Magdeburg l Um den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft zu fördern, achten Städte in der Regel darauf, dass sich keine Problem-Bezirke bilden. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt auf, dass in einigen deutschen Großstädten Arme und Reiche eher getrennt voneinander in unterschiedlichen Wohnquartieren leben.

"Berlin und Hamburg gehören neben Frankfurt und Leipzig zu den am stärksten segregierten Großstädten. Dagegen ist die räumliche Trennung von Menschen mit unterschiedlich hohen Löhnen in München - neben Stuttgart und Essen - am wenigsten stark ausgeprägt", berichten die Forscher.

Einen besonderen Fokus hat das IAB auf Niedriglohn-Bezieher gelegt. Bei der Analyse, wo sie wohnen, zeigen sich unterschiedliche Muster der Ansiedlung. In den Berliner Stadtteilen Neukölln, Marzahn und im Wedding gibt es geschlossene Flächen von mehreren Quadratkilometern, in denen mindestens jeder dritte Beschäftigte Niedriglöhne bezieht. Mit Blick auf die bundesweite Niedriglohnschwelle zählen in Berlin auch 29 Prozent der Beschäftigten zu den Niedriglohn-Empfängern, in München dagegen nur 13 Prozent. Aber auch in der bayrischen Landeshauptstadt wohnen Arme häufig beieinander: Erhöhte Anteile weisen dort unter anderem die Bezirke Feldmoching-Hasenbergl, Milbertshofen-Am Hart und Berg am Laim auf.

Als Grund für die unterschiedlich stark ausgeprägten sozialen Trennungen sehen die Forscher den Wandel der Wirtschaftsstrukturen. "Während die alten Industrien in Hamburg und Berlin durch negative Strukturschocks getroffen wurden, blieb München von größeren Krisen verschont und konnte zudem in besonderem Maße von der Neuansiedlung von wissensintensiven Branchen profitieren."

Ein weiterer Grund für eine stärkere soziale Trennung liege auch darin, dass sich der Staat teilweise aus der Förderung von sozialem Wohnungsbau zurückgezogen hat.

Die IAB-Forscher warnen vor unerwünschten Folgen, die eine starke räumliche Trennung der Einkommensgruppen haben kann: "Im Ergebnis kann innerstädtische Einkommenssegregation dazu führen, dass schwächeren Bewohnern qualitativ schlechtere lokale öffentliche Ressourcen und Netzwerke zur Verfügung stehen." Diese seien vor allem für junge Menschen mit Blick auf Bildungserfolge und Arbeitsmarktchancen und damit für ihre Sozialisation von hoher Bedeutung.