Wiesbaden (dpa) l Im September bekommt die deutsche Wirtschaftsleistung statistisch einen Extra-Wachstumsschub von bis zu 3 Prozent. Das liegt an neuen EU-Regeln. Danach gilt der Kauf von Waffensystemen als Investition - und auch Drogenhandel und Zigarettenschmuggel vergrößern künftig das BIP. In Deutschland gehen bislang schon Prostitution und Schwarzarbeit in die statistisch ausgewiesene Wirtschaftsleistung ein.

Die EU will das so, um die Zahlen weltweit vergleichbarer zu machen. "So gibt es Länder, in denen Drogen verboten sind, aber Alkohol erlaubt ist - es gibt aber auch Länder, in denen es umgekehrt ist. In manchen europäischen Ländern sind nur bestimmte Drogen verboten, andere dagegen legal", erklären Experten des Statistischen Bundesamtes. Wenn Drogenhandel und Tabakschmuggel ab September in das BIP eingerechnet werden, dürfte nach vorläufigen Berechnungen das BIP-Niveau in Deutschland um etwa 0,1 Prozent steigen.

Aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit fließt von Herbst an auch die Prostitution EU-weit in die BIP-Berechnungen ein. Demnach dürften rund 1,2 Millionen Männer, die in Deutschland täglich sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen, Bordellen, Sex-Kinos oder Table-Dance-Bars einen Jahresumsatz von über 14 Milliarden Euro bescheren. Etwa die Hälfte davon fließt ins BIP ein, der Rest muss als Vorleistung für Schutzgelder, Mieten, Kleidung oder Kondome abgezogen werden.

Panzer gelten als Investition

Das Statistische Bundesamt rechnet durch die neuen Regeln mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von bis zu drei Prozent - zusätzlich zu den Prognosen von zwei Prozent Wachstum für 2014.

Dies liegt aber weniger an den illegalen Aktivitäten. Experten begründen das erwartete Plus vor allem damit, dass Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F+E) als Investitionen verbucht werden statt wie bisher als Vorleistung.

Laut EU-Verordnung ist auch der Kauf von Kriegsschiffen, Militärflugzeugen, Panzern oder Raketenträgern künftig als Investition zu werten und steigert daher das BIP. Bisher mussten sie von der Wirtschaftsleistung abgezogen werden.

Das Statistische Bundesamt erwartet durch die Einbeziehung von Waffensystemen als Anlagegüter zwar nur eine "geringfügige" Erhöhung des deutschen BIP.