In Ägypten sollen morgen 45 Millionen Menschen über elf Veränderungen an neun Artikeln der Verfassung entscheiden. Das gilt nach dem Sturz des Mubarak-Regimes und der Errichtung einer Übergangsregierung als weiterer Schritt auf dem Weg zur Demokratie. Die Ägypter Mohamed Mohamed und Hemdan Shaldny leben in Magdeburg. Sie erzählen, welche Veränderungen sie sich für ihr Heimatland wünschen.

Von Josephine Schlüer

Das Mubarak-Regime gestürzt, Demokratie in Sicht in Ägypten, dem Heimatland der Freunde Hemdan Shaldny und Mohamed Mohamed. "Vor lauter Freude und Euphorie haben wir auf dem Uni-Campus zwei Schafe geschlachtet und gefeiert", erinnert sich Dr. Hemdan Shaldny. "Ganz klar: Wir wollen Demokratie, Meinungsfreiheit, soziale Gerechtigkeit!", sagen die beiden Anhänger der ägyptischen Demokratiebewegung.

Morgen stimmen ihre Landsleute über Verfassungsänderungen ab, und in einem halben Jahr sollen ein neues Parlament und ein neuer Präsident gewählt werden. Derzeit hat Ägypten eine Übergangsregierung. In ihr sind auch Männer vertreten, die für das alte Regime standen.

Die beiden Wahl-Magdeburger Hemdan Shaldny und Mohamed Mohamed akzeptieren die neuen Regierungsmitglieder. "Jetzt ist es wichtig, Vertrauen in die neue Regierung zu entwickeln", sagen Shaldny und Mohamed. Sie blicken zuversichtlich aus Deutschland in die Heimat.

Beide Männer absolvierten in Kairo sowohl ein Bachelor- als auch Masterstudium im Fach Maschinenbau und Verfahrenstechnik. Im Anschluss promovierte Shaldny, der seit neun Jahren in Deutschland lebt, in Chemnitz. Jetzt arbeitet der 40-Jährige an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg am Institut für Maschinenbau und Verfahrenstechnik.

Der 35-jährige Mohamed muss seine Doktorarbeit erst noch verteidigen. Er kam für seine Promovation im Jahr 2007 aus Ägypten nach Magdeburg. Er und Shaldny verließen ihre Heimat auch, weil das Korsett, das Husni Mubarak für die ägyptische Bevölkerung geschnürt hatte, zu eng geworden war. "Der Präsident kontrollierte alle Einrichtungen, auch die Universitäten, 90 Prozent der Bevölkerung war bettelarm, man durfte seine Meinung nicht frei äußern", beschreiben die Männer das Leben in der Diktatur.

Vom 25. Januar an verfolgten Shaldny und Mohamed die Aufstände in Kairo, Suez und Alexandria über die Medien. "Wir glaubten von Anfang an, dass diese Revolution glücken wird." Der fünffache Vater Shaldny hat seine Kinder sogar für ein Youtube-Video im heimischen Wohnzimmer demonstrieren lassen. "Es ging bei den Protesten nicht nur um den Menschen Husni Mubarak, es war ein Kampf gegen Diktatur und für Demokratie", schätzen Shaldny und Mohamed ein.

Als die ersten Studenten in Ägypten auf die Straße gingen, verhielten sich viele Menschen abwartend, weiß Shaldny. Das liege auch daran, dass die Medien unter Staatskontrolle standen. Der 40-Jährige erinnert sich: "Als ich meinen Bruder in Kairo anrief, verurteilte er die Aufstände zunächst. Ich habe ihm erklärt, worum es geht, und einen Tag später demonstrierte auch er auf dem Tahrir-Platz."

Nach und nach hätten die Menschen begriffen, was da vor sich geht. "Christen und Moslems demonstrierten Seite an Seite. Das war sehr schön. Sie haben verstanden, dass es zwischen ihnen keine Probleme gibt. Die Regierung hat diesen Konflikt geschürt", sagt Mohamed.

Shaldny und er sind sich sicher, ohne die Aufrufe über das Internetportal facebook hätten die Proteste niemals vergleichbare Dimensionen annehmen können. Für die Zukunft zeigen sich die Ägypter erwartungsfroh: "Die Revolution in der arabischen Welt wird auch in anderen Ländern über kurz oder lang erfolgreich sein."