Investforum Sachsen-Anhalt
Seit 2009 bringt das Investforum Sachsen-Anhalt Unternehmen und Investoren zusammen. In zehnminütigen Vorträgen präsentieren die Gründer ihre innovativen Geschäftsmodelle vor den potenziellen Geldgebern.
400 Gründungsprojekte haben sich seit 2009 für eine Teilnahme am Investforum beworben. Über 100 Bewerber wurden bislang durch die Mitarbeiter des Investforums betreut und hatten zwischen 2009 und 2013 die Chance, ihre Geschäftsmodelle den Finanziers vorzustellen.

Mehr als 31 Millionen Euro an Risikokapital wurden seitdem eingesammelt. Etwa 60 Prozent der Präsentierenden konnten eine Finanzierung erhalten.

Das Investforum wird durch das Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

Magdeburg l Frauen werden diese Idee lieben. Aus hohen Stilettos werden in wenigen Sekunden flache Ballerinas. Die Idee von Oliver Barth könnte den Schuhmarkt revolutionieren. Der Münchner hat mit zwei Freunden die ersten höhenverstellbaren Frauenschuhe entwickelt. Per Klick lässt sich der Absatz tauschen und die Sohle verstellen. Es ist ein Schuh, der für den Alltag geeignet ist und sich in Sekunden für den großen Auftritt stylen lässt.

"Wir haben den Frauen aufmerksam zugehört", sagt der 31-jährige Gründer der Firma "Mime". Geld verdient hat er mit seinen zwei Geschäftspartnern noch nicht. Auf dem Investforum will er Unterstützer finden. Denn nur mit Geld schafft es der Schuh von der guten Idee zu einem Produkt, das von den Frauen gekauft wird. "Wir brauchen als Finanzierung für den Markteintritt etwa 300000 Euro", sagt Barth. Zehn Minuten Zeit hat er, um bei der Präsentation mögliche Investoren von seinem Produkt zu überzeugen.

Auf dem Investforum entscheiden diese Minuten über die weitere Entwicklung der teilnehmenden Firmen. Zwischen 50000 und vier Millionen Euro Kapital versuchen die 25 Teilnehmer einzusammeln. Das Investforum vereinfacht für die jungen Gründer die Suche nach Kapitalgebern.

Wer wachsen will, muss investieren

Kapital einzusammeln ist in Deutschland schwierig, sagen Experten. Auch, weil "Investoren hier zögerlicher sind und es zu wenige gibt, die an neue Geschäftsmodelle glauben", so Marco Winzer vom High-Tech-Gründerfonds. Viele Gründer stellt das vor Probleme. Denn die jungen Firmen wollen wachsen und dafür müssen sie investieren - in Personal, Maschinen und den Vertrieb.

"In Sachsen-Anhalt gibt es nur wenige Investoren", erklärt Daniel Worch, Geschäftsführer von Investforum-Organisator Univations. "Wenn wir junge Unternehmen in unserem Bundesland weiterentwickeln wollen, müssen wir Investoren aus ganz Deutschland einladen", sagt Worch.

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) verspricht sich davon sogar Wachstum und Wohlstand für Sachsen-Anhalt. "Von jungen Unternehmen mit guten Ideen profitiert das Land. Durch den Erfolg der Unternehmen werden Steuereinnahmen generiert, mit guten Arbeitsplätzen wächst die Kaufkraft", so der Minister.

Von den 25 Unternehmen, die ihre Ideen auf dem Investforum präsentieren, sind allerdings nur sieben aus Sachsen-Anhalt. "Wir bekommen Bewerbungen aus ganz Deutschland und wählen aus diesen Ideen die vielversprechendsten aus", erklärt Organisator Worch.

"Fazua" heißt ein solches Projekt, das die Bewerbungsphase erfolgreich überstanden hat. Der Münchner Markus Schlüter hat mit seinen Partnern einen kompakten Antrieb für elektronische Fahrräder entwickelt. Die Antriebseinheit ist im Fahrradrahmen versteckt. Von außen ist das E-Bike nicht von einem normalen Rad zu unterscheiden. 1,6 Millionen Euro will die Firma für den Markteintritt ihrer Idee einsammeln. Die Präsentation lief gut. "Wir haben positive Rückmeldung bekommen", so Gründer Markus Schlüter.

Bevor investiert wird, prüfen die Geldgeber die Gründer auf Herz und Nieren. "Ein Investment ist wie eine Ehe. Man muss sich vertrauen können", erklärt Marco Winzer. Rund 1600 Unternehmenskonzepte landen pro Jahr bei seinem Investment-Fonds. Die meisten lehnt er ab. "Entscheidend sind nicht nur die Ideen, sondern die Köpfe, die dahinterstehen", so Winzer. Meinung

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