Mark R. (Name auf Wunsch des Gesprächspartners geändert) war jahrelang bei den US Marines, auch in "special operations" eingesetzt. Den kahlgeschorenen Mittvierziger kann nichts so schnell erschrecken. "Aber immer, wenn ich auf Kindersoldaten traf, hatte ich total Schiss", gibt Mark R. zu. "Du blickst in diese toten Augen und weißt, alles kann passieren. Du willst nicht auf Kinder schießen – aber du weißt, diese Kinder wurden zu Killern dressiert."

Kriegsherren und Milizenführer in aller Welt lieben ihre jungen Kämpfer. Denn die Jungen und Mädchen, die manchmal bereits mit zehn Jahren aus ihren Dörfern entführt und zum Kämpfen gezwungen werden, gelten, einmal für den Krieg ausgebildet, als furchtlose Kämpfer. Weltweit gibt es Schätzungen zufolge mindestens 250 000 Kindersoldaten. Allein in Uganda und den Nachbarländern hat der berüchtigte Rebellenführer Joseph Kony in mehr als 20 Jahren mindestens 30 000 Kinder und Jugendliche entführt.

In Konys Widerstandsarmee des Herrn (LRA) etwa wurden sie während des Bürgerkriegs in Norduganda bei der Entführung gezwungen, ihre Eltern oder Geschwister zu töten, das eigene Dorf niederzubrennen. Wer sich weigerte, wurde getötet.

"Viele Menschen, die den Krieg erlebten, haben Angst vor den Kindersoldaten", sagt Dora Akol, die in Gulu in Norduganda für die Hilfsorganisation World Vision ehemalige Kindersoldaten psychologisch betreut.

Die Kalaschnikow, Lieblingswaffe von Rebellen wie Regierungstruppen in den Konfliktregionen der Dritten Welt, ist buchstäblich kinderleicht zu bedienen. Für viele Kindersoldaten gehört sie schnell zum Alltag, so wie einst der Gang zum Brunnen oder das Hüten der Ziegen oder Kühe ihrer Familie.

"Ich war stolz darauf, eine Kämpferin zu sein. Ich fühlte mich stark und unbesiegbar, wenn ich mit dem Gewehr in den Kampf zog", erinnert sich Jane Akello, die im Alter von zwölf Jahren von Konys Leuten entführt wurde. Inzwischen arbeitet auch sie in Gulu bei der Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten mit.

Doch das ist nicht einfach. Vor allem für diejenigen Kindersoldaten, die jahrelang im Busch kämpften, einstige Spielkameraden sterben sahen und selbst zu Gräueltaten gezwungen wurden, ist der Krieg nie ganz vorbei.

Nach einer 2007 veröffentlichten Studie über ehemalige Kindersoldaten in Uganda und im Kongo leidet ein großer Teil der Kinder unter posttraumatischen Störungen. "Manche von ihnen können ihre Aggressionen nicht mehr kontrollieren, auch wenn sie selbst darunter leiden, wie sie geworden sind", sagt Dora Akol. "Und selbst wenn die Familien diese Kinder wieder aufnehmen wollen – sie leben in Angst vor ihnen."

Auch in Friedenszeiten haben Kindersoldaten oft nichts mehr, wohin sie zurückkehren und die verlorene Jugend nachholen können. .

Ekkehard Forberg, Menschenrechtsexperte bei World Vision Deutschland, hofft bei der Ahndung des Einsatzes von Kindersoldaten auch stark auf die deutsche Rolle im UN-Sicherheitsrat. "Deutschland führt den Vorsitz in der Arbeitsgruppe zu Kindern in bewaffneten Konflikten", sagt er. "Die ersten Signale sind vielversprechend. Wir hoffen, dass Sanktionen bei Angriffen auf Kinder, aber auch Angriffen auf Schulen oder Krankenhäuser, künftig früher angewandt werden als bisher." (dpa)