Mozarts c-Moll-Messe blieb unvollendet, die Neukomposition des Teils „Agnus Dei“ (Lamm Gottes) wurde 2015 in Stendal uraufgeführt. Im Interview spricht der Komponist Thomas Cornelius über den nun einsetzenden Triumphzug über die deutschen Klassik-Bühnen.

Nach der Uraufführung in Stendal wird Ihr „Agnus Dei“ nun in Bochum und Köln aufgeführt – was löst dieser Erfolg bei Ihnen aus?

Thomas Cornelius: Ich denke mit großem Glück an die Zeit in der Altmark zurück und trage diese Erinnerung in meinem Herzen. Im letzten Jahr gab es bereits zwei Aufführungen in Marburg, und nun in den Philharmonien von Köln und Bochum, erstmals also auf der ganz großen Klassik-Bühne. Ich bin sehr glücklich und bewegt zugleich.

Wie war bisher die Resonanz in der Musikwelt?

Immer groß und sehr enthusiatisch, vor allem auch in der Presse. Die Reaktionen des Publikums und der Musiker waren überwältigend, jeder, der mit mir sprach, konnte die Botschaft der Musik verstehen. In Marburg dauerte es nach der zweiten Aufführung fast zwei Minuten, bis ein großer Applaus losbrach, es war, als stünde die Zeit still nach dem letzten Ton.

Was ist die besondere Herausforderung für die Musiker?

Ich denke, dass die Herausforderung für jeden Musiker unterschiedlich ist. Es gibt ja so viele Instrumente im Orchester, dazu kommen der große Chor und vier Solisten. Mir ist wichtig, Musik zu schreiben, die auch realistisch musizierbar ist und bei der die Musiker mit Freude und mit Leidenschaft musizieren. Denn das ist meines Erachtens die Voraussetzung dafür, dass der Funke zum Publikum überspringt. Und meine Musik soll die Herzen und Seelen erreichen.

Sind Sie bei den Aufführungen dabei? Was passiert dabei mit Ihnen innerlich?

In Stendal habe ich zugehört. In Köln und Bochum werde ich mitspielen. Beim Mozart an der Orgel und bei meinem Stück spiele ich Celesta (ein kleines Tastenglockenspiel). Innerlich begebe ich mich dabei immer auf eine Reise, und die Erinnerung an meine verstorbene Mutter wird lebendig. Es ist ein großes Geschenk, dabei zu sein. Ich sauge das alles auf, und gleichzeitig kreisen viele neue Ideen durch den Kopf. Für das „Agnus Dei“ kann ich sagen, dass es nicht viel intensivere Moment für mich im Leben gibt: Es ist für mich so, als ob man das Sterben und Werden eines Menschen gleichzeitig komprimiert miterlebt. Der Kreislauf des Lebens.

Etwas spaßig gefragt: Was, meinen Sie, hätte Mozart zu dem Ganzen gesagt?

Schwierige Frage ... Ich kenne ihn ja nicht, sein Charakter soll ja durchaus auch humoristisch gewesen sein und seine Musik hat eine immens große Bandbreite, daher denke ich, dass er wohl offen gegenüber Neuem gewesen wäre. Ich bin davon überzeugt, dass jeder gute Komponist offen gegenüber Neuem sein muss, denn nur so kann doch etwas Kreatives entstehen.

Wer es nicht zu den Konzerten schafft – findet man die Messe samt Ihrem „Agnus Dei“ auch online oder auf CD?

Bisher gibt es nur die Live-Aufnahmen der Aufführungen aus Marburg und Stendal und noch keine offizielle CD. Also muss man unbedingt ins Konzert kommen! Ein kleiner Ausschnitt ist auf meiner Homepage www.thomasemanuelcornelius.com zu hören.