Der angehende SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2011, Jens Bullerjahn, hat in der Frage des künftigen Schulsystems in Sachsen-Anhalt Kompromissbereitschaft mit der CDU signalisiert. Die von seiner Partei geforderte Einheitsschule werde es kurzfristig nicht geben können, sagte er in einem Volksstimme-Gespräch.

Magdeburg. Die SPD strebt eigentlich eine Allgemeinbildende Oberschule ( AOS ) bis zur achten Klasse an. Erst danach sollen sich die Bildungswege in Sekundarschule oder Gymnasium trennen. Auch die Linke setzt auf längeres gemeinsames Lernen. CDU und FDP wollen das dreigliedrige Schulsystem mit einem Wechsel nach Klasse vier grundsätzlich beibehalten.

In einem Volksstimme-Gespräch hat Bullerjahn jetzt neue Bewegung in die festgefahrene Debatte gebracht. " Ich bin gegen allzu radikale Schnitte ", sagte er. " Einen Systemwechsel komplett zur AOS wird es kurzfristig nicht geben können. "

Zuvor hatten bereits SPDKommunalpolitiker wie Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper und Halles Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados ( beide SPD ) die eigene Partei vor einer überhasteten Schulreform gewarnt. Es dürfe nicht passieren, dass gerade erst für viel Geld sanierte Gymnasien nach einer Schulreform leerstünden, hatten beide argumentiert. Beide plädierten für freiwillige Lösungen, bei denen die Kommunen entscheiden, in welchen Schritten Gemeinschaftsschulen eingeführt werden.

CDU-Spitzenkandidat Reiner Haseloff hatte vor gut drei Wochen in einem Volksstimme-Interview erklärt : " Wer die Schulreform zum entscheidenden Wahlkampfthema macht, wird abgewählt. Die Leute wollen keine Schulreform, die wieder alles auf den Kopf stellt. "

Bullerjahn sagte der Volksstimme : " Die SPD ist daran interessiert, im Bildungskonvent einen Kompromiss zu finden. Wir brauchen eine nach vorne gerichtete Einigung, die zum Beispiel ein längeres gemeinsames Lernen von sechs Jahren beinhalten könnte. Es will doch keiner eine endlose Bildungsdebatte in Sachsen-Anhalt haben. "

In diesem Zusammenhang verwies er auf ein Kompromisspapier, das dem Bildungskonvent seit einigen Wochen vorliegt. Darin wird unter anderem vorgeschlagen, dass der " profilierte Platz der Gymnasien im Bildungssystem " erhalten bleiben soll. Das Bildungssystem solle aber auch für Schulformen mit einem längeren gemeinsamen Lernen geöffnet werden. Der 37-köpfige Bildungskonvent befasst sich am 26. April mit diesem Papier.

Zuletzt hatte sich Ministerpräsident Wolfgang Böhmer ( CDU ) für eine langjährige Pause bei den Schulreformen ausgesprochen. Dem widersprach Bullerjahn : " Selbst in konservativen Kreisen ist zu hören, dass eine Trennung der Schüler nach vier Jahren ein soziales und bildungspolitisches Hemmnis ist und dass Ganztagsschulen keineswegs falsch sind ", sagte er. " Da erwarte ich auch von der CDU im Land eine Öffnung. "