Magdeburg l Legehennen sind aufs Viel-Eier-Legen hochgezüchtete Tiere. Der weibliche Nachwuchs ist erwünscht - männliche Küken hingegen gelten als doppelt nutzlos: Sie legen keine Eier und sie setzen zu wenig Fleisch an, als dass sie als Masthähnchen taugen. Die Folge: Die geschlüpften Männchen werden sofort getötet. Sie gelangen per Förderband in einen Schredder. Oder aber in einen Behälter, wo sie vergast werden. Eine hohe Konzentration an Kohlendioxid betäubt die Tiere und lässt sie dann ersticken.

Die Tierschützer von "PETA" haben jetzt bei Staatsanwaltschaften Strafanzeigen gegen 26 Brütereien gestellt. Darunter sind allein 17 Betriebe in Niedersachsen. "Ihr Handeln widerspricht nicht nur Ethik und Moral, sondern ist auch strafbar", sagte PETA-Anwalt Krishna Singh der Volksstimme.

Verschärfung des Tierschutzes

Paragraf 17 im Tierschutzgesetz bestimmt: Wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet, wird mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. Zunächst hatte PETA auch einen Betrieb in Sachsen-Anhalt im Visier: Da dieser aber nicht in der umstrittenen Legehennenzucht tätig ist, wurde die Anzeige wieder zurückgezogen.

"Der Massentötung muss ein Riegel vorgeschoben werden", meint auch Sachsen-Anhalts Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU). Allerdings ist der Weg dorthin umstritten. Nordrhein-Westfalen, wo die Grünen in der Regierung sitzen, preschte mit einem Verbotserlass vor. Ohne schnellen Erfolg. Ein Betrieb klagte und bekam vor dem Verwaltungsgericht Minden im Februar Recht. Die Richter meinen, dass das Tierschutzgesetz ein sofortiges Verbot nicht hergibt.

Das Umweltministerium in Düsseldorf ging in Berufung. Außerdem startete die rot-grüne Landesregierung eine Gesetzesinitiative im Bundesrat, damit das Tierschutzgesetz unmissverständlich verschärft wird. "Tiere dürfen nicht als Abfallprodukt behandelt werden", heißt es im Haus von Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Außerdem müsse das Verbot EU-weit durchgesetzt werden.

Uni Leipzig entwickelt Gerät zur Geschlechsbestimmung

Die Grünen in Sachsen-Anhalt unterstützten die Verbotsinitiative. Die CDU-SPD-Koalition in Magdeburg ist skeptisch und befürchtet bei einem Verbot eine Produktionsverlagerung ins Ausland. Sie setzt - wie auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) - auf eine baldige wissenschaftliche Lösung.

An der Uni Leipzig wird ein Gerät entwickelt, mit dem schon drei Tage nach Brutbeginn das Geschlecht im Ei festgestellt werden kann. Die Eier mit männlichem Nachwuchs würden aussortiert, das Küken-Schreddern hätte ein Ende. Bis Ende 2016 soll ein Prototyp fertig sein, teilte die Uni am Mittwoch auf Nachfrage mit. "Das dauert zu lange", wendet Dorothea Frederking von den Grünen ein.

Sachsen-Anhalts Landesbauernverband hat die rufschädigende Wirkung für die Branche erkannt. "Das Problem existiert weltweit", sagt Christian Apprecht. Die Bauern hoffen, dass das Gerät zur Früherkennung bald marktreif ist. Zudem wird ein "Zweinutzungshuhn" gezüchtet, das sowohl Eier als auch Fleisch liefert. Da können Hennen wie Hähne überleben. Allerdings taugen die Tiere nur für einen Nischenmarkt, berichtet Apprecht. Grund: Es hat weniger Fleisch als ein Masthuhn und legt weniger Eier als eine Legehenne.