Das Areal

Bis 2004 wurden die Kasernengebäude in Stendal an der Gardelegener Straße genutzt. Noch 2002 waren die beiden großen Verwaltungsgebäude saniert worden. Polizei, Staatsanwaltschaft und Kreiswehrersatzamt waren dort untergebracht. Im benachbarten Offizierskasino gab es eine Gastronomie und von 1994 bis 1997 das Biber-Kino, das von dem Stendaler Wolfgang Liebsch betrieben worden war. Heute sind auf dem 36 Hektar großen Gelände noch das Technisches Hilfswerk (THW) und der Zoll.

Entstanden war das Areal Anfang der 1970er-Jahre. Das Grenzkommando Nord in Stendal wurde am 29. Februar 1971 auf Befehl des Ministers für Nationale Verteidigung vom Oktober 1970 aufgestellt. Der Standort war zunächst Kalbe/Milbe und Beetzendorf, später Stendal.

Die Ansiedlung des Grenzkommandos in Stendal im Jahre 1971 ergab sich daraus, dass es eine Neugliederung der Grenzüberwachung gab. Im Zuge von Abrüstungsverhandlungen hatte die DDR-Führung die Aufgabe der Grenzkontrolle aus dem Bereich der Nationalen Volksarmee (NVA) herausgenommen, um die Truppenstärke des Landes zu reduzieren.

Nach der Umstrukturierung blieben die Kommandos Nord (Stendal), Mitte (Berlin-Karlshorst) und Süd (Erfurt) dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt.

Stendal l Jetzt gibt es endlich ein paar konkretere Informationen zum Umbau der ehemaligen Grenztruppenkaserne in Stendal. Bislang hatte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) immer wieder betont, dass an dem Projekt festgehalten werde. Passiert war auf dem Gelände allerdings nichts. In den Behördenstuben in Magdeburg und auch in Bonn bei der Immobilienverwaltung des Bundes war allerdings emsig gearbeitet worden. Mittlerweile hat der Bund das Gelände dem Land Sachsen-Anhalt kostenfrei überlassen – so lange, wie es eben der Unterbringung von Flüchtlingen dienen soll.

Landeskabinett hat ein Konzept beschlossen

Seit dieser Woche ist klar, dass Stendal tatsächlich langfristig im Land neben der Erstaufnahme- einrichtung in Halberstadt die zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge sein wird. Dies hat das Landeskabinett mit einem sogenannten Unterbringungs- konzept am Dienstag beschlossen. Alle anderen derzeit genutzten Standorte wie das ehemalige Maritim-Hotel in Halle, ein Areal in der Breitscheidstraße in Magdeburg sowie die Bundeswehrkaserne in Klietz werden mit Fertigstellung der Anlage in Stendal „vom Netz genommen“, wie Pressesprecher Christian Fischer vom Innenministerium am Donnerstag mitteilte. Nach derzeitigem Plan sollen im vierten Quartal 2018, also in zwei Jahren, die ersten Flüchtlinge in Stendal einziehen.

Die Unterbringung in Stendal ist mit 1000 Plätzen kalkuliert. Diese Zahl hatte der Innenminister schon im September 2015 genannt, als er erstmals die Umbaupläne für das Kasernen­areal bekanntgegeben hatte. Diese Zahl bestätigte sein Ministerium jetzt noch einmal. Nach dem aktuellen Konzept wird es künftig in Halberstadt eine Kapazität von 1450 geben, so dass künftig landesweit 2450 Flüchtlinge zentral untergebracht werden können. Bislang war man noch von einer benötigten Kapazität von 4000 ausgegangen. Da aber mittlerweile wesentlich weniger Flüchtlinge kommen, hat sich die Zahl überholt.

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Areal befindet sich in keinem guten Zustand

Eine neue Zahl gibt es auch bei der Bausumme. Bislang war hinter vorgehaltener Hand von rund 20 Millionen Euro gesprochen worden. In dem jetzt beschlossenen Konzept ist von einer Planungssumme in Höhe von 29 Millionen Euro die Rede, wie Ministeriumssprecher Fischer bestätigt. 21 Millionen Euro sollen vom Bund übernommen werden. „Unterschriebene Verträge liegen aber noch nicht vor“, sagte Fischer.

Um mit dem Umbau beginnen zu können, muss der Landesfinanzausschuss noch die Haushaltsunterlage Bau absegnen. Diese ist noch in Vorbereitung, heißt es aus dem Finanzministerium.

Das Areal an der Gardelegener Straße präsentiert sich in keinem guten Zustand. Jahrelang waren die zunächst noch intakten Gebäude immer wieder geplündert worden. Auch Brandstiftungen hatte es dort mehrfach gegeben. Erst im September 2015 wurde das Gelände eingezäunt, aber nicht, weil genau zu dem Zeitpunkt bekanntgegeben wurde, dass das Areal zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebaut werden soll. Nein, der 88 000 Euro teure Zaun war weit vorher geplant worden. Seinerzeit war vorgesehen, die Gebäude dort abzureißen und eine riesige Freiluft-Fotovoltaikanlage daraus zu machen.