Edinburgh | Auch der Norden Europas ist vor Sezessionsbestrebungen nicht gefeit: Ministerpräsindet Alex Salmond, seine Scottish National Party und zahlreiche Landsleute wollen es: die Unabhängigkeit von London. Auch Sean Connery, in Schottland geborener Leinwandstar, ist dafür. Von der Abspaltung könnten die Filmindustrie und andere kreative Branchen profitieren, meint der 83-Jährige, und damit würde es neue Jobs geben.

Nichts gegen die Kreativität der Schotten - doch allein darauf könnten sie ein eigenes Staatswesen kaum gründen. Wohl aber auf den Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee. Die Rohstofferträge sollen künftig den Schotten zugutekommen und nicht irgendwo im britischen Haushalt verschwinden, fordern die Befürworter der Abspaltung.

Zukunfsfonds nach norwegischem Vorbild

First Minister Alex Salmond schielt dabei nach Norwegen: Das Land sei kleiner als Schottland und mehr abhängig von Öl und Gas, habe aber seine Ressourcen "deutlich besser gemanagt" als Westminster.

Salmond will gleich auch noch das norwegische Modell der Zukunftssicherung kopieren und einen milliardenschweren Ölfonds schaffen. In den Topf sollen jährlich eine Milliarde Pfund - rund 1,21 Milliarden Euro - fließen. Abgezweigt werden soll das Geld aus den Steuereinnahmen der Ölindustrie.

Die britische Regierung versucht seit Monaten in einer Gegenkampagne, den Schotten die Unabhängigkeitsflausen auszutreiben, untertsützt von den mitregierenden Liberaldemokraten als auch der oppositionellen Labour Party. Premierminister David Cameron argumentiert, die Ölindustrie habe international nur bei einem Verbleib Schottlands eine echte Wettbewerbschance. Cameron versprach den Standort Schottland attraktiver zu machen, damit junge Menschen durch Arbeitsplätze eine Perspektive hätten.

Außerdem reden die britischen Verantwortlichen die Öl- und Gasvorräte gern klein, während die schottischen Prognosen sehr viel optimistischer ausfallen. Das 78772 Quadratkilometer große Schottland (etwas größer als Bayern) mit heute rund 5,3 Millionen Einwohnern (etwas weniger als Hessen) bildet mit England und Wales seit 1707 eine Union, das macht also mehr als 300 Jahre Einigkeit.

Das sei nun aber lange genug gewesen, meinen die Unabhängigkeits-Anhänger, die losgelöst von London ein besseres Schottland schaffen wollen. Dabei würde die Trennung nach Salmonds Vorstellungen gar keine komplette Abspaltung sein.

Nur den politischen Strang zwischen Edinburgh und London will er kappen. Staatsoberhaupt bliebe demnach die britische Königin, an Sozialunion sowie Mitgliedschaft in EU und Nato soll ebenfalls festgehalten werden. Auch an der Währungsunion will der schottische First Minister gern festhalten.

Das Pfund gibt London nicht her

Das kann er vergessen, beschied Cameron. Wenn die Schotten für sich selbst wirtschaften wollen, bitteschön - aber ohne britisches Pfund. Das bringt Sand ins Getriebe der Unabhängigkeits-Maschinerie. Denn eventuell den Euro einzuführen erwiese sich als schwierig - die europäische Währung ist in Schottland ähnlich unpopulär wie sonst auch in Großbritannien. Eine eigene Währung wäre keine rechte Alternative: Schottland hat einen überdimensionierten Bankensektor - bei einem plötzlichen Rettungsbedarf eine Nummer zu groß für eine schottische Notenbank.

Womöglich erledigen sich diese Probleme aber ganz von selbst. Bisher jedenfalls gibt es nach Umfragen keine Mehrheit für den eigenen staatlichen Weg. Die Verfechter der Unabhängigkeit machen unter 40 Prozent aus, etwa die Hälfte der Schotten will im Verbund des Königreiches bleiben.

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