Biogasanlagen sind für viele Agrarbetriebe ein zusätzliches Standbein geworden, das Marktschwankungen in anderen Bereichen auszugleichen hilft. Andererseits verdienen sich Investoren und Energiekonzerne mit Hilfe von Fördermitteln und auf Kosten der Landwirtschaft eine "goldene Nase" und wirbeln den Bodenmarkt durcheinander, sagte gestern Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU). Auf der Agrar- ministerkonferenz im schleswig-holsteinischen Plön will er heute die Förderpolitik und ihre Auswirkungen thematisieren.

Magdeburg. "Eine Biogasanlage passt gut in einen Veredelungsbetrieb, der auf diese Weise die anfallende Gülle und pflanzliche Reststoffe verwertet, Energie produziert und nach Möglichkeit auch die Wärme nutzt, zum Beispiel für die Ferkelaufzucht", erklärte Aeikens. Zunehmend würden aber Biogasanlagen errichtet, die weitgehend auf Maisbasis arbeiten. Und immer häufiger träten Konzerne als Betreiber auf den Plan.

"Diese Anlagen geraten in Konkurrenz mit Landwirtschaftsbetrieben, die die Erträge des Ackers benötigen, um damit ihre Tiere zu füttern", so Aeikens. Sachsen-Anhalts Agrarminister hält es für ungesund, wenn die Verwertung von Ackerfrüchten über Biogasanlagen mehr einbringt als die Verwertung über Rinder- oder Schweinemägen. Zudem sollte die Nahrungsmittelproduktion für die Landwirtschaft weiterhin Vorrang haben, darüber sei er sich mit den Berufsverbänden einig, betonte der Ressortchef.

Auf der Agrarministerkonferenz auf Schloss Plön in Schleswig-Holstein will Aeikens die Förderpolitik thematisieren: "Wir müssen überprüfen, welche Dosis und welche Art der Förderung sinnvoll ist, welche Auswirkungen sie auf die Kauf- und Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen hat und wie sich das Verhältnis von Nahrungs- und Energieproduktion entwickelt." In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen beispielsweise seien die Auswirkungen des Biogasbooms auf den Bodenmarkt gravierend und die Stimmung in der Bauernschaft entsprechend gereizt, erzählte Aeikens. Da würden Veredelungsbetrieben Pachtflächen durch völlig überzogene Preisangebote weggeschnappt, bei denen der Landwirt nicht mithalten könne, und der stehe dann mit seinen nicht abgezahlten Ställen machtlos da, umriss Aeikens das Problem. Die Agrarministerkonferenz solle einen Beschluss fassen, solche Auswirkungen der Biogas-Förderung zu untersuchen, damit im Zuge der EEG-Novellierung 2011 umgesteuert werden kann.

In Sachsen-Anhalt sind seit dem Jahr 2000 bisher 190 Biogasanlagen entstanden oder noch im Bau. Etwa die Hälfte der Anlagen ist auf eine Leistung von jeweils 400 bis 600 Kilowatt (kW) ausgelegt. Vier Anlagen bringen es auf mehr als 2 Megawatt (MW). Vom Land Sachsen-Anhalt sind in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 18,6 Millionen Euro Fördermittel in den Bau von 45 Biogasanlagen geflossen.

Weitere Unterstützung bekommen die Anlagenbetreiber per Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit Grundvergütung je nach installierter Leistung, mit Boni für den Einsatz nachwachsender Rohstoffe, für Gülleverwertung, innovative Technologie (Gasaufbereitung) oder Kraftwärmekopplung.

Bilder