Osterweddingen l Die jungen Fahrer des Radsportvereins (RSV) Osterweddingen mussten sich am Donnerstagabend im Saal des Landhotels „Schwarzer Adler“ eine Weile gedulden, bis sie an der Reihe waren. RSV-Vorsitzender Siegfried Kindler und sein Sohn, Landesradsporttrainer Andreas Kindler, forderten die Kinder und Jugendlichen dann auf, die große Bühne zu betreten. Im Beisein von Radsportlegende Gustav-Adolf „Täve“ Schur wurde dem Radsportverein Osterweddingen das „Grüne Band für vorbildliche Talentförderung“ verliehen.

Damit ist der RSV Osterweddingen der einzige Sportverein in Sachsen-Anhalt, den in diesem Jahr dieser bundesweite Preis verliehen wurde. Die Radsportler aus dem Sülzetal reihten sich damit bundesweit in das Konzert von 50 Vereinen ein, die mit dem bedeutendsten Preis in der leistungssportlichen Nachwuchsförderung ausgezeichnet wurden. Bereits zum 30. Mal durften sich die Sportvereine über die vom Deutschen Olympischen Sportbund und der Commerzbank verliehenen Auszeichnung freuen. Der RSV Osterweddingen bekam eine Prämie für die Nachwuchsförderung in Höhe von 5000 Euro.

Pauline Grabosch ist ein Idol

„Der Radsport ist sehr kostenintensiv“, freute sich dann auch RSV-Chef Siegfried Kindler über die finanzielle Zuwendung, die mit der Auszeichnung verbunden war. Und der Erfolg des Radsports in Osterweddingen und im gesamten Sülzetal habe viele Väter. Deshalb sei Kindler froh, aktive Unterstützer wie die Familien der Radsportler, Sponsoren und Institutionen von Gemeinde, Kreis und Land an der Seite des RSV zu wissen. Nur im Zusammenwirken aller Freunde des Radsports seien die Erfolge möglich, die die Osterweddinger auf nationaler und internationaler Ebene in den vergangenen Jahren eingefahren haben. Kindler sei außerdem über die Unterstützung des Vereins zur Förderung des Radsports im Sülzetal mit Daniel Axmann als Vorsitzendem an der Spitze froh. Der Förderverein unterstütze den RSV materiell und finanziell, um dadurch sportliche Erfolge des Nachwuchses zu ermöglichen.

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Jüngstes Beispiel der Erfolge von Sportlern des RSV Osterweddingen sei Pauline Grabosch aus Bottmersdorf, die in der Radfahrerschmiede Osterweddingen das sportliche und menschliche Rüstzeug für ihre heutigen Erfolge bekommen habe. Die heute 18-Jährige gewann unlängst im Radsprint ihr erstes Welt-Cup-Rennen, zuvor wurde sie mehrfache Junioren-Weltmeisterin. „Paula“ sei bereits jetzt in Osterweddingen ein Idol für den Nachwuchs. Siegfried Kindler erinnerte an das 20. „Rund in Osterweddingen“, bei dem Pauline Grabosch für drei Stunden zu Gast war und sich bei Gesprächen rührend um den Nachwuchs kümmerte. In Osterweddingen treten aber auch andere Sportler erfolgreich in die Pedale. Allein zwischen 2013 und 2015 holten die Sportler des RSV 16, 17 und 18 Titel bei Landesmeisterschaften. 42 der 63 RSV-Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. Gesichtet werden die neuen Talente unter anderem durch Kooperationen mit den Schulen des Sülzetals. Nach einem vier- bis sechswöchigen Probetraining werde dann gemeinsam mit den Eltern über eine Aufnahme im Verein gesprochen. Zunächst stehe der Spaß am Radfahren im Vordergrund, bevor später der Trainingsumfang erhöht werde und hoffnungsvolle Talente in den Förderkader übernommen würden.

„Der RSV achtet auch auf seine soziale Verantwortung. Ausländische und sozial schwache Kinder werden durch Zuschüsse bei Trainingslagern, Material- und Wettkampfkosten unterstützt“, sagte Karin Helka, Filialdirektorin der Commerzbank in Magdeburg, bei der Übergabe der Auszeichnung. Zudem integriere der Verein chronisch kranke Kinder und schaffe gegenwärtig die neue Sparte für Handbiker. „Dieser Verein hat die Auszeichnung verdient. Es zeigt, dass auch ein kleiner Verein große Erfolge erringen kann“, sagte Susann Wiedemeyer, Sportreferentin im Ministerium für Inneres und Sport in Sachsen-Anhalt. „Der Radsportverein Osterweddingen ist ein Vorbild für alle Sportvereine im Land“, würdigte Gemeinderatsvorsitzender und Landtagsabgeordneter Guido Heuer (CDU) die Leistungen des RSV. Das Sülzetal und seine Kommunalpolitik stehe hinter dem RSV, damit es mit dem Verein erfolgreich weiter gehe.

Tipps von "Täve"

„Wir können stolz auf euch sein“, sagte Heuer. Auch der Osterweddinger Heuer sei dem Radsport in seiner Heimatgemeinde sehr verbunden. Als kleiner Junge habe er bei einem Ausscheid der Kleinen Friedensfahrt einen dritten Platz belegt. „Die Auszeichnung erfolgt zu recht. Der ganze Landkreis ist stolz darauf“, sagte Vize-Landrat Thomas Kluge. Auch der Kreis fördere den Sport, weil er eine „sehr tolle Freizeitbeschäftigung und gut für Körper und Geist ist“. Der RSV Osterweddingen sei eine große Familie, die sich mit Hingabe und Engagement dem Radsport widme. „Ich als Bürgermeister des Sülzetals bin stolz auch euch“, sagte Jörg Methner (SPD) zu den Kindern und Jugendlichen des RSV. Ein Sülzetal ohne die Radsportler aus Osterweddingen könne sich der Rathauschef nicht vorstellen. Die Gemeinde werde den Verein weiter nach ihren Möglichkeiten unterstützen.

„Radsport ist außerordentlich hart. Wer den Schmerz nicht unterdrücken kann, hat keinen Erfolg“, gab die Magdeburger Radsport-Legende Gustav-Adolf „Täve“ Schur dem Osterweddinger RSV-Nachwuchs mit auf den Weg zum Training auf der Straße. „Haltet euch warm, gerade die Knie“, hatte der Gewinner der Friedensfahrt und Weltmeister noch als Tipp für die Kinder und Jugendlichen aus dem Sülzetal parat.