Berlin (epd) l Eine Waschmaschine ohne Rückwand, der Blick auf die hellblaue Trommel liegt frei. "Hier sehen Sie einen wirtschaftlichen Totalschaden", sagt Stefan Schridde und deutet auf einen Metallstift im Rücken des runden Plastikbehälters: ein kaputtes Kugellager. Es auszutauschen, war einmal eine Kleinigkeit. "Doch dann haben die Hersteller beschlossen, Trommel und Lager fest miteinander zu verbinden", erklärt der 52-jährige Betriebswirt. Geht das Lager kaputt, muss nun die ganze Trommel ersetzt werden.

Die Folge: sechsfache Arbeitszeit, sechsfache Kosten. Die Reparatur der Maschine lohnt nicht mehr - obwohl sie nur zwei Jahre lief.

Ob wenig widerstandsfähige Plastikteile in Waschmaschinen; ob Drucker mit eingebauten Seitenzählern, die viel zu früh melden, die Tinte sei leer; oder die festen Verklebungen mancher elektrischer Zahnbürsten oder Milchaufschäumer, die neben dem Austausch von Akkus jegliche Form der Reparatur verhindern - Schriddes These: Nichts davon ist Zufall.

Nicht immer sei Herstellern gleich Arglist zu unterstellen, relativiert Schridde. Aber wenn ein Produzent eine Waschmaschine für 300 Euro verkaufe, denke er eben immer auch, dass er den Kunden bald wiedersehen wolle. So seien verschiedenste Strategien entstanden, die Nutzungsdauer von Produkten zu verkürzen.

"Am häufigsten ist die bewusste Unterlassung", sagt Schridde. So spiele die Anweisung "Baue ein haltbares Produkt!" schlicht keine Rolle im Herstellungsprozess. Die eigentlich dafür zuständigen Ingenieure hätten keinen Einfluss auf das Design der Produkte. Sie müssten die Vorgaben von Produktentwicklern und Marketing-Abteilungen umsetzen.

2011 begann Schridde, im Internet über geplanten Verschleiß zu informieren. Heute folgen ihm auf Facebook mehr als 20000 Menschen. Sein Verein "Murks? Nein danke!" betreibt eine Wanderausstellung, Ende 2014 kam mit dem "Murks.Center" in Berlin-Tempelhof eine Dauerausstellung hinzu. Schridde schrieb ein Buch, 2013 baten ihn die Grünen um ein Gutachten zum Thema. Geplante Obsoleszenz bewegt - aber warum?

Schridde sagt, die Märkte seien schon Ende der 1980er Jahre gesättigt gewesen. Um aber weiter Produkte verkaufen zu können, werde deren Lebensdauer verkürzt.

Es könne nicht sein, dass sich die Bürger erst einmal selbst durch 10000 Angebote wühlen, um herauszufinden, welche Produkte gut seien und welche nicht. "Der Handel muss sein Sortiment aufräumen", fordert Schridde.

Der Handelsverband Deutschland sagt, dass dem Handel bereits eine wichtige Rolle bei der Vorauswahl von Sortimenten zukomme und Qualitätseinbußen grundsätzlich vom Verbraucher bestraft würden. Und der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie teilt mit, vorsätzlich auf schnelleren Verschleiß hinzuarbeiten, "steht im absoluten Widerspruch zum Selbstverständnis unserer Mitgliedsunternehmen".

Klarheit könnte eine Studie des Umweltbundesamtes bringen. Ein Zwischenergebnis: Elektrogeräte werden heute früher ausgetauscht als noch vor Jahren.