Von Tina Heinz

Qualm gehört zu China wie die Verbotene Stadt zu Peking: Qualm aus Fabrikschloten, Qualm aus dem Auto-Auspuff – und auch der Qualm von Zigaretten. Doch letzteres soll nun eingedämmt werden. Am 1. Mai tritt ein Rauchverbot an öffentlichen Plätzen in Kraft. Davon betroffen sind Parks, Hotels, Restaurants, Theater und Museen wie die Zeitung "China Daily" unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Peking berichtet.

Noch 2005 stufte Chinas Regierung Tabakkonsum als gesund ein und behauptete, Rauchen fördere das Denkvermögen bei der Arbeit. Vor zwei Jahren wollte die Bezirksregierung von Gong‘an in der Provinz Hubei besonders gut sein. Um die heimische Zigarettenindustrie zu unterstützen, wurden Behördenmitarbeiter zum Rauchen verpflichtet. Wer sein Soll nicht erfüllte, musste Strafe zahlen.

Jetzt sollen die wirtschaftlichen Interessen in den Hintergrund rücken und mehr Wert auf gesundheitliche Aufklärung gelegt werden. Denn mit dem Rauchverbot will das chinesische Gesundheitsministerium auch das Aufstellen von Zigarettenautomaten untersagen und eine Kampagne starten, die vor Risiken des Tabakkonsums warnt.

Dass dieser Schritt überfällig war, zeigt die Statistik im Tabak-Atlas, der für China 2010 von der World Lung Foundation und der American Cancer Society herausgegeben wurde. Demnach raucht im Reich der Mitte etwa ein Viertel der 1,3 Milliarden Einwohner. Mehr als zwei Billionen Zigaretten verbrauchen die Chinesen jedes Jahr. Während Frauen relativ selten zum Glimmstängel greifen – die Rate liegt bei etwa drei Prozent – ist der Anteil der Männer, die rauchen, mit etwa 60 Prozent wesentlich höher. An den Folgen des Rauchens sterben jährlich mehr als eine Million Menschen.

Glimmstängel stimmen Beamte milde

Ob das Verbot tatsächlich hilft, diese Statistik zu verbessern, ist zu bezweifeln. Dafür hätte das Gesundheitsministerium einen weiteren Schritt wagen und auch das Rauchen am Arbeitsplatz untersagen müssen. Dass diese Regelung bislang nur halbherzig verfolgt wurde, mag daran liegen, dass in China das Rauchen ein Teil der Kultur ist. Eine Zigarette anzubieten, erleichtert den Einstieg in ein Gespräch und hilft, Kontakte zu knüpfen. Eine angebotene Zigarette abzulehnen, wird als äußerst unhöflich empfunden.

Auch spielt das Rauchen im Arbeitsalltag eine große Rolle. Wenn Verträge abgeschlossen werden, zählen nicht nur die Unterschrift und der Handschlag. Dem neuen Geschäftspartner eine Stange Zigaretten zu schenken, soll eine gute Zusammenarbeit besiegeln.

Noch wichtiger sind die obligatorischen Glimmstängel, wenn es um Bestechung geht. Ein Päckchen teure Zigaretten kann dabei helfen, beim Arzt nicht erst in drei Monaten im Terminkalender eingetragen zu werden. Und wird der Chinese bei einer Verkehrskontrolle angehalten, streckt er dem Beamten gern ein Päckchen aus dem Autofenster entgegen, um ihn im Notfall etwas milder zu stimmen.

Auch als Tourist kann man von der Wirkung der Tabakprodukte profitieren. Geben sich die Einheimischen gegenüber den westlichen "Großnasen" bei der Frage nach dem Weg wenig auskunftfreudig, werden sie beim Anblick einer Zigarette etwas gesprächiger. Die Glimmstängel können auch helfen, den Taxifahrer zu überzeugen, dass der große Koffer ganz sicher im Taxi Platz findet. Und eben derselbe Taxifahrer verrät dann auch gern, wo in der Gegend es die besten chinesischen Teigtaschen gibt.

Wie stark die Einschnitte durch das am Sonntag in Kraft tretende Rauchverbot sind, bleibt abzuwarten. Nach Angaben der "China Daily" haben die Behörden noch keine Auskunft gegeben, wie Verstöße gegen das Verbot geahndet werden.

Provisorische Rauchverbote in der Vergangenheit haben kaum Erfolge gebracht. So hatte die Regierung 2008 rauchfreie Olympische Spiele in Peking versprochen. In Schulen, Museen, Krankenhäusern, Sportstadien und Behörden durfte nicht mehr geraucht werden. Bars und Restaurants mussten einen Raucherbereich einrichten. Bei Verstößen dagegen drohten Geldstrafen – es scheiterte jedoch an einheitlichen Kontrollen.

Vor 100 Jahren Rauchen von Opium verboten

Auch in Schanghai bemüht man sich seit der Weltausstellung im vergangenen Jahr, ein strenges Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen und an Arbeitsplätzen durchzusetzen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafen geahndet. Doch auch hier fehlt es bislang an Kontrollen. Die dafür eingerichtete Behörde verlässt sich auf Freiwillige. Sie sollen anrufen und melden, wenn sie jemanden entdecken, der sich nicht an das Verbot hält.

Bereits vor 100 Jahren ist in China ein Rauchverbot gescheitert. 1911 wurde das Rauchen von Opium in der südlichen Provinz Yunnan untersagt. Für kurze Zeit sank die Zahl der Opiumsüchtigen, doch der Handel mit dem Rauschgift und der Konsum florierten weiter. Mehr als 40 Jahre sollte es noch dauern, bis die Kommunistische Partei es schaffte, Opium aus China zu verbannen.