Schieben l Ein sonniger Frühlingsabend, kurz nach 18 Uhr. Der Bücherbus biegt in die Bushaltestelle ein. Die Tür öffnet sich, Fahrer Adolf Helbig hupt zweimal kurz. Doch das Signal ist gar nicht nötig, denn die ersten Leser sind schon da. Collyn und Rouven Liebsch marschieren mit ihren Rücksäcken, voll mit Lesestoff in den Bus und wollen sich mit Nachschub versorgen. Für Nutzer wie die beiden bietet die Salzwedeler Stadt- und Kreisbibliothek nicht nur Bücher, sondern auch Spiele für Wii und Playstation. „Minecraft ist bei Kindern und Jugendlichen derzeit besonders beliebt“, erzählt Sascha Steinig-Pinnecke, der Leiter der rollenden Bibliothek, „zeigen kann ich es aber leider nicht. Es ist ja ständig ausgeliehen.“ Während sich Rouven und Collyn Liebsch nach Fußball- und Gruselbüchern umsehen, naht eine komplette Gruppe: Kirstin Lüchow und ihre sieben Schützlinge aus dem Kinderdorfhaus Pflegenest Altensalzwedel. „Wir kommen regelmäßig hierher nach Schieben, der Bus hält ja nicht in Altensalzwedel“, sagt Kirstin Lüchow. Die Lesevorlieben der Kinder und Jugendlichen seien recht unterschiedlich, erzählt sie. Amadeus Joneck und Markus Berger beispielsweise gehören zur „Donald-Duck-Fraktion“, fügt Kirstin Lüchow schmunzelnd hinzu, während die beiden aufmerksam den Comic-Stapel durchsuchen.

Während Sascha Steinig-Pinnecke die zurückgegebenen und neu ausgeliehenen Bücher per Scanner und Laptop erfasst, nahen Christiane Riebau und Antonie Matthias. „Wir haben schon was für Sie vorbereitet“, sagt Sascha Steinig-Pinnecke zur Antonie Riebau und holt einen Stapel leichter Lektüre hervor. „Tagsüber lese ich gar nicht, da ist ja jetzt so viel im Garten zu tun. Die Romane, die sind für den Abend“, sagt Antonie Matthias.

Tourenplan

Christiane Riebau liest gerne Biografien oder historische Romane. „Den kenne ich aber schon“, sagte sie und legt „Die Hure des Kaisers“ von Kate Quinn wieder zurück. „Er weiß, was geht“, sagt Christiane Riebau über den Chef der rollenden Bibliothek. Die Frage, wie lange sie schon den Bücherbus nutzen, können die beiden Damen auf Anhieb gar nicht konkret beantworten. Aber „ein paar Jahre auf jeden Fall“, sind sie sich einig. Damit sie und die anderen Nutzer den nächsten Stopp in Schieben nicht vergessen, gibt Sascha Steinig-Pinnecke jedem den nächsten Tourenplan mit. Dass der Bus vor den Sommerferien noch zwei Mal nach Schieben kommt, beruhigt die Besucher.

Bilder

Delia Bennua kommt seit sechs Jahren von Altensalzwedel nach Schieben zum Bücherbus. Dass sie Kirstin Lüchow an diesem Tag dort trifft, freut sie besonders. „Wir sind Nachbarinnen.“ Heute will sie die für ihre Tochter bestellten Bücher der Twilight-Saga abholen. Sascha Steinig-Pinnecke hat die drei dicken Bände schon bereit gelegt. Sie selbst leiht sich aus dem Bücherbus vor allem Kochbücher aus, vor dem Urlaub auch Reiseführer, „und auch schöne DVDs“.

Treffpunkt

Der Bücherbus ist vor allem in kleinen Orten ein wichtiger Anziehungspunkt für die Menschen, nicht nur in Schieben, dem 51 Einwohner zählenden Ortsteil der Gemeinde Kuhfelde. „In Kläden ist jeder zweite Einwohner Bücherbus-Nutzer“, erzählt Adolf Helbig, während er Bücher und DVDs wieder an ihren Platz stellt. „Leppin und Immekath sind auch echt stark“, ergänzt Sascha Steinig-Pinnecke, „vor allem in Immekath kommt inzwischen die zweite Generation. Da bringen viele junge Mütter schon ihre Kinder mit.“

Gemalter Dank

Apropos Kinder: Da der Bücherbus auch vor Kindertagesstätten und Schulen stoppt, bedanken sich die jungen Leser oft mit selbstgemalten Bildern und Gebasteltem. Die Zeichnungen werden über dem Eingang aufgehängt. Das Lieblingsmotiv ist natürlich der Bus selbst, versehen mit der Versicherung „Wir lesen gern“ – nicht nur in Schieben und im benachbarten Altensalzwedel. Nach einer dreiviertel Stunde ist der Zwischenstopp in Schieben beendet. Die nächste und letzte Station an diesem Tag ist Kuhfelde. Auf Wiedersehen in einem Monat.