Erst Frost- und Nässeschäden, dann Trockenheit – Sachsen-Anhalts Landwirte müssen an ihren Ernteprognosen für dieses Jahr Abstriche machen, vor allem beim Raps. Höchsterträge sind nicht mehr drin, daran ändert auch der gestrige Nieselregen nichts.

Magdeburg. Beim Raps konnten es auch Laien sehen: Die Felder leuchteten in diesem Frühling nicht so gelb wie gewohnt. Das liegt daran, dass deutlich weniger Pflanzen auf den Flächen stehen, von denen wiederum wurden weniger Triebe gebildet, der Blütenteppich hat viele Löcher. Die Schotenbildung hat kaum begonnen, da werfen die Pflanzen auch schon tragende Halme ab, weil Wasser fehlt. "Der Raps steht nicht gut", sagte gestern Wolfgang Köhler, Geschäftsführer des Bauernverbandes "Börde". Je nach Sorten, Böden und Niederschlagsverteilung gebe es jedoch Unterschiede.

"Höchsterträge wird es hier in diesem Jahr bei Raps und Getreide nicht geben", schätzte Thomas Seeger, Chef der Agrargesellschaft "Börde" Rottmersleben, ein. Er geht davon aus, dass die Maximalerträge mindestens um zehn Prozent unterschritten werden. "Die Pflanzen brauchen dringend Regen", so Seeger, das bisschen Niederschlag aus den vergangenen Tagen werde vom Wind schnell wieder aus der Erde gezogen. Dank guter Böden stünden die Pflanzen auf den Flächen des Betriebes im Vergleich zu vielen anderen Standorten aber recht gut.

Andere Äcker sind stärker betroffen, mancher Landwirt erwartet zum Teil nur die Hälfte vom Durchschnittsertrag, sagte Christian Apprecht, Medien-Referent des Landesbauernverbandes (LBV) Sachsen-Anhalt. Beispielsweise im Raum Anhalt seien die Folgen von Trockenstress in den Beständen unübersehbar.

Regional haben die Landwirtschaftsbetriebe in der vergangenen Woche unterschiedlich von Niederschlägen profitiert. "In Angern sind bis zu 16 Millimeter runtergekommen, in Haldensleben waren es nur 2 Millimeter, andere haben gar nichts abbekommen", berichtete Wolfgang Köhler aus seinem Börde-Revier.

Während die meisten Landwirte auf etwas mehr Regen hoffen, stehen Bauern in der Egelner Mulde vor den Frost- und Vernässungsschäden aus dem vergangenen Winter. Drei bis fünf Prozent der Flächen, die mit Winterraps oder Wintergetreide bestellt worden waren, mussten umgebrochen und neu bestellt werden, einige Betriebe konnten die Hälfte ihrer Flächen gar nicht bewirtschaften.

Überwiegend gut sieht es laut Apprecht bei Kartoffeln aus. Mit der Substanz, die sie aus den Knollen ziehen, haben sich die Pflanzen bisher gut entwickelt. Auch die Zuckerrüben sind gut aufgelaufen. "Die Landwirte haben teilweise den Boden zwischen den Reihen nochmals aufgelockert, damit das wenige Wasser besser einziehen kann", erklärte Apprecht. Beim Getreide hat die Ährenbildung begonnen, die Kornfüllung hänge von weiteren Niederschlägen ab, so der LBV-Medienrefernt. Positiv sei, dass die Pflanzen aufgrund der Trockenheit bereits tiefere Wurzeln gebildet haben. Damit seien sie besser für die Frühsommertrockenheit gerüstet.

In Betrieben mit Rinderhaltung wird zum Teil das Futter knapp. Die Reserven aus dem Vorjahr gehen zur Neige, und die erste Grasmahd ist nicht gerade üppig ausgefallen. "Die Landwirte helfen sich gegenseitig mit Futter aus", sagte Köhler. Wegen Hochwassers seien etliche Wiesen lange Zeit nicht befahrbar gewesen, notwendige Pflegearbeiten wie Walzen und Striegeln seien unmöglich gewesen. Nun hofften die Bauern auf einen guten zweiten Schnitt, um die Futtervorräte für ihre Tiere wieder auffüllen zu können.