Zerbst l „Auf Würstchen und Schnee hat sie sich am meisten gefreut“, verrät Annekatrin Els. Glücklich schaut sie hinüber zu Ruthi – ihrer Tochter. Endlich ist die Adoption durch. „Das zog sich alles wie Kaugummi“, blickt die Bornumerin zurück. In Uganda sorgten Gesetzesänderungen für Verzögerungen und auch die deutsche Botschaft tat sich schwer, wie die 34-Jährige schildert.

Nicht alle Kinder sind Waisen

Seit September 2011 kümmerte sie sich offiziell als Pflegemama um das aufgeweckte Mädchen, das sie während ihres Freiwilligendienstes bei ihrer Arbeit in einem Waisenhaus im direkt am Viktoriasee gelegenen Entebbe kennenlernte – dem Malayaka House. Wobei der Name nicht ganz passt, denn nicht alle der dort betreuten Kinder sind Waisen. Viele gelangten in die Einrichtung, weil sie von ihren Eltern verstoßen wurden. Auch Ruthi ereilte ein ähnliches Schicksal. „Sie wurde oft von ihrer psychisch kranken Mutter einfach irgendwo ausgesetzt“, erzählt Annekatrin Els. Sie entschloss sich damals, die Dreijährige zu adoptieren.

Inzwischen ist Ruthi fast Acht und ein lebenslustiges Mädchen. „Ihre Begeisterung für die kleinen Dinge des Alltags ist fantastisch“, schwärmt die 34-Jährige. Sie weiß, dass es für ihre Tochter ein Abenteuer ist, auf einen neuen Kontinent zu ziehen. Zugleich ist sich Annekatrin Els sicher, dass Ruthi die Herausforderung packt. „Sie ist in Uganda bereits zwei Jahre auf eine sehr internationale Schule gegangen“, berichtet die Bornumerin von den 20 verschiedenen Nationalitäten, die dort unterrichtet wurden. „Die Hautfarbe spielt für sie keine Rolle“, sagt Annekatrin Els und ergänzt: „Da können viele von ihr lernen.“

Sie selbst ist gespannt, wie Ruthi in Deutschland von den Menschen aufgenommen wird. „Bisher sind alle bezuckert von ihr“, erklärt die 34-Jährige. Sie weiß aber auch, dass Ruthi sehr wild ist und nicht mit deutschen Regeln und Normen aufwuchs. Hinzu käme, dass Deutschland gerade durch die Flüchtlingssituation getestet werde, so Annekatrin Els. Sie selbst betrachtet das alles aus einem anderen Blickwinkel. „Ich habe jahrelang in Afrika als Ausländer gelebt und zu schätzen gelernt, wie gut es uns in Deutschland geht. Es mangelt uns ja eigentlich an nichts.“

In Uganda sei dies anders. „Die Geburtenrate ist immer noch sehr hoch, liegt bei sieben Kindern pro Frau“, erzählt sie. Gut 70 Prozent der Kinder würden die Schule vorzeitig mit zehn oder zwölf Jahren verlassen. Meist sind das die Mädchen, für die sich Annekatrin Els mit einem sportlichen Projekt einsetzt: ihrem Rugby-Team „Entebbe Sharks“. Obwohl Frauen, die Sport machen, in Uganda immer noch belächelt werden, weil sie angeblich ihre weiblichen Rundungen verlieren. „Beim Sport kann man allerdings viel lernen, vor allem Teamgeist und Disziplin“, sagt die 34-Jährige. Nicht zuletzt übernimmt der von ihr mitgegründete Verein Malayaka Haus und Freunde e.V. für die Spielerinnen, deren Familien nicht dazu in der Lage sind, die Schulgebühren. „So haben wir eine Möglichkeit, sie länger in der Schule zu behalten“, erklärt die Bornumerin.

Kaffee-Projekt hilft Organisation

Und berichtet zugleich von der erst 2016 ins Leben gerufenen Organisation „Rugby Tackling Life“, deren Ziel es ist, den Sportlerinnen wichtige Dinge fürs Leben zu vermitteln. Dazu bedarf es einer finanziellen Grundlage, weshalb Annekatrin Els auf „Cooffeee“ zu sprechen kommt. „Wir haben einen Kaffee entwickelt, der in Uganda angebaut und auf Zypern geröstet wird und in Deutschland vertrieben werden soll“, erzählt sie. Von jeder verkauften Packung gehe ein Teil der Einnahmen an die Organisation.

Die Vermarktung des Kaffees ist ein Grund, weshalb Annekatrin Els Mitte Dezember mit Ruthi in ihre alte Heimat zurückgekehrt ist. Mindestens zwei Jahre wollen die beiden erst einmal hier bleiben. „Für mich geht jetzt die Jobsuche los“, erklärt die Bornumerin, die Marketing und International Business studierte. In Uganda organisierte sie Safaris, sammelte Erfahrungen im Waisenhaus und baute verschiedenste nachhaltige Projekte mit auf wie eine Käserei, Schneiderei und Pizzeria. „Ich würde gern etwas im Bereich Marketing oder Tourismus machen“, sagt Annekatrin Els. Aber auch die Entwicklung des familiären Bauernhofes schwebt ihr vor.

Derweil freut sich Ruthi auf die Grundschule, die sie fortan besucht. Und sie hat weitere Pläne. „Kino, Reiten und ein Instrument lernen“, listet die Siebenjährige auf, die in vier Tagen Geburtstag hat.