Zuchau l „Einerseits werden wir die traditionellen Festlichkeiten wie das alljährliche Heimatfest fortführen und weiter ausgestalten“, sagt Ortsbürgermeister Jörn Weinert (CDU). „Andererseits ergeben sich aus internationalen Kontakten neue Möglichkeiten des Miteinanders.“

Anknüpfend an eine Initiative des vergangenen Jahres wurde vor kurzem eine weitere deutsch-armenische Veranstaltung in Zuchau durchgeführt. Etwa 50 Teilnehmer aus Zuchau und Umgebung erfuhren dabei, wie man in Armenien Weihnachten feiert und wie das neue Jahr im „Land der Aprikosen“ begrüßt wird. Hierzu trugen die Armenierinnen Karine Avetyan und Mariam Avetisyan, die an der Universität Halle tätig sind, nicht nur anschaulich vor, sondern im besten Wortsinn auch reichlich auf. Sie ermöglichten eine kulinarische Reise in den Südkaukasus, wobei das Angebot von Ghapama (gebackener Kürbis mit Reis, Walnüssen und getrockneten Früchten) bis zu sehr süßen „armenischen Ameisenhügeln“ reichte.

Für die gläubigen Armenier beginnt das Weihnachtsfest nicht mit einer Adventszeit, sondern mit Fasten. Dabei ist der Verzicht auf Fleisch und Milch ab dem 30. Dezember üblich. Am 5. Januar abends wird mit dem Lichterfest sozusagen Heiligabend gefeiert. Es werden bei einer Abendliturgie Kerzen angezündet und verteilt. Danach gibt es ein wahrhaft üppiges Mahl, das meist aus Fisch, Ei, Wein und dem Gericht Plav (Mischung aus Reis und Rosinen) besteht. Gefeiert wird in Armenien bis zum 13. Januar.

„Im Dorf angekommen“

Die Zuchauer Initiative wurde vom Aktionsfonds des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gern unterstützt, wie die anwesende Projektkoordinatorin Linda Dutschko betonte. Als Vertreterin der Stadt Barby war Sophie Conrad vor Ort, die sich ebenfalls sehr erfreut über die länderübergreifende Zusammenarbeit zeigte. Von der Universität Halle war Professor Hans-Joachim Solms angereist, der sich lobend darüber äußerte, dass die wissenschaftliche Kooperation mit der Universität Eriwan nun „im Dorf angekommen“ sei. Hierfür bedankte er sich beim Zuchauer Ortsbürgermeister und Vereinsvorsitzenden Jörn Weinert, der die Veranstaltung organisiert hatte.

„Wir hoffen nun auch zukünftig auf die Förderung weiterer Initiativen durch das Bundesprogramm“, so Weinert. Für eine Unterstützung sprach sich auch der Leiter der Armenischen Apostolischen Kirche in Norddeutschland, Pfarrer Gnel Gabrielyan, aus, der nach Zuchau gekommen war.

Metallspieße im Grill

In lockerer Gesprächsrunde wurde gemeinsam eine weitere Projektidee geboren. Der Verein „Wir sind das Dorf.“ möchte im Frühsommer einen typisch armenischen Lehm-Backofen in Zuchau errichten. Dieser wird als Tonir bezeichnet, ist rund und wird im Unterschied zu den hierzulande üblichen Öfen in die Erde eingelassen. An der Ofenwand kann das wohlschmeckende, armenische Brot gebacken werden, das man Lawasch nennt und dünn wie eine Serviette ist. An schwertartigen Metallspießen wird das Grillgut in den Ofen gehängt.

„Die Freiwillige Feuerwehr Zuchau sagt ihre Mitwirkung bei der gemeinsamen Errichtung und Inbetriebnahme gern zu“, versprach Ortswehrleiter Mike Mikoleit.

Wenn alles klappt, kann der Zuchauer Tonir bereits zum diesjährigen Heimatfest eingeweiht werden. „Die Neugier auf das Projekt ist bereits jetzt spürbar“, gestand der Ortsbürgermeister.

Dass die Zuchauer nicht nur gemeinsam feiern können, erwies sich bereits wenige Stunden später, als der Rodelberg des Ortes von zahlreichen Freiwilligen in Ordnung gebracht wurde. Väter und Großväter ermöglichten den kleinen Wintersportlern somit bei Schneefall einen dauerhaft guten Rutsch. „Dieses Engagement spricht sehr für unser Dorf“, bedankte sich Ortsbürgermeister Jörn Weinert.