Magdeburg | Tuvia Tenenbom ist vor allem eines: Meister der Provokation. In der Magdeburger Stadtbibliothek will der jüdische Schriftsteller aus New York am Montagabend eigentlich sein Buch "Allein unter Juden" vorstellen, es handelt von seiner Reise durch Israel. Doch er kommt nicht umhin, noch einmal auf das einzugehen, was er vor fast zwei Jahren in Magdeburg erlebte: "Acht Monate hat es gedauert, bis die Polizei herausgefunden hat, dass ich kein Nazi bin", echauffiert sich Tenenbom.

Was war passiert? Im Januar 2013 mischte er sich im Beisein eines Fernsehteams unter demonstrierende Neonazis und zeigte ihnen den Hitlergruß. Die ließen ihre rechten Arme jedoch unten und erstatteten prompt Anzeige bei der Polizei. Während die Rechten unbehelligt weitermarschieren durften, hatte Tenenbom - als Sohn von Holocaust-Überlebenden - ein Ermittlungsverfahren am Hals. Ist doch das Zeigen des Hitlergrußes in Deutschland verboten. Auch wenn die Staatsanwaltschaft das Verfahren später einstellte, ist die Geschichte für Tenenbon bis heute ein Beweis mehr, wie weit Antisemitismus in Deutschland noch immer verbreitet ist. Nachdem Juden-Hass hierzulande aber nun schon Thema in seinem Bestseller-Buch "Allein unter Deutschen" war, schreibt er in seinem neuen Werk "Allein unter Juden" über die vielen Facetten von Hass im Heiligen Land. Ein halbes Jahr lang reiste Tenenbom durch Israel und die Palästinensergebiete, gab sich dabei auch als "Tobi, der Deutsche" aus.

Ohne die Verschleierung seiner jüdisch-amerikanischen Identität wäre es für ihn wohl auch gefährlich geworden. Tenebom selbst spitzt zu: "Die Palästinenser mochten Tobi den Deutschen, weil die Deutschen viele Juden im Krieg umgebracht haben." Nicht weniger zimperlich geht Tenenbom in seinem Buch auch mit den Israelis um. Nach 2000 Jahren Verfolgung würden die sich selbst hassen, sie reagierten wie Entführungsopfer mit Stockholm-Syndrom: "Wenn jeder behauptet, ich sei böse und geldgierig, dann bin ich das wohl", erklärt Tenenbom. Empörung zeigt er außerdem gegenüber ausländischen Journalisten und Nichtregierungsorganisationen. Während die einen kritiklos Propaganda verbreiten würden, hätten die anderen nichts Besseres zu tun, als die Juden schlechtzumachen. So habe er unter anderem im Zentrum des Internationalen Roten Kreuzes im palästinensischen Jenin antisemitische Bücher gefunden.

Einerseits überraschen manche Einblicke, die Tenenbom in seinem neuen Buch gibt. Andererseits darf sich der große Provokateur nicht wundern, wenn er nicht ganz ernstgenommen wird. Zu sehr bleibt er in einem Schwarz-Weiß-Denken verhaftet, zu oft überzieht er mit seinen drastischen Schilderungen. Für ihn gibt es keine Lösung des Nahost-Konfliktes und wird es auch künftig keine geben. Und erst recht nicht mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, meint Tenenbom. "Der ist ein Idiot und kein Anführer."

In Israel hat es sein Buch trotzdem auf die Bestseller-Liste geschafft. In Deutschland ist es seit einer Woche erhältlich.