Salzwedel l In den Verkauf des Stadtwaldes Salzwedel ist erneut Bewegung gekommen. Die Landesregierung Sachsen-Anhalts will einen großen Teil des Stadtforstes kaufen. Das Kabinett soll am Dienstag eine entsprechende Vorlage von Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) gebilligt haben. Dabei geht es offenbar um 378 Hektar aus einem Gesamtpaket von 1400 Hektar.

„Wir haben zwar die Information, aber noch keine weiteren detaillierten Angaben“, sagte am Mittwoch Stadtsprecher Andreas Köhler auf Anfrage der Volksstimme. Deshalb wolle man sich nicht an Spekulationen beteiligen. Köhler kündigte allerdings an, dass die Verwaltung reagieren wird, sobald sie weitere Informationen zu dem Ansinnen des Landes hat. Schließlich wisse man über das große Interesse der Medien und der Einwohner der Hansestadt an diesem Thema.

Zwar sei die Bieterfrist inzwischen abgelaufen, allerdings entscheide letztlich der Salzwedeler Stadtrat, ob er eines der abgegebenen Gebote annimmt oder die Offerte des Landes noch aufgenommen wird. Bis es allerdings so weit sein wird, müssten erst noch die Ergebnisse der Gespräche abgewartet werden. Grundsätzlich soll der Wald an den Meistbietenden verkauft werden, hatte Kämmerer Olaf Meining Mitte des Monats deutlich gemacht.

Gespräche mit der Stadt sollen gefü

Zum derzeitigen Stand teilte Christiane Röper, Pressesprecherin des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt (kurz MULE) auf Anfrage mit, dass das Kabinett das MULE beauftragt habe, Gespräche mit der Stadt Salzwedel zu führen. „Der Kontakt wurde aufgenommen. Das Angebot des MULE wird entsprechend des Verkehrswerts abgegeben, der von unabhängigen Sachverständigen ermittelt wird“, machte Röper deutlich. Konkrete Zahlen mit Blick auf den Waldkauf nannte sie aber nicht.

Seit Mitte November steht fest: Fünf Bieter wollen das 1032 Hektar große Waldgebiet Buchhorst kaufen. Ihre Angebote reichten sie fristgerecht bei der Verwaltung ein (die Volksstimme berichtete). Teile der Buchhorst gehören ebenso wie im Bürgerholz zum Flora-Fauna-Habitat (FFH) und Vogelschutzgebiet Landgraben-Dumme-Niederung (Natura 2000-Gebiet). Dort gilt ein allgemeines Verschlechterungsverbot. Das bedeutet, dass menschliche Eingriffe das bestehende Ökosystem nicht stören dürfen. Für eine forstwirtschaftliche Nutzung sind sie deshalb nur bedingt geeignet.

Bekanntlich möchte die Hansestadt ihren Stadtwald zur Verbesserung der finanziellen Situation verkaufen und hofft auf Einnahmen von rund acht Millionen Euro, die Landesregierung dagegen will den Wald schützen. Umweltschützer befürchten, dass ein privater Käufer den Wald zu Jagdzwecken umgestalten könnte. Dagegen favorisiert das Land laut Claudia Dalbert, durch den Ankauf das selbstgesteckte Ziel zur Artenvielfalt zu erreichen, das da lautet: Zehn Prozent des Landeswaldes sollen Urwald, also forstlich nicht genutzt, werden. Mit der Fläche in Salzwedel könnte dieses Ziel erreicht werden.