Berlin (dpa) l Umwelt- und Tierschützer warnen vor den Folgen des global wachsenden Fleischkonsums. die grünennahe Heinrich-Böll-Stiftung und der Umweltverband BUND stellten am Donnerstag in Berlin den "Fleischatlas" vor. Ohne ein Umsteuern drohten Menschen, Tieren und Umwelt "verheerende Folgen". Die wichtigsten Fakten in Frage und Antwort:

? Wie viel Fleisch isst die Menschheit?

2012 waren es rund 300 Millionen Tonnen, bis 2050 kommen etwa 50 Prozent hinzu, heißt es bei der Welternährungsorganisation, die bei ihrer Prognose allerdings davon ausgeht, dass der aktuelle Trend anhält. In den Industrieländern wächst der Verzehr nicht mehr, dafür greifen die Menschen in Schwellenländern immer häufiger zum Fleisch. Steigende Einkommen und Verstädterung tragen dort dazu bei. Ein Deutscher isst durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch im Jahr - in den 1980er Jahren waren es noch 67 Kilogramm.

? Welche Folgen hat der wachsende Hunger auf Fleisch?

In Ländern wie China wächst die industrialisierte Produktion - mit großen Ställen und Schlachthöfen. Kleinproduzenten und Händler auf Fahrrädern seien dagegen auf dem Rückzug. In Südamerika wachsen die Anbauflächen für energiereiche Sojabohnen, die als Tierfutter in alle Welt verschifft werden. Das geht auf Kosten des Regenwalds und entzieht ansässigen Kleinbauern die Lebensgrundlage. Auf 70 Prozent der weltweiten Anbaufläche wächst inzwischen Tierfutter. Auch Mais und Weizen werden immer häufiger zu Tierfutter. Sie wären effizienter direkt als Nahrung für die Menschen zu verwenden.

? Was hat das alles mit Deutschland zu tun?

Weil der heimische Markt gesättigt ist, setzt die deutsche Ernährungsindustrie auf die steigende Nachfrage im Ausland. Jährlich freuen sich Bauern und Weiterverarbeiter über wachsende Exporte. Dafür haben sie in den vergangenen Jahren Millionen neuer Mastplätze gebaut - vor allem für Schweine, Hähnchen und Puten. Das sichert Arbeitsplätze, aber gegen die "Tierfabriken" gibt es auch Widerstand. Mehrere hundert Bürgerinitiativen wenden sich bundesweit gegen Güllegestank und den Verkehr, der von den Ställen ausgeht. Sie kritisieren auch die Haltungsbedingungen der Tiere. Niedriglöhne in Schlachthöfen beschäftigen inzwischen auch die Bundesregierung.

? Sollten die Deutschen also weniger Fleisch essen?

Unter Medizinern gilt das als Gemeingut. Fleisch enthält zwar wertvolle Nährstoffe, wie es in den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung heißt. 300 bis 600 Gramm pro Woche sollten es demnach aber nicht werden - was bedeuten würde, dass die Deutschen ihren Verbrauch mindestens halbieren müssten. Barbara Unmüßig, als Vorsitzende der Böll-Stiftung Mitinitiatorin des "Fleischatlas", hält den Fleischkonsum einmal pro Woche für ausreichend und rät: "Zurück zum Sonntagsbraten."

Die Ernährungsindustrie hält indes nichts von Vorgaben für die Verbraucher: "Sie entscheiden selbstbestimmt an den Kassen der Supermärkte, was sie essen möchten", heißt es beim Branchenverband BVE.