrage der Volksstimme: „Grundsätzlich ist für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen des Immissionsschutzes auf der Baustelle das von uns beauftragte Bauunternehmen verantwortlich. Die vorliegende Ausnahmegenehmigung für die Nachtarbeit bedeutet jedoch nicht, dass die Firma unbegrenzt Lärm verursachen darf. Wir haben deshalb das Unternehmen aufgefordert, die Bautechnologie entsprechend anzupassen und die gesetzlichen Bestimmungen zu beachten.“ Das scheint ein wenig gewirkt zu haben: Dajana Meusel spricht von einer leichten Verbesserung der Situation – freut sich aber dennoch auf ein Wochenende in Braunschweig – allein schon des ruhigen Schlafes wegen.

Die Frage der Volksstimme an die Stadt, inwiefern die Einhaltung des Lärmschutzes kontrolliert wird, bleibt unbeantwortet, ebenso wie die, ob auch das nächtliche Aufstemmen von Fahrbahnen genehmigt war.