Magdeburg l Zehn Jahre ist es her, da traten Estland, Slowenien, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn der Europäischen Union bei. Arbeitskräften aus diesen Ländern blieb es aber noch bis 2011 verwehrt, sich ohne Weiteres einen Job in Deutschland zu suchen. Vor allem die Bundesregierung sorgte dafür, dass die Arbeitnehmerfreizügigkeit für diese Länder erst Jahre später in Kraft getreten ist.

Zahlen der Arbeitsagentur in Halle belegen nun, dass die Angst von damals mindestens für Sachsen-Anhalt unbegründet war, sich angesichts fehlender Fachkräfte gar rächt.

So sind gerade einmal 3352 Arbeitnehmer aus Osteuropa im Jahr 2013 hierzulande sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen. Zwei Drittel davon stammen aus Polen, es folgen Ungarn mit 14 Prozent und Slowaken mit 6,5 Prozent. Zum Vergleich: Vor Inkrafttreten der Arbeitnehmerfreizügigkeit 2004 waren 1260 Arbeitskräfte hierzulande tätig. "Nicht mal ein halbes Prozent aller Beschäftigten im Land stammt aus den damaligen Beitrittsländern", erläutert Arbeitsagenturchef Kay Senius. "Der Zuwachs bewegt sich damit insgesamt auf einem eher niedrigen Niveau."

Sachsen-Anhalt braucht Zuwanderer

Das belegen auch die bundesweiten Daten. Zwischen 2011 und 2013 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den Beitrittsländern des Jahres 2004 um rund 140.000 angestiegen. Auf Sachsen-Anhalt sind davon lediglich rund 2100 entfallen. "Die Zuwanderung ging an Sachsen-Anhalt faktisch vorbei. Das zeigt auch, dass unser Land weniger attraktiv für Fachkräfte aus dem Ausland ist als andere Bundesländer", folgert Senius.

Dabei ist Sachsen-Anhalt dringend auf Zuwanderung angewiesen. Rund 151.000 Beschäftigte im Land sind über 55 Jahre alt und gehen in den kommenden zehn Jahren in Rente. Gleichzeitig werden jüngere Beschäftigte immer weniger. Im vergangenen Jahr waren nur noch 66.500 jünger als 25 Jahre. Das sind 20.000 weniger als drei Jahre zuvor.

Auch wenn politische Forderungen nach stärkerer Zuwanderung zuletzt lauter geworden sind, hat sich mit Blick auf die Statistik noch nicht viel getan. Ausländische Beschäftigte machen in Sachsen-Anhalt nicht mal zwei Prozent der Beschäftigten aus.

Einwanderung in Sozialsystem bleibt aus

Für Senius ist deshalb klar: "Die niedrigen Zuwachsraten reichen nicht aus, um unser Fachkräfteproblem zu lösen."

Neben der Zuwanderungswelle ist nach den Zahlen der Arbeitsagentur auch die Einwanderung in die Sozialsysteme ausgeblieben. Lediglich 376 Frauen und Männer aus den damaligen Beitrittsstaaten waren im vergangenen Jahr arbeitslos gemeldet. Hinzu kamen noch 102 aus den späteren Beitrittsländern Bulgarien und Rumänien.

Auch der Bezug von Hartz IV hält sich in engen Grenzen. 2013 waren rund 810 Menschen aus den acht Beitrittsstaaten auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen. Aus Bulgarien und Rumänien, die erst im Jahr 2007 beigetreten sind, bezogen 270 Menschen Hartz IV. "Zuwanderer machen damit nur ein halbes Prozent der Leistungsempfänger in Sachsen-Anhalt aus", so Senius.