Berlin - Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) will wieder einen höheren politischen Stellenwert für Naturschutzfragen erreichen und setzt besonders auf mehr Nachhaltigkeit in den Städten.

Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrisen sei die Umweltpolitik international in den Hintergrund gedrängt worden, sagte Hendricks. Sie sei aber überzeugt, "dass es uns gelingen wird, es wieder umzudrehen". Das gerade beschlossene Aktionsprogramm der EU sei ein Bekenntnis zu einer aktiven Rolle Europas. EU-Ziele zu Klimaschutz und Öko-Energien müssten jetzt zügig besiegelt werden.

EU-Umweltkommissar Janez Potonik sagte, Umweltfragen müssten in der politischen Debatte von Seite zwölf auf Seite eins gebracht werden. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung sei ein schonenderer Ressourceneinsatz für weiteren Wohlstand in den Industrieländern existenziell. "Wir müssen unsere Lebensweise ändern."

Hendricks sagte, über Erfolg oder Misserfolg der Umweltpolitik werde in den Städten entschieden, wo 60 Prozent der EU-Bevölkerung lebten. Für mehr Nachhaltigkeit gelte es, in der Stadtplanung beispielsweise auf Grünflächen und Luftreinheit zu achten, etwa beim Anlegen von Straßenzügen. Der Flächenverbrauch durch Überbauung müsse stärker reduziert werden. Ein nationaler Umweltaktionsplan werde derzeit erarbeitet und solle im nächsten Jahr vorgelegt werden.

Die Ministerin zeigte sich zuversichtlich, dass eine EU-weite Senkung der CO2-Emissionen um 40 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990 beim EU-Gipfel am 20. und 21. März beschlossen wird. Bald besiegelt werden solle auch das EU-Ziel, den Anteil der Erneuerbaren Energien bis 2030 auf 27 Prozent zu steigern. Wichtig sei eine Verabschiedung noch in der Amtszeit der jetzigen EU-Kommission bis Ende Oktober. Deutschland und mehrere weitere EU-Länder strebten einen Anteil von 30 Prozent an.