Derenburg l Sie wollen sich nicht in eine „braune Ecke schieben lassen“, sagt Frank Heyer ganz klar und deutlich gegenüber der Volksstimme. Der Präsident des Derenburger Carnevalsvereins zeigte sich am Montag immer noch geschockt von dem Vorfall am Sonnabend.

Wie im Vorjahr hätten sich Mitglieder der Harzer Identitären Bewegung in den Karnevalsumzug eingereiht und ihre rechtsextreme sowie rassistische Gesinnung zur Schau gestellt. Während Tausende Zaungäste am Straßenrand den vielen Mitwirkenden zujubelten, war es merklich ruhiger, als die Identitären, die ihre Gesichter unter Masken und Helmen verbargen, vorbeimarschierten.

Heimlich in Umzug geschmuggelt

„Wir hatten keinerlei Kenntnis, dass sie wieder teilnehmen“, versichert Frank Heyer und kann sich ihre Mitwirkung nur so erklären: „Sie haben sich sicherlich erneut heimlich von einer Seitenstraße aus in den Umzug geschmuggelt und sind dann eine ganze Weile mit marschiert, bevor sie dann wieder ausscherten. Weder zu Beginn noch am Ende des Umzuges sei die Gruppe auf dem Derenburger Marktplatz gewesen.

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Generell, so der Präsident, sei es schwierig, einer Gruppe die Teilnahme zu verweigern. „Wir verlangen weder eine Anmeldung noch einen Hinweis zur Gestaltung.“ Nur eins stehe fest: „Der Karnevalsumzug in Derenburg ist keine Wahlveranstaltung für irgendeine Partei oder Gruppierung.“ Das sei in der 60-jährigen Vereinsgeschichte gelungen, selbst zu DDR-Zeiten. Im Vordergrund der Traditionsveranstaltung stand und stehe der Spaß.

Identitäre Bewegung - kein Spaß

Doch was sich die Identitären erlauben, sei alles andere als Spaß, hadert Frank Heyer. Er wolle im Namen des gesamten Vereinsvorstandes unterstreichen: „Derenburg distanziert sich von dem Auftritt der Identitären.“ Außerdem wolle man im Vorstand beraten, wie künftig verhindert werden kann, dass diese Bewegung in Derenburg ein drittes Mal im Umzug eine Plattform bekommt. „Das sind wir den anderen, rund 480 Mitwirkenden, einfach schuldig. Sie haben für einen farbenfrohen, fröhlichen und sehr gelungenen Karnevalsumzug gesorgt.“

Die Suche nach einer Lösung sei ernst gemeint, beteuert Frank Heyer. Bei dem ersten Auftritt der Identitären im Vorjahr habe man im Anschluss zwar mit dem Staatsschutz Kontakt aufgenommen, sei aber dann nicht weiter gekommen. „Ehrlich, wir sind davon ausgegangen, es ist eine Eintagsfliege.“ Doch nun, nach dem erneuten Vorfall, „müssen wir handeln“. Unterstützung erhoffe sich der Verein vor allem von den Derenburgern. Einen teuren Ordnungsdienst, der den gesamten Straßenverlauf des Umzugs kontrolliert, „können wir uns als Verein nicht leisten“.

Unkenntnis in Blankenburg?

Nach fachlichem Rat wolle man sich zudem umschauen, ob in der Stadtverwaltung Blankenburg oder im Kreisamt. Dort werde der Umzug jedes Jahr angemeldet, um eine Straßensperrung zu bekommen. „Wir als Verein bieten dann den Gruppen den Rahmen und stellen kurz vor dem Start auf dem Marktplatz den Umzug zusammen“, beschreibt Frank Heyer das Prozedere. So locker sollte es auch künftig gehandhabt werden, „denn gerade das wird von den Stammgruppen unseres Umzugs begrüßt.“

Im Blankenburger Rathaus selbst herrscht Schweigen zum Thema Missbrauch des Karnevals in Derenburg durch die Identitäre Bewegung. Dabei fuhr Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU) am Sonnabend in voller Kostümierung auf dem Wagen des Derenburger Carnevalsvereins im Umzug mit. Auf Anfrage der Volksstimme ließ er über die Pressestelle mitteilen: „Eine derartige Teilnahme ist Herrn Bürgermeister Breithaupt nicht bekannt.“

Hintergrund: Die Ideologie der Identitären Bewegung folgt dem Konzept des Ethnopluralismus, das statt von einer biologisch gestifteten Einheitlichkeit einer Volks- und Abstammungsgemeinschaft, wie sie etwa im NS-Rassismus dominant war, die kulturelle „Reinhaltung“ der Gesellschaft anstrebt.