Mit einem Vortrag über die Großtrappe hat die Zeppernicker Bürgerinitiative (BI) "Unsere schöne Heimat" am Mittwoch die Bevölkerung für den stark bedrohten Bodenbrüter sensibilisieren wollen. Die Großtrappe nutzt auch das Gebiet, das derzeit als künftiger Windkraftpark im Gespräch ist.

Zeppernick/Brietzke l "Die Großtrappe hat auch hier, in ihrem Gebiet, einen Lebensraum", stellte Dorothée März an die gut 40 anwesenden Zuhörer gerichtet fest. Dorothée März gehört zum Schutzprojekt "Großtrappe", das seit 2009 und noch bis 2014 mit Hilfe von EU-Fördergeldern den Bestand der seltenen Tiere aufpäppeln will. So konnte im Fiener Bruch ein Schutzareal errichtet werden, in dem die Vögel erfolgreich brüten können.

Doch wenn die Jungtiere flügge sind, begeben sich die Trappen auf Reisen. Jetzt in den Herbst- und Wintermonaten treibt es sie wieder gut 100 Kilometer in Richtung Südwesten. Dann landen sie auch auf den landwirtschaftlichen Flächen zwischen Loburg, Zeppernick und Brietzke. Dort, wo nach Vorstellungen der Lorica Windpark Stegelitz GmbH Co. KG zwölf Windkraftanlagen stehen sollen.

Dorothée März weiß: "Wo solche Anlagen errichtet werden, geben Großtrappen ihre Aufenthaltsplätze auf. Windkraftanlagen sind Störfaktoren für die Tiere, denen schon jetzt nur noch ein Prozent ihres ursprünglichen Lebensraumes zur Verfügung steht."

Den Naturfreunden aus Zeppernick und den Trappenschützern ist an diesem Vortragsabend unklar, warum einerseits das Land Sachsen-Anhalt im Rahmen der Regionalplanung jetzt prüfen soll, ob bei Zeppernick ein Windpark entstehen kann - und andererseits schon im Jahr 2002 die Bundesregierung der Bonner Konvetion beigetreten ist. Einer internationalen Vereinbarung, die unter dem Stichwort "Memorandum of Understanding on the Conservation and Management of the Middle-European Population of the Great Bustard." empfiehlt, dass zum Schutze von wandernden Vögeln wie der Großtrappe deren Lebensra¨ume zu erhalten sind, und Hindernisse, die die Wanderung dieser Arten erschweren oder verhindern, zu minimiert und gefa¨hrdende Einflu¨sse kontrolliert werden sollen.

Auch BI-Mitglied Jan Blaue sieht einen krassen Widerspruch: "Da wird viel Geld in das "ELER-Schutzprojekt Großtrappe\' gesteckt, in dem es darum geht, wieder eine reproduzierbare Herde in die Fläche zu bringen, und dann wird ausgerechnet diese benötigte Fläche zerstört."

Aus dem Europa¨ischen Landwirtschaftsfonds zur Fo¨rderung der Entwicklung des la¨ndlichen Raums (ELER) wurde eigens eine Gebietsbetreuung auch fu¨r die Großtrappe ermo¨glicht. Hierdurch soll unter anderem der Schutz der Bruthabitate durch Lokalisierung von Brutvorkommen vorgenommen und in diesen Bereichen die daran orientierte Bewirtschaftung veranlasst werden.

Ein solches Schutzgebiet liegt im Fiener Bruch. Der Landkreis Jerichower Land fu¨hrt als zusta¨ndige Beho¨rde gema¨ß des Naturschutzgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt die Umsetzung des Artenhilfsprogramms Großtrappe durch. Und auch über den noch zu bestimmenden Umfang einer Umweltverträglichkeitsprüfung für das geplante Windkraftgebiet muss dieser Landkreis befinden.

Derweil sammeln die Trappenschützer alle Beobachtungen der vom Aussterben bedrohten Tiere in der Region. Wer Großtrappen sichtet, möge sich beim Förderverein Großtrappenschutz unter (01 74) 7 14 16 83 melden.

www.grosstrappe.de