Magdeburg l Deprimierend sind die Aussichten für die rund 300000 Krimtataren nach dem Referendum vom Sonntag, das die meisten von ihnen boykottiert haben. Dies meint Dr. Mieste Hotop-Riecke vom Magdeburger Institut für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien. Er stehe ständig im Kontakt mit Krimtararen, sagt der Experte und konstatiert: "Es geht ihnen nicht gut. Sie wollen nicht in Putins Reich einverleibt werden." Am Sonntag sei ein getöteter Tatare mit Folterspuren gefunden worden, der krimtatarische Fernsehsender sei abgeschaltet worden, es gebe nunmehr nur noch russisches Fernsehen auf der Krim.

Schlimmer noch: "Die kulturellen Einrichtungen, die sich die Krimtataren in den vergangenen 25 Jahren nach der Rückkehr aus der Deportation aufgebaut haben - Verlage, Redaktionen, Institute und Theater - stehen in Frage. Genauso wie die 14 Schulen und zwei Gymnasien, die geschlossen werden könnten, wenn so mit nationalen Minderheiten umgegangen wird wie sonst in Russland", sagt Hotop-Riecke. Zumal vieles über Privatinitiativen und Nichtregierungsorganisationen laufe, die in Russland den Status von Agenten haben.

Die Tataren wären das indigene Volk der Krim, die Halbinsel sei ihre Heimat, sagt der Experte, sie könnten nicht einfach wie Krim-Ukrainer zu Verwandten aufs Festland fliehen. Allerdings hätten manche Krimtataren ihre Familien schon in die Türkei oder nach Rumänien und Bulgarien gebracht, wo in der Dobrusha auch Tataren leben.

Nun hat Russland aber den Krim-Bewohnern bessere Einkommen und Renten zugesichtert - zumindest scheinen die materiellen Existenzgrundlagen gesichert. Doch Hotop-Riecke hält das für "leere Versprechungen, genauso wie es in Südossetien, Abchasien oder Transnistrien war".