Neulingen l „Einen schönen Gruß von Orgelbaumeister Martin Lodahl, der leider nicht dabei sein kann“, richtete Vorsitzende Christel Tiemann vom Verein De Dörpstroat den Andachtsteilnehmern in der Neulinger Kirche aus. Er hatte 2011 die 1916/17 von der Firma Rühlmann erbaute Orgel liebevoll restauriert. Das Jubiläum feierten die Neulinger ohne ihn trotzdem und ausgiebig.

Natürlich mit Orgelmusik, gespielt von vier Organisten – Regionalkantorin Sophie-Charlotte Tetzlaff, Kirchenmusikerin und gebürtige Neulingerin Annemarie Tiemann, Kreismusikschullehrer und Orgelkenner Dirk-Peter Hahn und Arendsees Bürgermeister Norman Klebe wechselten sich ab am königlichen Instrument. Und es erklang nicht nur geistliche Musik, sondern auch Werke von Bach bis Adele.

"What a wonderful world"

Außerdem hatte sich unter Leitung von Annemarie Tiemann ein Chor junger Leute gefunden, die mit ihrer Klangvielfalt aufhorchen ließen – mit dabei ihre Schwester Lisa Freimann, ihr Bruder Peter Tiemann, die Höwischer Vanessa Fitzke, Thomas Rippl, Christoph Wiese, Jens Förster und Jasmin Wodzitzka sowie Marie-Luise Abel aus Leppin. Als ihr Abschlusslied erklang „What a Wonderful World“.

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„Am 6. Oktober 1912, einem Sonntag, brannte die Kirche und die Glocken zersprangen“, berichtete Kirchenältester Axel Tiemann aus der Kirchenchronik. Vorher hätte sie durch die Hitzewogen von allein so lange geläutet, bis alles zusammenbrach. Dann standen die Beschaffung einer Notglocke, eines Notdachs und die Ingangsetzung der Erneuerung von Fenstern, Bänken und Schiff auf der Tagesordnung,

Eigentlich schon 102 Jahre

„Schon vor dem Brand sollte eine Orgel eingebaut werden, nun wurde es realisiert“, blickte er weiter zurück. Laut Kostenvoranschlag sollte sie 2844 Mark kosten. Für die Beseitigung der Brandfolgen und die reine Kirchensanierung habe es damals Zuschüsse gegeben, nicht aber für den Orgelbau. 1915 galt der gleiche Preis wie drei Jahre zuvor – das wären heute rund 39 000 Euro“, so Tiemann. Der Bauauftrag ging an Rühlmann. „Und somit wäre die Orgel schon 102 Jahre alt – aber die offizielle Quittung stammt von 1917 vor genau 100 Jahren“, erläuterte er.

Nach der Andacht, bei der Pfarrer Martin Goebel interessante Details aus der Geschichte der Orgeln an sich erzählte und zum Abschluss den Segen erteilte, gab es Blicke ins Innere der Orgel. Auch zu Turmbesteigungen luden die Gastgeber ein.