Das Vorwort zu einer Erfolgsgeschichte war es nicht, was da vor 50 Jahren geschrieben wurde: Das so genannte Anwerbeabkommen, am 30. Oktober 1961 zwischen Deutschland und der Türkei geschlossen, sollte türkische Arbeiter für eine begrenzte Zeit nach Deutschland locken. Ein halbes Jahrhundert und zwei Gastarbeiter-Generationen später wird diese Geschichte mitunter als "misslungene Integration" betitelt. "Die vergangenen 50 Jahre waren eine verlorene Zeit", findet auch Serap Çileli.
Die mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Frauenrechtlerin war für Donnerstagabend vom Presseclub Magdeburg und der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Landeshauptstadt eingeladen, um aus ihrem aktuellen Buch "Eure Ehre - unser Leid" zu lesen. Volksstimme-Redakteur Steffen Honig moderierte das Gespräch zwischen Çileli und den etwa 100 Gästen zu den Themen Zwansgheirat und Ehrenmord.
Als Kind türkischer Einwanderer kennt Çileli das anhaltende Spannungsfeld zwischen patriarchalischen türkischen Familienstrukturen und der individualisierten deutschen Gesellschaft: Als 12-Jährige wird sie mit einem ihr unbekannten Mann verlobt, es folgten ein Suizidversuch, der zweite unbekannte Mann, mit dem sie 15-jährig verheiratet wird. Irgendwann steigt Çileli aus, flüchtet ins Frauenhaus, bricht mit ihrer Familie. Heute, als 45-Jährige, hilft sie Frauen, die Ähnliches erleben. Und lebt mit einem Mann zusammen, den sie liebt.
Etwa 500 Menschen hat Çileli nach eigenen Angaben betreut, seit sie 2005 den Verein "peri" (dt. "gute Fee") gegründet hat. Meist sind es von Zwangsheirat bedrohte Muslima zwischen 16 und 21 Jahren, die Hilfe suchen - unter anderem bei der Wiederherstellung der Jungfräulichkeit. Denn der komme bei muslimischen Eheschließungen eine entscheidende Rolle zu. "Die sexuelle Ehre des Mannes liegt zwischen den Beinen seiner muslimischen Frau", sagt Çileli. Es ist eine Welt mit tradierten Normen, von der die 45-Jährige spricht. Eine Welt, in der ein Mann mehr wert ist als eine Frau, in der Gewalt gegen Frauen akzeptiert und die sich um Respekt, Ehre und Ansehen dreht. Wird diese Ehre verletzt, so Çileli, werde das notfalls mit Mord bestraft.
Die Opfer dieser Welt heißen Hatun Sürücü, 2005 mit drei Kopfschüssen getötet, oder Gülsüm S., 2009 ermordet. Beide Frauen mussten sterben, weil ihr westlicher Lebenswandel die Ehre der Familie beschmutzt haben soll.
"Die Hilferufe junger Muslime hat sehr stark zugenommen", sagt Çileli aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Einen Grund meint sie in einer sich intensivierenden Religiosität zu erkennen: Während sich 2005 noch 57 Prozent der in Deutschland lebenden Migranten als "sehr religiös" beschrieben hätten, zitiert Çileli eine Studie, sei die Zahl innerhalb von fünf Jahren auf 72 Prozent gestiegen. Eine innerlich getriebene Säkularisierung, ähnlich der westeuorpäischen Aufklärung, habe es in der türkischen Gesellschaft ohnehin nie gegeben, sagt sie.
Von Deutschland fordert sie das klare Signal, keinen Gottesstaat zu dulden. "Wir müssen von jedem, der in Europa lebt, Respekt und Achtung vor dem Grundgesetz und unseren Wertvorstellungen fordern." Antidemokratische Strömungen aus falsch verstandener Toleranz unter einen "multikulturellen Naturschutz" zu stellen sei ebenso wenig förderlich wie ein Kulturrelativismus, der etwa die kulturelle Herkunft von Straftätern bei der Beurteilung ihrer Taten berücksichtigt oder die Befreiung muslimischer Mädchen vom Sportunterricht unterstützt.
Es sind Äußerungen wie diese, weswegen Serap Çileli mitunter in rechtsgerichteten Kreisen zitiert wird - und mancher ihrer eigenwilligen Lösungsansätze. Als Moderator Honig etwa wissen will, wie bestehende Parallelgesellschaften zu knacken seien, lautet Çilelis Antwort: per quotierter Wohnpolitk. Strukturen ghettoähnlicher Stadtviertel könnten so vielleicht aufgeweicht werden, sagt sie.
Doch Çileli wehrt sich gegen ihre Instrumentalisierung durch rechte Kräfte. "Rechtsradikalen möchte ich keinen Nährboden geben, im Gegenteil", stellt sie klar. "Ich setze mich für die Menschenrechte muslimischer Frauen ein."
Sie hätte das Geld, das für rund 4 Millionen Muslime in Deutschland in etwa 3000 Moscheen und Gebetshäuser investiert wurde, lieber in Präventionsarbeit, Sozialberatungsstellen und Kriseneinrichtungen gesteckt. Ehrenmord und Zwangsheirat zu ächten sei verlogen, so Çileli, wenn nicht entsprechende Hilfsangebote für Betroffene geschaffen würden.
Starr ragt das gelbe Riesenrad in den Himmel. Die Gondeln rosten. Der Motor ist verrottet. Auf dem weitläufigen Platz rund um die Stahlkonstruktion herrscht Totenstille - seit mehr als einem Vierteljahrhundert schon... weiterlesen
Der Abschluss in der Metallindustrie hat einen Verlierer - die IG Metall. Sämtliche ihr so wichtigen Punkte von 6,5 Prozent mehr Lohn über die unbefristete Übernahme von Lehrlingen... weiterlesen
Es ist ein NATO-Gipfel der Superlative: In Chicago - der Heimatstadt von US-Präsident Barack Obama - sind seit gestern Abend im größten Kongresszentrum der Vereinigten Staaten... weiterlesen
Einsam geworden ist es um Bundeskanzlerin Angela Merkel. Keiner möchte mehr mitziehen, wenn die Christdemokratin einen Kurs der Haushaltskonsolidierung predigt... weiterlesen
![]() |
Es ist nicht das erste Mal, dass SPD-Chefin Budde einen SPD-Minister am Kragen packt... mehr
Chicago - Die Proteste gegen den Nato-Gipfel in Chicago gehen weiter. Am zweiten und letzten Tag des... weiterlesen
Chicago - Frankreich hat beim Nato-Gipfel seinen vorzeitigen Kampftruppen-Abzug aus Afghanistan bis... weiterlesen
Chicago - Mit Tausenden Ausbildern und milliardenschweren Hilfen will die Nato nach Ende des... weiterlesen
Brüssel - Die Raketenabwehr der Nato soll ganz Europa vor möglichen atomaren Angriffen von Staaten... weiterlesen
Chicago - Die Staats- und Regierungschefs der Nato haben in Chicago versucht... weiterlesen
Berlin - Eine Woche nach der Entlassung von Norbert Röttgen wird der CDU-Politiker Peter Altmaier... weiterlesen
Belgrad - Bei einem schweren Verkehrsunfall im Süden Albaniens sind mindestens zwölf Menschen ums... weiterlesen
Chicago - US-Präsident Barack Obama ist überzeugt, den Krieg in Afghanistan zu einem erfolgreichen... weiterlesen
Berlin - Ligapräsident Reinhard Rauball hat sich gegen reine Sitzplatzstadien als Reaktion auf die... weiterlesen
New York - Die Hoffnungen auf ein Konjunkturprogramm in China sowie Aussagen auf dem G8-Gipfel zu... weiterlesen
Was die Überschrift: Reformpädagogik weicht der Gleichschaltung mit dem Artikel zu tun haben soll bleibt vollkommen um Dunkeln. Geht es hier nur drum die Reformpädagogik in ein falsches Licht zu rücken?
Ach du dickes Ei.. das glaub ich ja wohl gar nicht. Indianerfest, Indianerfan - wenn ich das schon lese oder höre kriege ich sonen hals.. ich bin mit einem indianer verheiratet, von daher ist ein teil meiner familie ebenfalls indianer, ich kenne auch viele indianer und deren stimmung, meinung über sowas und - naja die ist nicht die beste - im gegenteil, die sind total angepisst von indianerspielen weißer europäer. Muss ich noch mehr sagen?? Ihr solltet euch mal mit ihnen ernsthaft befassen, welche kennenlernen, mit ihnen reden und vorallem ihnen zuhören und sie verstehen.. warum die stinkesauer sind über solche spielchen und die damit verbundene verballhornung, verniedlichung und zum maskottchenmachen ihres volkes, ihrer kultur usw. durch weiße europäer; die fühlen sich doch total verarscht und lächerlich gemacht. Sorry wenn ich einigen hier den spaß (auf kosten eines noch immer in den usa und kanada existierenden volkes) vermiest habe, das war beabsichtig. Von daher keine entschuldigung aber wie wärs mal mit nachdenken: wie würdet ihr euch fühlen ,wenn andere völker euch in dieser weise missbrauchen- denn das genau ist es was hier passiert.
Berlin - Pattsituation im Machtkampf bei der Linken: Die Bundesspitze und die Landeschefs konnten... weiterlesen
Cannes - Regie-Altmeister Alain Resnais (89) hat für seinen Festivalbeitrag in Cannes ein großes... weiterlesen
Sanaa - Verheerender Selbstmordanschlag im Zentrum von Sanaa: Mindestens 90 Soldaten starben... weiterlesen
Bei einer Paradeübung der Armee in der jemenitischen Hauptstadt hat sich einer der Soldaten in die... ansehen
Skoda spielt beim traditionellen GTI-Treffen am Wörthersee die sportliche Karte... ansehen
Manche Menschen erfüllen sich ihre Kindheitsträume, auch wenn sie früher noch so albern schienen... ansehen
In der chinesischen autonomen Region der Uiguren Xinjang steckten 52 Passagiere in 32 Autos auf der... ansehen
Mehrere Bergsteiger sind am Wochenende am höchten Berg der Welt verunglückt... ansehen