Pretzien l 12 000 Ansichtskarten. Alle aus der Deutschen Demokratischen Republik. Einsortiert in wie dafür gemachte Kartons: geordnet nach Bezirken, wiederum unterteilt nach Kreisen. Nur DDR-Postkarten? „Nur! Ganz strikt!“, betont Tino Garbisch.

Seit fünf Jahren sammelt der 41-jährige Pretziener. Also er sammelt wieder. Denn als kleiner Junge habe er sich schon einmal für Ansichtskarten begeistert. Die damaligen Errungenschaften kamen irgendwann auf den Boden. Zwei Schuhkartons voll. Diese hat Tino Garbisch nun vor einigen Jahren entdeckt. Und da war sie dann wieder - die Leidenschaft für die Postkarten aus DDR-Zeiten. Dank Börsen und Online-Marktplätze sind aus den zwei Kartons schnell mehr geworden, viel mehr. „Angefangen habe ich mit 500“, erinnert er sich, „jetzt bin ich bei 12 000.“ Und worauf er sehr viel Wert legt: „Keine Postkarte ist doppelt.“ Wenn ein neues Exemplar doch schon vorhanden ist, dann wird dieses gleich beiseite gepackt und erst gar nicht einsortiert. Sondern wartet darauf, einen anderen Sammler glücklich zu machen. Wie zum Beispiel Kirsten Drube aus Biere. Sie sammelt auch Postkarten. Durch die Serie „Ich sammle ja so gerne ...“ haben sie voneinander erfahren und wollen sich nun zum Kartentausch besuchen.

Sichten, Einsortieren ... Das hört sich nach einem sehr zeitaufwändigen Hobby an. „Zeit habe ich eigentlich gar nicht. Das Einsortieren mache ich eher im Winter. Das ist ein guter Ausgleich“, sagt der Vermesser, der in seiner Freizeit auch Fußball-Jugendtrainer ist.

Bilder

Bezirk Magdeburg: 711-mal

Aber wenn er sich dann Zeit für seine Postkarten nimmt, dann ist er sehr genau. Ein Blick in seine Unterlagen und er kann sagen, aus welchem Bezirk er wie viele Ansichtskarten hat. Als sein Gesamtkartenbestand noch bei 9911 Stück lag, war der Bezirk Dresden mit 1524 Karten Spitzenreiter, weit abgeschlagen der Bezirk Cottbus mit nur 93 Karten. Vom Bezirk Magdeburg hütet er übrigens 711 Karten.

Doch die Zahlen sind bald überholt, denn er hat er kürzlich auf einem Online-Marktplatz einen Karton mit 3000 Stück ersteigert. Daher rührt auch die Angabe zum aktuellen Bestand von 12 000 Karten.

Übrigens: Seine erste Ansichtskarte, die hat er noch und hegt sie. „Ich war neun Jahre alt und habe vom Kinderkurheim Wiek (Rügen) aus an meine Mutti geschrieben.“ Aber eine Karte macht noch keinen Sammler aus. „Als Kinder haben wir immer Altstoffe gesammelt. Und zwischen den Zeitungen lagen oft Karten. Die habe ich rausgesucht und so ging das Sammeln los“, erzählt Tino Garbisch.

Das sind Raritäten

Nach Raritäten gefragt, zeigt er zwei scheinbar identische Postkarten. Die gleichen Ansichtsmotive, gleich angeordnet - nur einmal steht Karl-Marx-Stadt, einmal Chemnitz auf der Karte. „Die Stadt ist 1990 umbenannt worden. Diese Karte gibt es nur 100-mal, zwei Jahre wurde sie mit der Aufschrift Karl-Marx-Stadt gedruckt, und nur sehr kurze Zeit, vielleicht einen Monat, mit der Aufschrift Chemnitz“, erklärt er.

Kurios: Es könne keiner genau sagen, wie viele Ansichtskarten es in der DDR gegeben hat, 200 000, 300 000 ... „Es ist schon komisch für einen Sammler, wenn er kein Ziel hat“, sag er schmunzelnd.

Wer noch DDR-Ansichtskarten für Tino Garbisch hat: Telefon (0175) 5 73 41 52.

Sie sammeln auch etwas? So erreichen Sie uns: Telefon (03928) 48 68 24; Mail redaktion.schoenebeck@volksstimme.de; Post: Lokalredaktion, Wilhelm-Hellge-Straße 71, 39218 Schönebeck