Von Jan Dirk Herbermann

Ban Ki Moon hüllt sich in Schweigen. Auf bohrende Fragen, ob er eine zweite Amtszeit als UN-Generalsekretär anstrebe, antwortet der Taktiker aus Südkorea, das werde er später entscheiden. Der 66-Jährige weiß: Wer auf dem internationalen Parkett zu früh Ambitionen anmeldet, scheitert oft. Ende 2011 läuft Bans fünfjährige Amtszeit ab.

UN-Diplomaten munkeln, dass der zähe Asiate weitere fünf Jahre innehaben möchte, was sein Vorgänger Kofi Annan den "unmöglichsten Job in der Welt" nannte. Wer den Posten des Generalsekretärs im New Yorker UN-Hauptquartier von 2012 bis 2016 bekleiden wird, entscheidet der Sicherheitsrat, auch wenn er formal von der Vollversammlung der 192 UN-Mitgliedsländer gewählt wird.

Um sein Ziel zu erreichen, hat Ban den Wahlkampf in eigener Sache bereits eröffnet. Hinter den Kulissen fühlt er laut Diplomaten bei wichtigen Staaten wegen einer zweiten Amtszeit vor. Und in der Öffentlichkeit bewertet der ehemalige südkoreanische Außenminister, der sonst so zurückhaltend ist, das vergangene Jahr als "ein großes Jahr für die Vereinten Nationen".

Unter Bans Führung sammelten die UN 2010 tatsächlich einige Pluspunkte: Von der Einigung auf dem Klimagipfel in Cancún über die Schaffung einer UN-Agentur für die Belange von Frauen (UN Women) bis hin zu Fortschritten im Kampf gegen Krankheiten wie Malaria.

Auf dem wichtigsten Feld der Vereinten Nationen aber, der Schaffung von Frieden und Sicherheit, sieht es nicht gut aus. Neben der explosiven Lage in der Elfenbeinküste müssen sich die UN mit 33 weiteren Konflikten herumschlagen. Der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig zählt die gefährlichsten Brandherde auf: "Von A wie Afghanistan bis Z wie Zypern." Er nennt als Konfliktregionen Bosnien und das Kosovo, den Nahen Osten, den Iran und Nordkorea sowie in Afrika den Sudan, den Kongo, Somalia und die Westsahara.

Schon bald droht im Südsudan neue Gewalt. Falls der ölreiche Süden, in dem viele Christen leben, sich für unabhängig erklärt, droht ein Konflikt mit Muslimen, die die Mehrheit im Norden stellen. "Eine Eskalation der Spannungen zwischen den Religionen muss verhindert werden", sagt der Generalsekretär des Weltkirchenrates, Olav Fykse Tveit.

Wie wichtig eine klare Strategie zur Konfliktlösung ist, zeigt sich auch in der zweiten Unruheregion im Sudan, in Darfur. Als Ban 2007 antrat, versprach er, sich auf die Befriedung Darfurs zu konzentrieren. Im jahrelangen Krieg zwischen Rebellen, Armee und regierungstreuen Milizen kamen Hunderttausende Menschen ums Leben, Millionen mussten fliehen.

Doch ein Ende der Kämpfe lässt noch immer auf sich warten. "Ich bin zutiefst besorgt über die jüngsten Zusammenstöße in Darfur", erklärte Ban im Dezember.

Ratlos verfolgt Ban auch die Fehde in seiner geteilten Heimat Korea. Der atomar aufgerüstete Norden und der von den USA beschützte Süden fahren seit vergangenem Jahr einen verschärften Konfrontationskurs – bei Angriffen des Nordens starben Dutzende Südkoreaner.

Dabei hatte Ban gelobt, sich für eine Aussöhnung der verfeindeten Bruderstaaten starkzumachen: "Ich bin überzeugt, dass ich das viel besser machen kann als jede andere Person." Doch bisher schaffte es der Südkoreaner noch nicht einmal, dass das nordkoreanische Regime ihn zu einem Besuch einlud.

Bans Wiederwahl für den Topjob der Vereinten Nationen wird vor allem davon abhängen, ob sich die Großmächte USA und China wie 2006 wieder hinter ihn stellen. Diplomaten betonen, dass das Rennen offen sei. Über einen eisernen Willen scheint Ban jedenfalls zu verfügen. Yoon Young Kwan, sein Vorgänger als Außenminister Südkoreas, sagt über Ban: "Er spricht sanft, aber im Inneren hat er eine feste Meinung und eine starke Motivation."(epd)