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Eichenspinner Es braucht eine breite Front

Der Eichenprozessionsspinner wird für die nördliche Altmark immer mehr zu einer Bedrohung, die Hilferufe immer lauter.

Von Ralf Franke 04.07.2016, 01:01

Krumke/Seehausen l Beim Vor-Ort-Termin am vergangenen Montag mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Chris Schulenburg in und um Pollitz kündigte der Seehäuser Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth an, bei der Tier- und Gewerbeschau in Krumke die sachsen-anhaltische Landwirtschafts- und Umweltministerin Claudia Dalbert auf die Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner aufmerksam zu machen.

Am Sonnabend nutzte er seine Chance, um das Gespräch mit der Bündnis-Grünen Politikerin zu suchen und ihr ein Schreiben zu übergeben, in dem auf den Dauerbrenner im wahrsten Sinn des Wortes hingewiesen wird.

Denn die Raupen des bekannten Falters fressen nicht nur immer mehr der landschaftsprägenden Eichen zu Tode, sondern sorgen mit ihren Brennhaaren immer öfter für allergische Reaktionen bei Anwohnern, ahnungslosen Passanten und Touristen, die die Natur im ehemaligen deutsch-deutschen Grenzgebiet oder Elbe und Aland erkunden. Die Verbandsgemeinde Seehausen und ihre Mitgliedskommunen sehen sich sowohl aus finanzieller als auch logistischer Sicht nicht in der Lage, die Ausbreitung des Forstschädlings einzudämmen und hoffen auf überregionale Unterstützung, weil der Forstschädling ja auch kein regionales Phänomen ist.

In dem Schreiben verweist Rüdiger Kloth unter anderem darauf, dass das Problem seit etwa zehn Jahren akut besteht und die größten Erfolge 2008 bis 2010 erreicht wurden. Damals gab es eine gemeinsame und großflächige Bekämpfungsstrategie von Kommune, Landkreis, Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten, Straßenbaubehörde, Forstamt, Landeszentrum Wald und oberer Naturschutzbehörde, was einen deutlichen Rückgang der Falterpopulation zur Folge hatte. Die Wirksamkeit des Insektizids wurde sogar wissenschaftlich dokumentiert. Diese breite Front gibt es nicht mehr.

Seit 2011 sind die Kommunen auf sich alleine gestellt. Das biologische Bekämpfungsmittel wurde von der Zulassungsbehörde immer weiter verdünnt, so dass dessen Wirksamkeit mittlerweile von vielen in Frage gestellt wird. Die Verbandsgemeinde hat in der Zeit rund 200 000 Euro Lehrgeld für Spritzmaßnahmen zu Land und aus der Luft bezahlt. Die Eichenprozessionsspinner vermehren sich inzwischen wieder explosionsartig.

Angesichts klammer Haushaltskassen leisten sich die Gemeinden als zuständige Gefahrenabwehrbehörde derzeit nur noch die Behandlung von Schwerpunkten an Kitas, Schulen, Spielplätzen und öffentlichen Anlagen. Immer mehr Bürger müssen sich notfallärztlich behandeln lassen. Sogar Haustiere leiden zunehmend unter den Auswirkungen der Nesselhaare, die auch nach der Verpuppung der Insekten in den Bäumen zurückbleiben und über Jahre für allergischen Reaktionen sorgen. Landwirte, die früher Kräuterheu verkauft haben, werden ihre Produkte nicht mehr los. Die Ausflügler bleiben aus. Kurz: Der Eichenprozessionsspinner wird zur wirtschaftlichen Bedrohung. Und: Immer mehr Eichen auf privatem Grund fallen der Motorsäge zum Opfer, weil die betroffenen Anlieger keinen anderen Rat mehr wissen.

Ob und was die Ministerin für die Verbandsgemeinde tun kann, bleibt abzuwarten. Für Aufmerksamkeit hat Rüdiger Kloth jedenfalls gesorgt. Wenn jetzt noch Rüdiger Erben (SPD) seiner Einladung folgt, sind zumindest die Regierungs-Koalitonäre bestens informiert.