Brüssel (dpa). Schon wieder ein spektakulärer Betrugsfall beim EU-System für den Handel mit Emissionsscheinen. Kriminelle stehlen millionenschwere Verschmutzungsrechte und verkaufen diese blitzschnell weiter. Auch Deutschland ist im Visier.

Nach einem Hacker-Angriff hat die EU-Kommission das europäische System für den Handel mit Emissionsscheinen ausgesetzt. Die Sperre werde mindestens bis zum 26. Januar dauern, teilte die EU-Behörde gestern in Brüssel mit. Emissionsscheine sind ein marktwirtschaftliches Instrument zur Regulierung des Gesamtausstoßes von klimaschädlichen Treibhausgasen – wer die Umwelt mit höheren Emissionen belastet als erlaubt, muss erst solche Berechtigungsscheine erwerben.

Eine Kommissions-Sprecherin berichtete, Hacker seien in mehrere nationale Computersysteme eingedrungen. Sie hätten Verschmutzungsrechte gestohlen und dann weiterverkauft. Für die Sicherheit der Systeme seien die Mitgliedstaaten verantwortlich. Das System an sich sei nicht bedroht.

In den vergangenen Tagen waren fünf Staaten betroffen: Österreich, Tschechien, Griechenland, Polen und Estland. Insgesamt hätten etwa 14 EU-Staaten Sicherheitsprobleme – wie es hieß, gehört Deutschland nicht dazu.

Die Aufdeckung der Affäre nahm offensichtlich in Deutschland ihren Anfang, hieß es ergänzend aus EU-Kreisen. Das deutsche Register sei vor einigen Wochen "in ähnlicher Weise" attackiert worden, danach seien entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden. Details waren nicht zu erfahren.

Schon im vergangenen Jahr war ein betrügerischer Handel mit CO2-Emissionsrechten über Ländergrenzen aufgeflogen. Damit war Umsatzsteuer in Millionenhöhe hinterzogen worden.