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Ansiedlungsprojekt Lachse erobern die Nuthe

20 000 zierliche Lachse haben in den Nutheläufen rund um Zerbst eine neue Kinderstube gefunden.

Von Daniela Apel 14.10.2016, 07:00

Zerbst l „Erstmals setzen wir rund 20 000 junge Lachse aus“, sagt Steffen Zahn. Mit der Verdopplung der Stückzahl soll versucht werden, die Rückkehrerquote zu erhöhen, erläutert der diplomierte Fischereiingenieur. Von Beginn an ist er in Sachsen-Anhalt für die seit 2009 laufende Wiederansiedlung von Wanderfischen zuständig.

Bei dem Projekt kooperieren das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt und der Landesanglerverband mit dem Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow. Ziel ist es, Meerforellen und eben auch Lachse in die Flüsse und Bäche zurückzuholen, in denen sie einst heimisch waren, aber nach dem Einbau von Wehranlagen verschwanden. Neben Bode, Jeetze oder beispielsweise auch der Rossel gehört dazu die Nuthe, wo sich inzwischen längst Erfolge des Programms zeigen.

2011 ging der erste Fisch ins Netz. Seither konnten 49 Lachse und 78 Meerforellen nachgewiesen werden, die den mühsamen Weg vom Nordatlantik auf sich nahmen, um zum Laichen in die Nuthe zurückzukehren. „Momentan verzeichnen wir eine stetig steigende Tendenz“, freut sich Steffen Zahn. Er ist zufrieden mit der Rückkehrerquote.

Die natürliche Flussmündung der Nuthe in die Elbe sei von Vorteil, sagt er. Dies erleichtere den Fischen den kräftezehrenden Aufstieg. In den kommenden Wochen wird mit den nächsten Heimkehrern gerechnet. „Bei Niederlepte haben wir jetzt im September ein Videosystem mit vier Kameras installiert, die wie ein Bewegungsmelder reagieren, um die aufsteigenden Fische zu filmen“, erzählt Steffen Zahn.

Für die zierlichen Junglachse, die gestern an verschiedenen Stellen der Nutheläufe in und um Zerbst ausgesetzt wurden, ist das noch Zukunftsmusik. Die halbjährigen Fische stammen aus Dänemark. „Die Laichtiere wurden in einem Flussgebiet in Westjütland gefangen, abgestriffen, künstlich vermehrt und aufgezogen“, berichtet Steffen Zahn. Bei einem durchschnittlichen Gewicht von sechs Gramm weisen die kleinen Lachse eine Länge von sechs bis zehn Zentimetern auf.

Am Treffpunkt werden sie zunächst auf mehrere Behälter verteilt, die bereits mit Nuthewasser gefüllt sind. „Ich bin froh, dass wieder so viele Helfer da sind“, wendet sich der Projektleiter an die in Wathosen und Gummistiefeln steckenden Männer. Von Anfang an kann Steffen Zahn auf die tatkräftige Unterstützung der Mitglieder des Zerbster Anglervereins zählen.

Das ist diesmal nicht anders. Die Anwesenden verteilen sich auf vier Gruppen und rücken in verschiedene Himmelsrichtungen aus. Von Strinum bis zur Ankuhner Mühle verteilen sie die jungen Lachse vom Boot aus. An den anderen Stellen geht es watend durch den Fluss. Bis Niederlepte werden immer wieder Fischgrüppchen in der Nuthe ausgesetzt. Aber auch oberhalb von Lindau und in der Boner Nuthe finden sie eine neue Kinderstube.

„Die Bedingungen für die Fische sind jetzt optimal“, sagt Steffen Zahn. Um die zehn Grad liegt die Wassertemperatur der Nuthe. Zudem mögen die Lachse eine sauerstoffreiche Umgebung, kiesige Gewässer-untergründe und viele Strukturen zum Verstecken, wie er erläutert.

Bis April/Mai werden die noch unscheinbaren Fische nun in den Flussläufen der Nuthe weiter heranwachsen. „Dann wandern sie innerhalb von zwei, drei Wochen in Richtung Nordatlantik“, schildert Steffen Zahn. In etwa zwei bis vier Jahren kehren sie schließlich zum Laichen zurück.

Untersuchungen der Wissenschaftler des Instituts für Binnenfischerei zeigen, dass die Nuthe den jungen Lachsen durchaus gute Überlebensbedingungen bietet. Anhand des inzwischen gelungenen Nachweises natürlich geschlüpfter Jungfische konnte außerdem belegt werden, dass der Lebenszyklus der Lachse geschlossen ist.