Magdeburg l Nachdem Frost und Flut im ersten Halbjahr dem Handwerk miese Geschäfte bescherten, hoffen viele Betriebe auf ein versönliches Jahresende. Die "schwarze Null" soll stehen.

Andreas Becker wünscht sich dieser Tage vor allem eines: stabiles Wetter mit wenig Frost, möglichst bis Weihnachten. "Wir wollen noch Einbußen ausgleichen, die wir durch schlechtes Wetter im April hatten", berichtet der Geschäftsführer der Magdeburger Baufirma ing-tech. So wie ihm geht es vielen in der Handwerksbranche.

Erst in der zweiten Jahreshälfte sind ihre Geschäfte richtig in Gang gekommen. Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes konnte das Handwerk in Sachsen-Anhalt im dritten Quartal die Umsätze um 3,8 Prozent steigern. Der Zuwachs fiel sogar höher aus als der Bundesdurchschnitt, der bei 1,9 Prozent lag. Vor allem Unternehmen für den gewerblichen Bedarf schnitten mit 5,7 Prozent stark ab. Aber auch das Bauhauptgewerbe (5,1 Prozent) und das Ausbaugewerbe (4,6 Prozent) legten deutlich zu.

Nachholeffekte wirken sich aus

Der wirtschaftliche Schub beruht vor allem auf Nachhol-effekten, denn in den ersten beiden Quartalen hatten die Handwerksbetriebe Umsatzrückgänge zu verschmerzen. Lange Frostperioden bis April erschwerten vor allem Bau-Unternehmen die Arbeit. Dann kam im zweiten Quartal die Hochwasser-Katastrophe hinzu.

"Die Betriebe arbeiten daran, die Umsatzausfälle aufzuholen, vor allem am Bau gibt es Nachholeffekte", berichtet Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg. Es sei noch nicht raus, ob die Verluste des ersten Halbjahres aufgefangen und bei den Umsätzen eine schwarze Null erreicht werden könne. Grupe sieht aber durchaus Anlass für Optimismus. Niedrige Zinsen würden die Nachfrage am Bau weiter ankurbeln. Zudem könnten Betriebe ihre Bilanzen mit Zusatzaufträgen bei der Beseitigung von Flutschäden weiter aufbessern. Verlorenes wieder aufzuholen, geht jedoch nicht immer so einfach, wie Bau-Unternehmer Andreas Becker erklärt. "Für viele Betriebe ist es schwierig, mit Auftragswellen zurechtzukommen, da reichen dann manchmal Zweischicht-Systeme und Wochenendarbeit nicht mehr aus."

Nach den Zahlen der Magdeburger Handwerkskammer war zuletzt jeder vierte Betrieb zu 100 Prozent mit Aufträgen ausgelastet, im Durchschnitt lag die Auslastung bei 80 Prozent. "Die Auftragsbücher sind bei den meisten gut gefüllt, da kann es schon passieren, dass nicht jeder Auftrag angenommen werden kann", sagt Burghard Grupe.

Beschäftigung geht um 1,5 Prozent zurück

Umso erstaunlicher ist es dann, dass die Beschäftigung in der Handwerksbranche insgesamt zuletzt um 1,5 Prozent gesunken ist. Grupe zufolge liegt das jedoch an dem zunehmenden Fachkräftemangel. "In einigen Regionen wird es immer schwieriger, geeignete Fachkräfte zu finden", erläutert er. "Es gibt immer weniger Schulabgänger, immer mehr Abiturienten und Studierende."

Auf 2014 blickt Grupe dennoch optimistisch. "Die Konjunkturlage ist in den vergangenen Jahren vor allem von der guten Konsumneigung und von der günstigen Finanzierungssituation für den Baubereich getrieben worden - wir gehen davon aus, dass die Situation so bleibt." Als "Stolpersteine" könnten sich aber neben dem Fachkräftemangel die Vorhaben der Großen Koalition erweisen, so Grupe. "Der Koalitionsvertrag ist nicht geeignet, Wachstum und Beschäftigung zu bringen."