Wernigerode l Stolz hält Magdalena Vasic die Urkunde fest. Bei der Preisverleihung in Halle durfte die Achtjährige die Auszeichnung stellvertretend für den Harzer Schwimmverein aus Wernigerode entgegennehmen. Die Schwimmer sind Preisträger des bundesweiten Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz“.

Der Verein punktete mit seinem integrativen Schwimmkurs für Kinder mit und ohne Migrationshintergrund. Magdalena Vasic und ihre Familie sind ein Musterbeispiel für dieses Engagement und geben der Integrationsarbeit des Vereins ein Gesicht nach außen.

Vom Schwimmkurs zur Talentförderung

Vor 13 Jahren verließen die Vascis ihre Heimat Serbien für ein neues Leben in Deutschland. Vor acht Jahren trat die Familie dem Harzer Schwimmverein bei. Alle drei Kinder haben hier das Schwimmen erlernt, die beiden älteren Brüder lernen bereits am Sportgymnasium Halle, Magdalena schwimmt in der zweiten Mannschaft des Vereins. „Viele Kinder kommen über das Anfängerschwimmen in unsere Kurse“, sagt Vereinschef Volker Hoffmann.

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Über die Kurse hinaus werden zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen der offenen Kinder- und Jugendarbeit angeboten. Darunter beispielsweise das Mittelalterwochenende, das Zeltwochenende, Schwarzlichttheater und auch das Erlebniswochenende in Schierke – Aktionen, die nicht nur Vereinsmitgliedern offen stehen, sondern allen Interessierten, egal welcher Nationalität.

Die nächsten Projekte sind bereits geplant. „Ende Mai geht es für die Wettkampfmannschaften nach Dänemark“, kündigt Trainerin Grit Kamann-Selbach an. Im Juni findet die Woche der Inklusion statt. Zudem stehe das Zeltwochenende vor der Tür. „Eines ist klar: im Wasser sind wir alle gleich – Unterschiede verschwimmen“.

Patenschaft für Roma-Schule

Der Schwimmverein ist übrigens nicht der einzige Harzer Preisträger, der in Halle ausgezeichnet wurde. Das Landschulheim Grovesmühle in Veckenstedt betreibt seit 2012 ein gemeinsames Projekt mit dem Verein „Kinderhilfe für Siebenbürgen“ aus Stapelburg. Kern des Projekts ist die Unterstützung von Kindern aus Roma-Familien.

Da die Veckenstedter Schüler wussten, dass die Roma in Rumänien in sehr schlechten Verhältnissen leben und Diskriminierung ausgesetzt sind, beschlossen sie, die Arbeit des Vereins zunächst mit Sachspenden zu unterstützen. Anfang 2014 folgte der nächste Schritt. Das Landschulheim übernahm eine Patenschaft für das Pippi-Langstrumpf-Haus in Sibiu (Rumänien).

Diese Einrichtung bietet Roma-Kindern die Möglichkeit, die Schule zu besuchen. „Die Vorurteile gegen die Roma sind riesig“, sagt Sozialkundelehrerin Gabriele Rudnik. Die Acht- bis 15-Jährigen werden im Haus betreut und bekommen warme Mahlzeiten. „In der Schule erfahren die Kinder, wie es sich anfühlt, willkommen zu sein, und sie lernen, wie wichtig Bildung ist“, so die Lehrerin weiter.

Schüleraustausch ist Wunsch

Die Schüler aus dem Landschulheim verdienen das Geld für die Patenschaft selbst. Dafür organisieren sie Weihnachtsaufführungen, Konzerte sowie Bücherflohmärkte. Weihnachtspäckchen werden gepackt und auf die weite Reise geschickt.

„Unsere Internatsschüler helfen regelmäßig beim Beladen des Lastwagens, der für Weihnachts- und Ostertransporte von Stapelburg aus nach Rumänien fährt“, sagt Gabriele Rudnik. Ein großer Wunsch der Sozialkundelehrerin ist es, einen Schüleraustausch mit den Kindern aus Sibiu zu organisieren. „Aber wir müssen warten, bis die rumänischen Schüler besser Englisch können.“

Abbau von Vorurteilen und extremen Tendenzen

Hintergrund: Initiiert wurde der bundesweite Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ vom Bündnis für Demokratie und Toleranz. Ziel ist neben der Integration von Asylsuchenden vor allem der Abbau von in der Gesellschaft verbreitete Vorurteile und extremistische Tendenzen.

Mehr als 400 Projekte und Initiativen aus ganz Deutschland haben sich an dem Wettbewerb beteiligt. Insgesamt 84 Beiträge wurden bei der Preisverleihung ausgezeichnet.